Interview mit Regisseurin Caroline Bottaro

Zum Filmstart von „Die Schachspielerin“ hatte ich die Möglichkeit mit der Regisseurin Caroline Bottaro zu sprechen. Die Frau lebt seit geraumer Zeit in Frankreich, ist aber eigentlich in Deutschland geboren – in Bielefeld um genau zu sein. Bisher hat Caroline Bottaro Kurzfilme gedreht oder an Drehbüchern mitgeschrieben. „Die Schachspielerin“ – Originaltitel: „Joueuse“ – ist ihr Debut als Regisseurin eines abendfüllenden Spielfilmes. Ich habe mich mit ihr über das Motiv des Schachspielens im Film, über die Darsteller Sandrine Bonnaire und Kevin Kline und über ihre eigene Verbindung zum Schachspiel unterhalten.

Nachfolgend könnt ihr also das Interview mit Caroline Bottaro lesen. Ursprünglich war es eine Audio-Aufnahme, ich habe es bestmöglich niedergeschrieben. Einige Sätze hab ich auch verständlich gemacht, da Frau Bottaro einen Mix aus Französisch, Deutsch und teilweise auch mal Englisch gesprochen hat. Wenn ihr HIER klickt, könnt ihr euch auch noch einmal die Kritik zum Film anschauen.

filmtogo: In “Die Schachspielerin” geht es ja eigentlich um diese Entwicklungsgeschichte der Hauptfigur, der Hélène. Wie die sich so im Laufe des Filmes entwickelt. Ich habe tatsächlich viel mehr dieses Schachspiel m Vordergrund gesehen. Dass das wirklich so eine Liebesgeschichte zum Schachspiel hin ist. Das ist auch an vielen Szenen auszumachen. Ich habe auch die Szene, zu Beginn mit Jennifer Beals mit ihrem Liebhaber auf dem Balkon am Schach spielen, schon als Liebesszene empfunden. Dann hat Hélène ein Schachspiel gefunden bei Dr. Kröger, während der offensichtlich ein Tête-A-Tête im Hinterzimmer hatte, wo dann auch diese Verbindung zu sehen war. Und dann auch wie sie mit ihrem Mann hat versucht Schach zu spielen, er es aber nicht versteht. Danach dann der versuchte Sex im Bett, wo er dann aber auch überhaupt nicht darauf eingeht. Das Ganze habe ich also dann doch eher als Liebe mit dem Schachspiel empfunden. Es ging aber eigentlich ja um die Weiterentwicklung von Hélène, aber welche Rolle hatte das Schachspiel jetzt denn wirklich im Film?

Bottaro: Das ist Liebe durch das Schachspiel. Das war für mich auch sehr wichtig, dass das Schachspiel, und das war nicht einfach, ich hoffe, dass man das so noch nie wirklich gesehen hat und da denkt man auch nicht direkt dran wenn man an ein Schachspiel denkt, das irgendwie Schachspiel mit Sensualität zusammenkommt. Diese Szene mit Jennifer Beals und Dominic Gould am Anfang, dass ist so sensuell zwischen den Beiden, dass das bei Hélène auch irgendwas auslöst. Sie verliebt sich in Schach durch diese Szene zwischen den Beiden. Mit ihrem Mann möchte sie am Anfang, sie schenkt ihrem Mann ein Schachspiel weil sie irgendwie was mit ihm zusammen wiederfinden möchte, was mit dieser Szene auf dem Balkon zu tun hat. Irgendwie stimmt das, das Schach mit Sensualität zu tun hat. Das war für mich auch irgendwie das Ziel vom Film.

filmtogo: Was war jetzt letztendlich ausschlaggebend jetzt mit „Die Schachspielerin“ den Schritt zu machen, vorher haben sie Kurzfilme gemacht, haben an Drehbüchern mitgeschrieben oder geschrieben, wo war da jetzt der Punkt wo sie gesagt haben, dass die Zeit gekommen ist, dass sie jetzt ihren eigenen abendfüllenden Spielfilm machen möchten?

Bottaro: Ich glaube wenn die Frage nicht mehr vorkommt. Ich habe das Buch als Manuskript vor jetzt sechs Jahren gelesen und es hat fünf Jahre gebraucht das die Dreharbeiten konkret geworden sind. Und wenn man fünf Jahre lang stark genug ist alles zu überkommen und zu sagen, ich mach das, ich mach das, ich mach das, dann ist man fertig es auch wirklich zu machen. Für mich war dass das Zeichen. Die Geschichte war für mich stark genug das ich es so lange weiter gemacht habe, bis es konkret geworden ist, bis es ein Film geworden ist.

filmtogo: Wie kommt man denn auf die Idee einen Film zu machen wo das Schachspiel eine so zentrale Rolle hat? Es beruht natürlich auf einem Roman, aber wo war da der Ansatz, wo sie dann gesagt haben, dass das jetzt wirklich so interessant ist, dass das in einem wirklich guten Film verarbeitet werden kann?

