Amelia

Amelia Earhart ist als Flugpionierin in die Geschichtsbücher eingegangen als sie 1928 als erste Frau in einem Flugzeug den Atlantik überquerte. Das genügte ihr jedoch nicht. Sie wollte nicht nur dabei sein, sie wollte selbst am Steuer eines Flugzeuges sitzen um den Atlantik zu überqueren. Dieses Vorhaben verwirklichte sie fünf Jahre später. Damit war sie nicht nur die erste Frau die im Alleinflug den Atlantik überqueren konnte, sondern auch zum ersten Menschen der den Ozean zweimal hinter sich brachte. Nach einem eher komödiantischen Auftritt Amy Adams als Earhart in der Fortsetzung von ‚Nachts im Museum‘, hat jetzt Regisseurin Mira Nair mit Hilary Swank (‚P.S. I Love You‘) eine oscarprämierte Darstellerin gewinnen können um in die Rolle dieser Figur zu schlüpfen. Ihr zur Seite stehen dabei Richard Gere (‚Hachiko‘), Ewan McGregor (‚Männer, die auf Ziegen starren‘) und Mia Wasikowska (‚Alice im Wunderland‘) um das Leben dieser Frau auf die Leinwand zu bannen.

Earharts fliegerischen Triumphe und ihr kometenhafter Aufstieg in einer von Männern dominierten Welt werden dabei immer wieder begleitet durch ihre Beziehung zu George Putman (Richard Gere). Der gemeinsame Ehrgeiz, die gegenseitige Bewunderung und ihre große Liebe zueinander kann nicht einmal durch eine kurze Affäre mit Gene Vidal (Ewan McGregor) erschüttert werden. Mit der Unterstützung von George Putman gelingen Earhart viele Rekorde. Sie wird zur ersten Pilotin, die den Atlantik im Alleinflug überquert, sie wird als Vorbild und Idol junger Frauen verehrt und avanciert zu einer der bekanntesten Amerikanerinnen ihrer Zeit. Gemeinsam mit ihrem Navigator Fred Noonan (Christopher Eccleston aus ‚G.I.Joe‘ oder der Fernsehserie ‚Doctor Who‘) verschwindet sie 1937 unter mysteriösen Umständen bei dem Versuch einer Weltumrundung entlang des Äquators.

Bisher hauptsächlich in Fernsehfilmen thematisiert, ist ‚Amelia‘ der erste Film, der versucht die Lebensgeschichte von Earhart auf die Kinoleinwand zu bannen. Dies versucht man durch den Einsatz einer Hilary Swank, die mit dramatischen Rollen (‚Million Dollar Baby‘, ‚Boys Don’t Cry‘) durchaus bewandert ist sowie mit der Untermalung der filmischen Darstellungsweise mit Originalaufnahmen aus der Zeit von Amelia Earhart. Leider verstrickt sich der Film in so vielen Zeitebenen, dass man am Ende gar nicht mehr weiß wo oder was man gerade serviert bekommt. Der Film startet mittendrin, die Einführung wird fallen gelassen, mal sehen wir Filmszenen, mal Ausschnitte aus damaliger Zeit, mal schreibt Earhart in ihr Tagebuch und der Zuschauer bekommt Geschichtsbrocken von der Offstimme Swanks hingeworfen. Irgendwo scheint sich Regisseurin Mira Nair (sie war u.a. beteiligt an dem Film ‚New York, I Love You‘, an dem mehrere Regisseure episodenhaft mitgewirkt haben) selbst zu verlieren und keinen wirklichen Stil zu verfolgen, mit dem sie die Geschichte erzählen möchte.

Dabei ist es ermüdend mitanzusehen, wie auch bei diesem Biopic die Frau wieder nur durch ihre Beziehungen definiert wird. Wie auch zuletzt in ‚Young Victoria‘ wird weniger die eigentliche Karriere in den Mittelpunkt gestellt, sondern vielmehr mit welchem Mann sie eine Liebschaft hatte, wen sie heiratet, wie eine Affäre entsteht. Verzweifelt wartet man auf den Moment, wo endlich einmal ein Film die Geschichte einer Frau erzählt, ohne dabei die Männer in den Fokus zu stellen.

Positiv sollte angemerkt werden, dass die Ähnlichkeit zwischen Hilary Swank und der wirklichen Earhart verblüffend sind, was aber bei einem Blick auf die Möglichkeiten des heutigen Hollywoods keine Überraschung mehr sein dürfte. Viel erstaunlicher ist es dann, dass Flugaufnahmen mit Hilary Swank in einem Doppeldeckerflugzeug aussehen als seien sie offensichtlich vor einem Blue Screen gedreht worden. Niemand verlangt natürlich von der Darstellerin das sie wirklich in ein Flugzeug steigt, aber da wären tricktechnisch sicher bessere Aufnahmen möglich gewesen.

‚Amelia‘ kratzt nur oberflächlich an einem Mythos. Soviel mehr hätte man aus dem Film machen können, kreisen doch die wildesten Theorien um das mysteriöse Verschwinden Earharts und ihres Navigators. Stattdessen bleibt es ein stilloses, gefühlsarmes Filmchen, das gleich mehrere gute Darsteller in der Belanglosigkeit verkommen lässt.

Denis Sasse

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2 Kommentare

  1. […] sich Hilary Swank als Pilotin in den Lüften schlägt, dass erfahrt ihr in der Filmkritik zu Amelia hier auf filmtogo. Der Film startet an diesem Donnerstag, den 17.Juni in den deutschen […]

  2. Es ist fast ärgerlich diesen Film zu sehen, denn genau wie Du dachte ich nachdem ich mich mit Amelias Leben kurz befasst habe, daß ein viel interessanterer Film über diese Frau möglich gewesen wäre. Neben der Konzentration auf wenig aufregende Stationen ihres Lebens, z. B. der Affäre mit Gene, ist vor allem das Problem, daß es Nair bis auf den dramatischen Schluß nicht gelingt irgendwie Spannung aufzubauen. Die Handlung ist daher einfach über weite Strecken nur langweilig und die floskelhaften Voice-overs tragen auch nicht zu einem tiefergehenden Verständnis der dargestellten Person dar. Hier habe ich meine Meinung etwas ausführlicher aufgeschrieben: http://www.negativ-film.de/2010/06/amelia.html
    Danke für Deine Kritik!


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