DVD Kritik zum Episodenfilm ‚Universalove‘

Vor drei Jahren schickte die deutsche Regisseurin Sonja Heiss mit ‚Hotel Very Welcome‘ einen multikulturellen Episodenfilm in die Kinos, in dem eine Reihe von unterschiedlichen Personen in fernen Ländern auf eine Suche nach sich selbst gehen. Ende Januar 2010 lief mit ‚Universalove‘ ein ähnlich aufgebauter Episodenfilm namens ‚Universalove‘ in den Kinos. Regisseur war hier der Österreicher Thomas Woschitz, der sich hierfür mit der Thematik der Liebe beschäftigt hat.

In Marseille schlägt Julias Herz mit sehnsüchtiger Intensität, wenn sie an ihren Rashid denkt. In Tokio spürt ein Computerbastler ein unbändiges Herzklopfen, wenn er seine Angebetete bei der Arbeit in einer Suppenküche beobachtet und bringt dennoch nicht den Mut auf, sie anzusprechen. Ein Taxifahrer in Brooklyn steht vor einem emotionalen Abgrund eifersüchtiger Liebe zu einer schönen Frau und einem älteren Gentleman in Luxemburg gelingt es endlich, seine Gefühle für einen jungen Mann zu zeigen.

Woschitz zeigt die Liebe in all seinen Facetten, so das es schon fast erschreckend ist zu erkennen, in welchen Lebensbelangen das Handeln und Fühlen der Menschen von der Liebe gesteuert wird. So zeigt ‚Universalove‘ die Angst vor der Liebe, den Zufall der Liebe, das sie Schicksal sein kann, wie auch einfach nur schön. Aber Liebe kann auch verwirrend sein, sie kann Misstrauen, Eifersucht und Lügen hervorrufen. Dies sind nur einige Aspekte die der Regisseur in seinem Film anspricht. Dabei zeigt er durch seine multikulturellen Akteure, dass der Begriff der Liebe durchaus über weltumfassenden Einfluss verfügt. Sei es ein getrenntes Pärchen in Belgrad, das immer wieder zueinander geführt wird oder ein Soap Darsteller in Rio de Janeiro, der vor der Kamera mit der Liebe als Schauspiel, mit künstlicher, falscher Liebe zu tun hat und sie hinter der Kamera auch eben so praktiziert wie in seiner Rolle, bis er auf jemanden trifft, der seine Gefühle zu verstehen scheint. Und auch in Tokio, Luxemburg, New York oder Marseille ergeht es den Menschen nicht anders – die Liebe bestimmt ihr Leben.

Die Soap, die das Motiv der falschen, gespielten Liebe darstellt, ist dann auch in jeder der Episoden einmal im Hintergrund zu sehen, wirkt auf Fernsehbildschirmen als Bindeglied zwischen den verschiedenen Handlungssträngen. Stilistisch ist der Einsatz der Musik ebenfalls in jeder der Folgen identisch, kommt sie auch jedes Mal von der österreichischen Rockband ‚Naked Lunch‘, seit 1991 aktiv, die hier ihren ersten Komplett-Soundtrack zu einem Film abliefern. Man arbeitet in ‚Universalove‘ aber noch mit weitaus mehr Mitteln um aus seinen Film ein hübsch anzusehendes Werk werden zu lassen. Im Zeitraffer sieht man die Welt an dem mutlosen Hauptprotagonisten in Tokio vorbeiziehen, der seinen Schwarm wohl niemals ansprechen wird. Den letzten Moment mit ihrem Liebhaber genießend, bevor dieser wahrscheinlich einer vorgehaltenen Waffe erliegen wird, steht für das Mädchen in Marseille die Zeit still.

Dies ist die Episode mit der ‚Universalove‘ eröffnet wird, die Dramatik der Liebe als Einstieg. Der komplette Film ist eingebettet in die Geschichte um Julie und Rashid, mit denen der Film auch enden wird. Dazwischen die ineinander verstrickten Geschichten aus anderen Ländern, nicht synchronisiert, nur untertitelt, was die Authentizität bewahrt und gleichzeitig ein Spiel mit dem kulturellen Rundumschlag der Liebe ist.

Das dem Regisseur die Musik ein wichtiges Anliegen war, beweist nicht nur die wiederkehrende Musikclip Optik, sondern auch einige der Extras die auf der DVD vorzufinden sind. Immerhin bekommt man einen zehnminütigen Live Auftritt der Band ‚Naked Lunch‘ aus dem Landestheater Linz zu sehen, wie auch das offizielle Musikvideo zum Film. Neben dem Kinotrailer und weiteren Trailern zu Filmen wie ‚Joe Strummer‘, ‚Ostpunk‘ und ‚Berlin Song‘, ist das sehenswerteste Bonbon in der Extras-Sektion wohl eine zusätzliche Episode, die in 15 Minuten ein weiteres Liebesleben im amerikanischen New York zeigt.

‚Universalove‘ hat mit einer Laufzeit von knapp über einer Stunde genau die richtige Spielzeit um niemals langweilig zu werden. Die Darsteller überzeugen, bringen die Gefühle die von der Liebe in ihnen geweckt werden glaubhaft herüber. Und in allen Episoden schwingt die Botschaft mit, dass Liebe heißt, sich für diese zu entscheiden.

Die DVD zu ‚Universalove‘ ist ab dem 3.September im Handel erhältlich.

‘Universalove’
Originaltitel: Universalove
Label: Neue Visionen Filmverleih
Veröffentlichung: 03.09.2010
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Genre: Musikfilm
Produktionsland, Jahr: Österreich, Luxemburg, Serbien / 2008
Länge: ca. 80 Minuten
Sprachen: Episoden in Englisch, Französisch, Japanisch, Portugiesisch, Serbokroatisch, Luxemburgisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Italienisch
Specials: zusätzliche Episode, Musikclip, Naked Lunch Live, Trailer
Regie: Thomas Woschitz
Schauspieler: Anica Dobra, Dušan Ašković, Damien Smith, Sri Gordon, Daniel Plier, Sascha Migge, Liza Machover, Samir „RPZ“ Menouar, Magda Gomes, Erom Cordeiro, Kyoichi Komoto, Makiko Kawai

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