Bottaro: Eigentlich, wie gesagt, war für mich das Schachspiel nicht das Wichtigste. Als ich das Buch gelesen habe, war da die Entwicklung dieser Frau und die Entwicklung ihres Mannes, der Tochter und eigentlich von Jedem. Auch von Kröger, jeder entwickelt sich durch diese Leidenschaft der Frau zum Schachspiel. Aber ich bin selber keine Schachspielerin und als mein Film konkret geworden ist da habe ich realisiert, jetzt muss ich Schach spielen filmen. Im Film ist das nicht unbedingt so spannend. Das kann sehr langweilig sein, wenn man selber spielt ist das nicht langweilig. Aber wenn man nicht spielt, wenn man zuschaut, das kann sehr sehr langweilig sein. Ich war bei einem Meister-Turnier und manchmal dauerte es zwischen zwei Spielern eine Stunde. Die sind so konzentriert. Das ist irgendwie anders spannend. Die gucken sich an, die stehen auf, die essen, die kommen zurück, schauen sich wieder an. Da habe ich gesagt, das ist nicht möglich, die Leute schlafen ein im Kino. Und da hab ich dran gearbeitet. Im Film ist alles richtig, da war für jedes Spiel ein Meister dabei und ein Trainer. Das ist alles richtig, das war sehr wichtig für mich. Aber wie gesagt, für die Geschichte war das interessant das es Schachspiel ist. Das es ganz ruhig ist, das es durch Blicke, durch kleine Sachen zu dem Verhältnis zu Kevin Kline und Sandrine Bonnaire kommt. Aber irgendwie war das Wichtigste für mich nicht was auf dem Spielbrett los war, sondern was sich zwischen den Personen abspielte.

filmtogo: Als ich das Schachturnier am Ende gesehen habe, habe ich ganz spontan tatsächlich an “James Bond: Casino Royale” gedacht, mit dem Pokerturnier.

Bottaro: Das freut mich.

filmtogo: Wobei ich bei dem Pokerturnier bei James Bond dachte, dass war einfach nur lang und langweilig und für mich schlecht inszeniert.

Bottaro: Das freut mich noch mehr.

filmtogo: Bei dem Schachspiel habe ich mich durchaus unterhalten gefühlt. Da war eine Spannung da. Aber da vielleicht auch noch einmal der Punkt, dass das ja hauptsächlich durch die Blicke, durch die Personen inszeniert wurde.

Bottaro: Das ist auch bei dem Turnier, dann ist da auch Rhythmus und das alles. Das ist etwas anders als nur das Schachspiel. Aber ich hab nicht an „Casino Royale“ gedacht. Ich habe an Sergio Leone, „The Good, the Bad and the Ugly“ gedacht. Am Ende zwischen Clint Eastwood und dem Anderen. Da hab ich dann gedacht, das hab ich den Schauspielern auch gesagt, das ist wie ein Duell.

filmtogo: Sie hatten vorher nicht so viel mit Schach zu tun. Haben sie das im Prozess des Filmdrehs irgendwie aufgenommen. Haben sie es gelernt. Was für eine Verbindung haben sie jetzt nach dem Dreh, der Film ist fertig, zu dem Spiel Schach?

Bottaro: Ich kann immer noch nicht Schach spielen nach dem Film. Aber das war sehr interessant diese ganzen Schachleute und gute Schachspieler kennen zu lernen. Die sind immer sehr leidenschaftlich, immer sehr konzentriert und sie lieben wirklich Schach. Ihr Leben ist ganz auf Schach ausgerichtet, also sie sind total in Leidenschaft mit Schach. Das war sehr wie Tennis. Es gibt offensive Spieler und defensive Spieler, wie beim boxen auch. Das ist halt ein Sport, als Sport anerkannt und die trainieren auch wirklich wie Sportler.

filmtogo: Wie auch im Film fällt, das ist harte Arbeit.

Bottaro: Das ist harte Arbeit. Das ist sehr interessant. Man meint immer das ist nur im Kopf, aber auch der Kopf ist ein Teil des Körpers.

filmtogo: Ich mach mal ein Schwenker zu den Darstellern. Über Sandrine Bonnaire muss man gar nicht großartig reden, sie ist eine hervorragende Darstellerin und ich glaube die Rolle war auch von Anfang an für sie konzipiert?

Bottaro: Also als ich das Buch gelesen habe, hab ich sofort an sie gedacht und dann in den fünf Jahren die es gebraucht hat, jetzt mit dem Dreh, sind wir gute Freunde geworden. Sandrine ist nicht nur eine sehr große Schauspielerin, sondern auch eine sehr schöne Person. Für mich war auch diese Geschichte, das war auch für mich wichtig, dass das auch ein Portrait von Sandrine Bonnaire wird. Das ist nicht nur ein Charakter, das ist mein Blick auf Sandrine. Es ist wirklich eine sehr starke Freundschaft zwischen uns und das war auch sehr sehr wichtig in der ganzen Geschichte.

filmtogo: Dann kommen wir aber auch mal zu einem Nebendarsteller, wenn man ihn so nennen kann, nämlich den Dr. Kröger. Es gibt einige Interviews wo es hieß, dass sie von Anfang an einen Amerikaner wollten und Kevin Kline da in die Rolle geschlüpft ist. Aber ich habe auch gehört das der deutsche Schauspieler Bruno Gantz mal vorgesehen war für die Rolle?

