Interview ‚Zarte Parasiten‘ Darsteller Robert Stadlober

Robert Stadlober spielte in der Theaterversion von ‚Trainspotting‘ und ‚Romeo & Julia‘. Er hatte Sprechrollen in Hörbüchern wie ‚Geschichten von Michel aus Lönneberga‘ und ‚Der Club der toten Dichter‘. Er synchronisierte Zeichentrickfiguren in ‚Der Schatzplanet‘, ‚Das wandelnde Schloss‘ oder ‚Könige der Wellen‘. Als Schauspieler war er zuletzt in der Komödie ‚Unter Strom‘ und in der Verfilmung von Otfried Preußlers ‚Krabat‘ zu sehen. Am 9.September startet sein neuer Film ‚Zarte Parasiten‘. Hier spielt Stadlober an der Seite von Maja Schöne. Sie sind Jakob und Manu, die nur sich haben. Sie haben keine Vergangenheit, keine Zukunft und vor allem keinen festen Wohnsitz. Sie campieren im Wald und praktizieren ihre eigene Strategie des Überlebens. Gegen Geld geben sie anderen Menschen Interesse, Zuneigung und Wärme.

filmtogo hatte die Möglichkeit sich mit Robert Stadlober zu treffen und über den Film, sein Image und die Musik zu unterhalten.

Stadlober: Guten Tag, ich heiße Robert Stadlober, bin 28 Jahre alt und bin von Beruf Schauspieler.

filmtogo: Wie haben bei ‚Zarte Parasiten‘ die Vorbereitungen bei dir für den Film ausgesehen? Hast du da mehrere Tage im Wald verbracht? Wie bereitet man sich auf so eine Rolle vor?

Stadlober: Ich habe zwei Tage im Wald verbracht, mehr habe ich dann nicht ausgehalten. Es war auch sehr kalt. Es war ein kalter Sommer und wir haben auch im Herbst angefangen zu drehen, da war es sowieso schon kalt. Sonst lief die Vorbereitung eher darüber, dass wir sehr viel geredet haben. Ein Film der mit so wenig Dialog auskommt und wo die Turning Points in der Geschichte mit relativ kleinen Momenten, größtenteils durch Blicke erzählt werden, muss man vorher ziemlich genau wissen was man wie positioniert. Deswegen haben wir sehr sehr viel diskutiert.

filmtogo: Bei dir kann man sagen das du schon einige Filme auf den Buckel hast und du hast jetzt mit der Maja Schöne zusammen gearbeitet. Sie ist eine relative Newcomerin. Wie war da für dich die Zusammenarbeit? War es für dich leicht mit ihr zusammenzuarbeiten, war sie vielleicht noch formbar oder gab es Probleme?

Stadlober: Ne, Maja ist nicht formbar, die ist nämlich auch keine Newcomerin. Sie hat noch nicht viele Filme gemacht, aber sie hat eine sehr lange Theaterlaufbahn hinter sich. Sie weiß über Schauspielerei teilweise um einiges mehr als ich. Die Zusammenarbeit war super. Es war halt so das wir uns zehn Mädchen, junge Frauen zum Casting geholt haben. Wir waren schon vollkommen verzweifelt, weil die waren zwar alle nett aber irgendwie hat es nie Klick gemacht. Maja kam als letztes in den Raum und ich wusste nach zwei Sekunden das sie es ist. Oliver und Christian, die beiden Regisseure, wussten es auch. Wir haben trotzdem noch eine Szene zusammen probiert, danach war es dann Liebe auf den ersten Blick. Maja war die wohl beste Partnerin für eine Liebesgeschichte die ich bisher hatte.

filmtogo: Was denkst du bei der Thematik von dem Film. Würde der Mensch tatsächlich soweit gehen alles erdenkliche zu verkaufen um irgendwie zu überleben? Würde die Moral dabei tatsächlich auf der Strecke bleiben? Wie weit würde der Mensch gehen?

Stadlober: Ich glaube das die Moral eine relativ anerzogene Sache ist, die eine Gesellschaft immer wieder neu beschließt. Ich glaube nicht das die Moral eine feste Größe ist. Deswegen ist der Mensch wohl auch bereit so ziemlich jeden Scheiß zu machen. Was wir auch in den letzten hunderten von Jahren Menschheitsgeschichte leider oft auch feststellen konnten. Jetzt im konkreten Falle, dass man Gefühle verkauft, ist es bei Manu und Jakob nicht unbedingt so, dass sie gezwungen sind es zu tun. Sie tun es aus einer freien Entscheidung heraus, weil sie sagen, dass ist ihr Lebensweg und der ist durchaus moralisch. Die sind da eben zart parasitär. Es geht nicht darum Leute auszunehmen, sondern sie geben Menschen etwas, was sie nicht haben und verlangen dafür einen relativ gerechten Gegenlohn. Das heißt, sie benutzen das Prinzip des Kapitalismus auf ihre Art und Weise. Ich finde das moralisch nicht unbedingt verwerflich.

filmtogo: Um einmal auf das typische Image zurückzukommen, wo gesagt wird, du seist ein Rebell der Filmszene. Jetzt gibt es andere Stimme die sagen, dass du mit diesem Film oder auch schon mit ein paar Filmen vorher, erwachsener geworden bist. Letztendlich hast du jetzt aber auch eine Rolle, die gegen die Gesellschaft rebelliert, da im Wald lebt. Wie passt das ins Bild das da gesagt wird, jetzt bist du kein Rebell mehr, aber irgendwie dann doch noch.

