Interview mit Regisseur Matthias Bruhn

Am Sonntag war der Animationsfilmregisseur Matthias Bruhn zu Gast auf dem Kinderfilmfestival des Lichtwerks Bielefeld. Dort präsentierte er seinen Kurzfilm ‚Ente, Tod und Tulpe‘ nach dem gleichnamigen Bilderbuch von Wolf Erlbruch. Es geht um eine Ente die dem Tod begegnet. Dieser hat viel Zeit und so unterhalten sich die beiden und lernen viel über sich selbst sowie über das Leben. ‚Ente, Tod und Tulpe‘ wurde mit dem Prädikat ‚Besonders Wertvoll‘ ausgezeichnet und beschäftigt sich mit den Themen Freundschaft, Abschiednehmen und natürlich dem Tod.

Im Rahmen des Besuches von Matthias Bruhn hatte filmtogo die Möglichkeit mit ihm über seine Tätigkeit als Regisseur, die Arbeit an dem neuen Film und über sein nächstes Projekt zu sprechen.

filmtogo: Stell dich doch einfach erst einmal vor.

Bruhn: Also ich bin Matthias Bruhn und ich bin Regisseur, Produzent und Animationsfilmer. Ich habe ein Animationsfilmstudio in Köln mit meinem Kollegen Richard Lutterbeck. Wir kommen beide hier aus der Gegend, hier aus Bielefeld. Ich bin gebürtiger Bielefelder. Richard ist unter anderem Gründungsmitglied vom Lichtwerk Bielefeld. Wir haben also noch so ein paar Verbindungen zu Bielefeld und der Gegend hier. Wir machen jetzt schon seit 15 Jahren gemeinsam Animationsfilme und haben zusammen die Firma TrickStudio Lutterbeck GmbH in Köln. Wir machen viele Sachen für ‚Die Sendung mit der Maus‘, also Schwerpunktmäßig Kinderfilm. Aber ab und zu auch so ein paar freie Produktionen wie jetzt ‚Ente, Tod und Tulpe‘. Das ist eine Kinderbuchverfilmung von einem Kinderbuch von Wolf Erlbruch. Ein ganz tolles, leises, sehr poetisches Kinderbuch.

filmtogo: Der Film läuft jetzt international noch in Bulgarien, Spanien, Schweden und noch vielen anderen Ländern. Du hast schon gesagt, du kommst hier aus Bielefeld. Was ist das jetzt hier für dich für ein Gefühl? Kinderfilmfestival in Bielefeld, in der Heimat, deinen Kurzfilm jetzt hier sehen zu können, ihn hier vorzustellen?

Bruhn: Es macht natürlich Spaß, weil ich meiner Familie Bescheid geben konnte. Es wohnen noch immer ganz viele hier in der Gegend. Meine Schwester kommt mit den Neffen. Meine Mutter habe ich unter den Arm genommen. Die war auch schon längere Zeit nicht im Kino. Die freuen sich natürlich alle total darüber. Der Sohn zeigt jetzt hier einen Film. Da sind sie natürlich dabei. Das finde ich gut. Aber ansonsten, ob das jetzt Bielefeld ist oder auch mal ein anderer Ort, es ist immer wieder ein totales Erlebnis einen Film im Kino zu sehen wenn man die Kinder dabei hat und die ganzen Leute, die da zuschauen und dann bekommt man die Reaktionen mit. Du musst dir vorstellen, dass wir ein Jahr lang an so einem Film arbeiten. Es ist wirklich sehr viel Arbeit und ich bin da mit Haut und Haar dabei, mit Herz vor allen Dingen. Am Ende weiß man dann trotzdem nicht so genau, ob der Film auch funktioniert oder nicht. Wie sehen das jetzt die Zuschauer, wie werden sie reagieren? Sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen wenn sie den Film sehen. Da ist das für mich natürlich großartig, dass direkt miterleben zu können.

filmtogo: Der Film hat erst kürzlich das Prädikat ‚Besonders Wertvoll‘ bekommen. Insofern hast du ja die Bestätigung, dass er funktioniert. Wie war da das Gefühl, als dein Film mit diesem Prädikat ausgezeichnet wurde?

Bruhn: Ja, das wusste ich natürlich vorher, dass der Film besonders wertvoll ist. Nein, wir haben uns natürlich großartig darüber gefreut. Andererseits, das ist so eine Fachjury. Am letzten Wochenende haben wir einen Preis auf einem Kinderfilmfestival in Chemnitz bekommen, ‚Schlingel‘ heißt das. Da war eine Kinderjury, die den Film prämiert hat. So etwas finde ich dann eigentlich noch viel spannender, wenn unsere Zielgruppe sagt, der Film sei preiswürdig. Da habe ich mich riesig gefreut. Aber über das Prädikat natürlich auch.

filmtogo: Wie bist du überhaupt zum Film, beziehungsweise zum Trickfilm gekommen?

Bruhn: Also seit ich 15 Jahre alt bin mache ich Super 8 Filmchen. Irgendwann habe ich hier in Bielefeld von der Kurzfilmgruppe ‚Alte Kinder‘ Filme gesehen. Da habe ich gedacht, dass ich so etwas auch machen möchte. Da habe ich angefangen kleine Trickfilme zu machen, tatsächlich völlig als Autodidakt. Die habe ich bei Festivals eingeschickt und die sind da teils auch recht erfolgreich gelaufen. Irgendwann habe ich dann meinen jetzigen Kollegen Richard Lutterbeck kennen gelernt, der übrigens auch hier aus der Gegend kommt. Er hat in Bielefeld studiert, ist in Beckum geboren. Er hat irgendwann gemeint, dass wir den nächsten Film zusammen machen sollten, damit der mal richtig professionell werden würde. Seitdem arbeiten wir zusammen. Irgendwann haben wir angefangen kommerzielle Sachen zu machen, ein bisschen Werbung am Anfang und die letzten zehn Jahre immer mehr Kinderfilme. Für ‚Die Sendung mit der Maus‘ machen wir viele Sachen. Das macht natürlich Spaß, das ist eine tolle Art und Weise sein Geld zu verdienen.

filmtogo: Wie kamt ihr dann jetzt auf die Idee dieses Bilderbuch als Kurzfilm zu verfilmen?