Bottaro: Ja, das stimmt. Eigentlich wollte ich dass das kein Franzose ist. Dadurch das meine Mutter Deutsche ist, auch wenn ich nicht so gut deutsch spreche, und mein Vater war Italiener. Seit ich ein Kind war, bin ich daran gewöhnt von einer Sprache zur Anderen zu gehen und Akzente zu hören. Ich wollte nicht dass das nur ein französischer Film wird. Ich fühle mich auch nicht nur französisch, auch wenn ich immer in Frankreich gelebt habe. Da habe ich gesagt, warum nicht ein Deutscher und dann hab ich an Bruno Gantz gedacht. Das war schon mehrere Jahre her und er hat auch ja gesagt und dann hat das Leben es anders gewollt. Aber ich bin so glücklich dass das Kevin Kline ist obwohl ich Bruno Gantz für einen großen Schauspieler halte, aber das war Schicksal jetzt mit Kevin Kline. Ich bin davon überzeugt das die Sachen so passieren wie sie passieren sollen und das war eben Schicksal.

filmtogo: Der Film wurde auf französisch gedreht und wir haben gerade über Kevin Kline gesprochen. Es war ja das erste Mal das er tatsächlich auf einer Fremdsprache gedreht hat. Wie hat er sich da geschlagen? War es leichter Umgang oder musste man besonders hart mit ihm arbeiten?

Bottaro: Nein, also er hat selber sehr viel gearbeitet, er hat, als wir drei Wochen mit ihm auf Korsika waren, und als er weggegangen ist, wir hatten noch zwei Wochen Dreharbeiten vor uns, da hat er zu mir gesagt, er hätte sich seit, sein erster Film, das war „Sophies Choice“, nicht mehr einer solchen Herausforderung gegenüber gesehen. Er musste Französisch sprechen, er musste Schach spielen und Sandrine hat eine Art von Spiel, sie spielt auf sehr kleine Sachen, sehr minimalistisch. Kevin, in Amerika, ist sehr mit seinem Körper dabei, mit Komödie, ist sehr physisch und ich habe ihn gefragt ob er ein bisschen weniger mit seinem Körper macht als sonst. Er meinte, die Leute langweilen sich, oder nicht? Ich habe gesagt, du musst vertrauen zu mir haben. Ich meine, für mich hat er noch mehr Charme dadurch, das er ein bisschen weniger macht. Er ist so charmant im Film, finde ich. Das bringt soviel für die Rolle.

filmtogo: Sie haben nicht nur auf Französisch gedreht, sie haben die ganze Handlung auch auf Korsika verlegt. Die Romanvorlage spielt auf einer Insel in Griechenland. War das jetzt einfach nur die französische Filmstiftung die da ihre Finger im Spiel hatte oder was war da ausschlaggebend dafür, diese ganze Handlung nach Frankreich zu verlegen?

Bottaro: Das Buch war in Griechenland, aber ich kenne Griechenland gar nicht und durch meinen Vater, der Italiener war, habe ich am Anfang gedacht, das könnte eine Französin sein, die nach Italien geht, mit einem Italiener verheiratet ist. Aber dann musste der Film auf französisch sein auch wegen finanziellen Dingen. Korsika war die einzige Insel, da ich wollte, dass das eine mediterrane Insel ist, wie im Buch. Aber das war auch ein glückliches Schicksal. Das waren alles Orte, wo wir hingekommen sind, die wie für meinen Dreh geschaffen waren.

filmtogo: Und es musste eine Insel sein?

Bottaro: Ja, das musste eine Insel sein. Weil ich wollte das sie am Ende auf einem Boot wegfährt.

filmtogo: In Richtung Festland.

Bottaro: In Richtung Sonne, immer vorwärts.

filmtogo: Und die Tochter versucht ja auch die ganze Zeit von der Insel zu flüchten.

Bottaro: Ja, und die Kollegin auch. Und sie, bei der keiner das am Anfang erwartet, sie fährt dann. Ich hoffe es, ich glaube auch, dass ihr nur etwas Gutes wiederfahren kann in der Zukunft.

Das Interview führte Denis Sasse
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1 Kommentar

  1. […] – Die Regisseurin Caroline Bottaro ist eine gebürtige Bielefelderin. Kürzlich feierte sie ihr Debüt mit ihrem ersten abendfüllenden Spielfilm “Die Schachspielerin”. Das Blog “Filmtogo” hatte sie hierzu interviewt: Filmtogo – Interview mit Regisseurin Caroline Bottaro […]


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