A Nightmare on Elm Street (2010)

Ob sich Wes Craven (‚Red Eye‘, ‚Scream‘) bereits 1984 darüber bewusst war, das aus seinem damaligen Horrorfilm ‚A Nightmare on Elm Street‘ ein erfolgreiches Film-Franchise entwickeln würde? In Deutschland erschien der erste Teil um den Traummörder Freddy Krueger im August 1985 und sicherte Robert Englund eine lange Karriere als Horrorfilm-Ikone. Zuletzt durfte der ‚Nightmare‘ Hauptdarsteller 2003 in das Pizzagesicht-Kostüm schlüpfen und in ‚Freddy vs. Jason‘ gegen den Massenmörder aus den ‚Freitag der 13.‘ Filmen antreten. Nach diesem Crossover wurde es dann aber still um die Horrorfiguren aus vergangener Zeit. Regisseur Marcus Nispel (‚Pathfinder‘) holte im vergangenen Jahr Jason Vorhees auf die Leinwand zurück und inszenierte die Neuauflage des ersten ‚Freitag der 13.‘ Filmes. Jetzt ist Freddy Krueger an der Reihe, der in der 2010er Version von ‚A Nightmare on Elm Street‘ unter der Regie von Samuel Bayer (drehte bisher hauptsächlich Musikclips für Bands wie Garbage, The Cranberries, Green Day oder Blink 182) durch die Träume der Teenager spuken darf.

Diese Teenager sind Nancy, Kris, Quentin, Jesse und Dean. Alle träumen von einem Mann in einem zerfetzten, rot-grün gestreiften Pullover, mit einem zerbeulten Filzhut, unter dem sich ein entstelltes Gesicht verbirgt. Viel schlimmer: der Arbeitshandschuh des Mannes, an dem sich messerscharfe Klingen befinden. Einen nach den anderen hetzt dieser Mann durch ihre Träume, wo allein er die Regeln bestimmt. Nur wenn man aufwacht oder gar nicht erst einschläft, kann man seinen Klauen entkommen. Die Freunde sind aufeinander angewiesen, gemeinsam versuchen sie herauszubekommen, wie sie in dieses grausige Märchen hineingeraten sind und warum der fürchterliche Mann sie verfolgt.

Fürchterlich kann man den neuen Freddy Krueger tatsächlich nennen. Wer die alten Filme kennt, wird sich jedenfalls erst einmal an die Aufmachung der neuen Figur gewöhnen müssen. Es ist nicht viel übrig geblieben von dem geliebten Pizzagesicht. Der Film versucht durch den gestreiften Pullover und natürlich durch die Krallenhand die Assoziation zum ursprünglichen Krueger Charakter herzustellen. Bei der Maske hat man sich weit entfernt von dem was die Fans der ‚Nightmare on Elm Street‘ Serie in bisher acht Filmen zu sehen bekommen haben. Durch die Abkehr und Neugestaltung des entstellten Gesichtes, fehlt jedoch am ehesten der Bezug zur Figur des Freddy Krueger. Natürlich wirken seine Verbrennungen jetzt visuell weitaus realistischer als zuvor, aber hat ein Freddy Krueger doch sein Pizzagesicht wesentlich nötiger als einen übermäßigen Realitätsbezug.

Die alte Maske war doch hübsch, man konnte sich irgendwie über sie amüsieren, ein Pizzagesicht eben. Sowieso war Freddy Krueger immer eher der lustige Vertreter seines Genres, vor dem man allerdings trotzdem Angst haben konnte. Gerade dieses ‚Böser Clown‘ Image machte ihn einzigartig und gab ihm einen gewissen Wiedererkennungswert unter seinen Genrekollegen. Der neue Krueger hat seinen Humor verloren, reiht sich ein in die lange Liste von bösen Schlächtern, die schlicht und berechenbar ihre Opfer verfolgen. Man möchte fast meinen, Regisseur Samuel Bayer kenne seine Figur eigentlich gar nicht.

Da helfen dann auch die Darsteller nicht großartig. Nicht umsonst wurde Robert Englund als Freddy Krueger berühmt, verkörperte er diese Rolle doch geradezu perfekt. Würden wir jemand anderen in der Rolle des Indiana Jones sehen wollen als Harrison Ford? Können wir uns Captain Jack Sparrow vorstellen ohne Johnny Depp? Daher scheitert Darsteller Jackie Earle Haley nicht nur an einem schwachen Drehbuch und dem unerfahrenen Regisseur, sondern auch an den Fußstapfen die er nicht auszufüllen vermag. Umgeben wird er von einer Reihe von Jungdarstellern – die sowieso einer nach dem anderen ihr Leben geben dürfen – die in dieser Verfilmung dann sogar dem eigentlichen Hauptcharakter die Show stehlen. War in den vorherigen ‚A Nightmare on Elm Street‘ Filmen wenigstens noch klar erkennbar, dass Freddy Krueger die Hauptfigur war, nimmt der 2010er Film sich eher Zeit für die Teenager, ihre Vergangenheit, ihre Eltern und ihre Beziehungen zueinander. Manchmal hat man das Gefühl Freddy sei eigentlich gar nicht so wichtig. Man hätte ihm bei seiner Rückkehr ruhig etwas mehr Leinwandzeit gönnen können.

‚A Nightmare on Elm Street‘ des Jahres 2010 kann man getrost ignorieren wenn man sich mit Freunden zu einem Freddy Krueger Marathon trifft. Wenn ihr eure Freddy Sammlung im Regal stehen habt, könnt ihr diese Neuauflage getrost in die finstere Schublade legen, in der auch ‚Freddy vs. Jason‘ verweilen dürfte.

Denis Sasse

3 Kommentare

  1. Sorry aber dem kann ich absolut nicht beipfilchten! Näheres bei mir im Blog (Nein, keine Schleichwerbung *gg*, es würde nur keinen Sinn machen einen so langen Kommentar zu posten). Ich würde mit dir aber gern mal darüber diskutieren, wenn du magst hinterlass mir einen Kommentar entweder hier oder bei mir 🙂

  2. ey! Freddy vs Jason hatte wenigstens einen Grad an Komik! 😉
    Dieser Nightmare-Teil war einfach bloed und langweilig!

  3. […] ‘A Nightmare On Elm Street’ ist seit dem 20.Mai in den deutschen Kinos und die Kritik zum Film findet ihr jetzt genau hier. […]


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