Bruhn: Das ist ein Buch von Wolf Erlbruch. Wir haben schon zwei andere Bücher von ihm verfilmt. Einmal war es ‚Die große Frage‘ und dann noch sein Klassiker ‚Vom kleinen Maulwurf der wissen wollte wer ihm auf den Kopf gemacht hat‘. Das haben wir beides als Trickfilm verfilmt. Er fand diese Filme ganz toll und gelungen. Als wir dann sein damals gerade erschienenes Buch gesehen haben, haben wir gesehen, dass das eine so tolle, poetische und sensible Geschichte ist, dass wir die verfilmen wollten. Ich habe ihn dann direkt kontaktiert und er sagte, er fände die Idee gut und er wüsste das wir etwas Gutes daraus machen würden. Wir haben ihn dann am Anfang mit einbezogen, bei der Produktion, als es darum ging wie die Figuren im Trickfilm aussehen sollten. Damit wir möglichst nahe an der Buchvorlage bleiben. Am Ende war er dann ganz begeistert. Er sagte, dass das jetzt ein ganz eigenes, kleines Kunstwerk sei. Er war glücklich. Das war natürlich auch schon ein großartiges Lob vom Autor des Buches, dass er mit dem Film glücklich und zufrieden ist.

filmtogo: War die Umsetzung denn schwer? Ihr hattet als Vorlage dieses Bilderbuch. Daraus einen Kurzfilm mit Dialog zu machen, gab es da irgendwelche Schwierigkeiten?

Bruhn: Naja, natürlich gab es da Schwierigkeiten. Aber ich würde es nicht Schwierigkeiten nennen. Ein Bilderbuch ist ein Medium, dass man sich stundenlang angucken kann. Man kann verweilen so lange man will. Ein Film ist für mich die komplexeste Kunstform die es gibt. Es geht um Bilder, um Bewegung, es geht um Zeit, es geht um Musik, es geht um Geräusche, es geht um die Stimmen und es geht um die Emotionen die man dadurch erzeugen kann, wenn alles wunderbar zusammen wirkt. Das haben wir bei diesem Film versucht und, so glaube ich, es ist uns auch ganz gut gelungen. Aber das ist natürlich auch so eine Sache. Ich mache nicht umsonst seit 15 Jahren Trickfilme. Da habe ich schon ein wenig Erfahrung und auch ein Gespür dafür. Das ist natürlich auch eine große Freude an der Arbeit. Nämlich die verschiedenen Bereiche, diese verschiedenen Sachen. Mit einem Musiker zu arbeiten, der tolle Musik macht. Mit den tollen Sprechern zu arbeiten. In diesem Fall waren das Anna Thalbach und Harry Rowohlt. Es hat total Spaß gemacht mit ihnen zu arbeiten, die Aufnahmen zu machen. Wenn das dann nachher alles zusammenpasst wie ein Puzzle und ein großes Ganzes daraus wird, dann ist das einfach toll.

filmtogo: Es treffen sich im Film die Ente und der Tod. Aber welche Bedeutung hat dabei dann die Tulpe, die ja auch im Titel enthalten ist?

Bruhn: Das ist eigentlich eine Frage, die du Wolf Erlbruch stellen müsstest. Aber natürlich habe ich mir die Frage auch gestellt. Für mich war es irgendwann klar, dass die Tulpe ein Symbol für den Tod ist. Wenn der Tod die Tulpe weitergibt, dann heißt das, dass du diese Welt verlässt und eine neue Welt betrittst. So haben wir dann die Tulpe im Film auch anders eingesetzt als im Buch. Nämlich als der Tod am Anfang auf die Ente trifft, hat er die Tulpe bereits dabei, versteckt sie aber. Er freundet sich mit der Ente an. Wir sehen die Tulpe den ganzen Film über nicht. Erst wenn die Ente am Ende gestorben ist, legt der Tod sie ihr auf den Bauch und schickt sie auf die letzte Reise. Das ist eigentlich ein Symbol, was es so noch nicht unbedingt gegeben hat.

filmtogo: Der Film ist jetzt fertig. Er wird jetzt noch auf mehreren Festivals gezeigt. Hast du schon neue Arbeiten in Planung?

Bruhn: Wir arbeiten im Studio gerade intensiv an einem Film der ‚Molly und das Weihnachtsmonster‘ heißt. Das ist ein halbstündiger Weihnachtsfilm, der jetzt im Dezember auch im KiKa laufen wird. Ich glaube die Premiere ist am 13. Dezember und der Film ist noch nicht fertig. Ich muss mich jetzt also anstrengen, damit er noch rechtzeitig fertig wird. Aber das werden wir schon noch hinbekommen. Das ist das nächste große Projekt an dem wir gerade arbeiten. Was dann danach kommt, im nächsten Jahr, das werden wir dann sehen.

Das Interview führte Denis Sasse

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1 Kommentar

  1. […] Denis vom Filmblog “filmtogo” führte im Bielefelder Lichtwerk ein lesenswertes Interview mit Matthias Brun, dem Regisseur des Kinder-Animationsfilms “Ente, Tod und Tulpe” (siehe NW-Artikel hier): Filmtogo – Interview mit Regisseur Matthias Brun […]


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