Stadlober: Auf der einen Seite bin ich natürlich erwachsener geworden, zwangsläufig, weil ich ja auch älter geworden bin. Dieses ganze Ding mit dem Rebell. Es gibt halt relativ Geschichten wo ein glücklicher Mensch in einer sehr glücklichen Situation mit genug Geld vor sich hin lebt. Das ist nicht unbedingt sehr spannend auf der Leinwand. Die meisten Hauptfiguren in Filmen haben das ein oder andere Problemchen, mit dem sie sich auseinandersetzen müssen. Darum wird daraus eine Geschichte. Ich weiß das ich nicht unbedingt die gleichen Rollen wie Daniel Brühl spiele, aber auch Daniel zum Beispiel meistens Außenseiter spielt. Er sieht halt ein wenig braver aus als ich. Dieses Rebell Image ist einfach eine Schublade, ich habe mich nie als Rebell gesehen. Wenn ich ein Rebell wäre, würde ich meine eigenen Filme drehen und nicht in geförderten und teilweise mit Fernsehgeldern finanzierten Mainstream-Produktionen mitspielen.

filmtogo: Du sagst es selbst, dass du erwachsener geworden bist. Hat sich damit auch etwas an der Arbeitsweise am Set geändert? Von deinen ersten Filmen als Jugendlicher bis Heute. Ist das routinierter geworden?

Stadlober: Ja, auf jeden Fall. Ich gehe früh schlafen. Ich habe aufgehört mich mit Beleuchtern jeden Abend volllaufen zu lassen. Es hat mit 18 Jahren noch Spaß gemacht, mittlerweile ist ein Kater dann meistens auch länger, das kommt dann auch mit dem Alter. Arbeiten macht mit Kater einfach kein Spaß mehr. Früher habe ich Filmsets einfach als eine große Party angesehen. Mittlerweile ist es so, das ich gerne meine Arbeit mache und dann abends auf das Hotelzimmer oder nach Hause gehe und etwas esse, ein Buch lese und schlafen gehe und gucke das ich meine acht Stunden Schlaf bekomme.

filmtogo: Du hast die Rolle des Falco abgelehnt. Du hast gesagt, du siehst es als unmöglich an diese vierzig Jahre Leben emotional zu erfassen. Ist das ein Momentanzustand für dich oder denkst du, dass du irgendwann soweit wärst diese Rolle zu spielen?

Stadlober: Ich denke schon das ich irgendwann soweit wäre diese Rolle zu spielen. Ich muss auch sagen das es eigentlich eine billige Ausrede war, die ich da benutzt habe. Es ging eher darum das ich mit der Art und Weise wie das Projekt angegangen wurde nicht zufrieden war. Das kann man aber natürlich in dem direkten Umfeld nicht sagen, weil man damit Leute so ein wenig in den Schmutz zieht und das wollte ich nicht. Ich finde, an dem Punkt, an dem der Film gedreht werden sollte, waren Produktion, Regie und ich als Schauspieler noch nicht weit genug um anzufangen diesen Film zu drehen. Man wollte aber unbedingt anfangen mit dem Dreh, weil sie Zeitdruck hatten und zu Falcos zehnten Todestag den Film herausbringen wollten. Dann habe ich irgendwann beschlossen, bevor es schlecht wird, sollen sie sich lieber jemand anderen suchen, ich würde es nicht machen.

filmtogo: Dein nächster Film ist ‚Samstagabend, Sonntagmorgen‘. Worum geht es da?

Stadlober: Das ist ein lustiger Kurzfilm, den ich zusammen mit einem Freund gemacht habe. Da geht es um zwei Jungs die sich um Beziehungskonstrukte in einer postmodernen Gesellschaft unterhalten. Welcher Film als nächstes ins Kino kommt, weiß ich gar nicht so genau. Premiere hat auf der Berlinale jedenfalls der Kinofilm zu der österreichischen Kultserie ‚Kottan ermittelt‘. Da spiele ich den Alfred Schrammel, den leicht bescheuerten Assistenten von Kottan. Lukas Resetarits spielt wieder Kottan und bei den verstorbenen Schauspielern wurden diese eben durch andere Leute ausgetauscht, was man bei Kottan schon immer gemacht hat. Das ist wohl das nächste was dann ins Kino kommt. Dann gibt es noch einen Film den ich selber im letzten Jahr produziert habe. Der wird dann vermutlich im Frühjahr nächsten Jahres herauskommen. ‚Adams Ende‘ heißt der Film. Einer meiner besten Freunde hat hier Regie geführt und wir haben einmal ausprobiert, mit wie wenig Geld und mit wie wenig Leuten man einen Langspielfilm hinbekommt. Das ist verdammt wenig und es sieht verdammt gut aus. Man darf niemanden verraten mit wie wenig Geld wir ausgekommen sind. Weil der Film sieht nach viel mehr aus.

filmtogo: Verrat es!

Stadlober: 3000 Euro haben wir ausgegeben. Natürlich haben wir Sponsoring bekommen, aber 3000 Euro reelles Geld. Keine Redakteure, kein Fernsehsender, kein gar nichts. Es ist alles unser Geld. Ich bin sehr begeistert von dem Film und auch Leute die nichts mit dem Film zu tun haben, ihn aber schon gesehen haben, sind sehr angetan. Ich glaube, dass könnte was werden. Dann gibt es noch einen anderen Film, der vielleicht schon im Januar in die Kinos kommt, der heißt ‚Der Mann, der über Autos sprang‘. Den habe ich zusammen mit Jessica Schwartz gemacht. Auch wieder eine Außenseiter-Geschichte. Ein junger Mann läuft zu Fuß von Berlin nach Stuttgart um einen anderen Mann, der im Sterben liegt, zu heilen. Mit der Energie die er beim Gehen aufwendet.

filmtogo: Wie ist denn dein Leben fernab von Filmsets. Jetzt solche Promotion Touren für Filme, ein Interview nach dem anderen. Wie kommt man damit zurecht?

Stadlober: Das sind halt relativ berechenbare Zeiträume in denen man so etwas macht. Den Rest der Zeit habe ich eigentlich nicht mehr so viel mit der Filmszene am Hut. Ich treibe mich nicht mehr so oft auf Premieren herum und habe auch nicht viele Freunde die etwas mit Film zu tun haben. Es ist mir mittlerweile auch ziemlich wichtig. Ich habe mich eine Zeit lang in dieser deutschen Filmpromigeschichte verloren. Dann habe ich da doch gemerkt, das eigentlich mein Innerstes ein anderes ist und ich nicht unbedingt jeden zweiten Tag neben Mariella Ahrens auf irgendeiner Party mit einem Glas Sekt herumstehen muss. Sondern das ich auch einfach für meinen Sekt zahlen kann und dann einfach mit ein paar Freunden einen Sekt trinken gehe, die mir lieber sind als viele der Menschen die man auf solchen Veranstaltungen trifft. Deswegen ist mir eine solche Promotour wie für ‚Zarte Parasiten‘ lieber, das macht Spaß, da präsentiert man eine Arbeit. Aber aus allem anderen versuche ich mich ein wenig herauszuhalten, versuche mich auf meine Arbeit zu konzentrieren.

filmtogo: Du machst ja auch Musik. Ist dass dann der Ausgleich, der Ruhepol den du aufsuchen kannst fernab von der Filmwelt?

Stadlober: Ja auf jeden Fall. Abgesehen davon ist die Musik auch das, wofür ich am meisten Zeit aufwende, wo ich jetzt auch ein eigenes Label habe. Wir sind nur zu dritt, also muss ich dafür relativ viel arbeiten. Ich glaube, die meiste Arbeitszeit die ich in meinem Leben habe, geht für die Musik drauf. Ob es jetzt die eigene Band oder das Label ist. Die meisten meiner Freunde sind auch Musiker, das sind Freunde von früher, die halt lustigerweise alle teilweise in erfolgreichen oder aber in weniger erfolgreichen Bands spielen. Aber wir haben halt alle zusammen angefangen Musik zu machen. Deswegen bin ich auch mehr mit Musikern zusammen als mit Schauspielern. Aber ob das jetzt besser oder schlechter ist, weiß ich auch nicht. Die Leute sind überall entweder doof oder nicht doof, ob die jetzt eine Gitarre in der Hand haben oder eine Kamera, das macht wahrscheinlich keinen großen Unterschied.

filmtogo: Was sind deine musikalischen Zukunftspläne? Was steht uns da noch so bevor?

Stadlober: Jetzt ist unsere neue Platte ‚One Last Hurrah for the Lost Beards of Pompeji‘ herausgekommen. Wir gehen wieder auf Tour, am 28.September, den ganzen Herbst bis zum Dezember mit Pausen dazwischen. Kann man sich alles angucken unter http://www.deathtogary.de. Da stehen unsere ganzen Termine. Im Januar und Februar werden wir dann wieder ins Studio gehen und eine neue Platte machen.

Das Interview führte Denis Sasse

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4 Kommentare

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