Beilight – Biss zum Abendbrot

„Dann ließ er das Lied ausklingen. Die abschließenden Akkorde waren richtig melancholisch, und nachdem er geendet hatte, klang die letzte Note wehmütig in der Stille nach.“

Ein bisschen erinnerte das Gefühl, das beim Abspann der Twilight-Parodie „Beilight – Biss zum Abendbrot“ zurückblieb, schon an die ein oder andere Textpassage aus der Original-Buchvorlage. Was da allerdings in der Stille nachklang, war weniger die pubertär verkitschte Sehnsuchtsromantik des Originals, sondern eher die fassungslose Sprachlosigkeit darüber, wie man eine Parodie bei einer solchen Vorlage dermaßen verhunzen kann. Schließlich können auch Twilight-Fans nicht abstreiten, dass der (durchaus vorhandene) Charme der Buchreihe nicht daher rührt, dass ihre Autorin eine begnadete Literatin ist. Die Bücher allein bieten also reichlich Vorlage, um durch den Kakao gezogen zu werden. Die ernst gemeinten Verfilmungen machen das ganze auch nicht besser: Hauptdarsteller Robert Pattinson musste einen dermaßen schlechten Maskenbildner an sich ranlassen, dass man ihm die ca. 28 Schichten Make-Up ansehen kann. Und Kristen Stewart hat mit ihrer schwermütigen und penetrant unlustigen Interpretation der Hauptfigur Bella wenig zu tun mit dem Original im Buch, das durchaus mal mit Humor glänzen kann.

Genau dieser Humor, der in den (etwas zu) ernst gemeinten Twilight-Verfilmungen fehlt, sollte in der Parodie „Beilight“ eigentlich reichlich vorhanden sein. Tatsächlich aber wünschen sich sogar Twilight-Hasser spätestens nach der Hälfte des Films, sie würden das Original auf der Leinwand sehen. Dann gäbe es wenigstens wegen der unfreiwillig lustigen Szenen etwas zu lachen. „Beilight“ schafft es jedoch mit seiner einfallslosen Albernheit nicht einmal, das Original lächerlich zu machen, sondern leider nur sich selbst.

Regisseur Jason Friedberg sollte eigentlich schon bei seinen Vorgänger-Filmen „Scary Movie“, „Fantastic Movie“, „Disaster Movie“ und „Date Movie“ gemerkt haben, dass es für eine gute Verarsche NICHT ausreicht, sich ein paar junge Nachwuchsschauspieler zu suchen, die den Originalen mit viel Schminke und der richtigen Frisur ein bisschen ähnlich sehen. Und an unpassenden Stellen ihren Unterleib oder andere peinliche Stellen entblößen. Okay, letzteres KANN manchmal lustig sein. Aber doch nicht 82 Minuten lang! Aber da sind ja auch noch die anderen originellen Vampirwitze: Edward trinkt Beccas Blut mit einem kunstvoll verschnörkelten Strohhalm, sein Vampirbruder Jasper klemmt sich eine Serviette unter den Hemdkragen und sieht in Becca einen riesigen Bic Mac, bevor er sich auf sie stürzt. Haha. Zu allem Überfluss hat dann auch noch Buffy eine undankbare Gastrolle: Gespielt wird die Serienheldin von einer unscheinbaren Blondine, die als Schauspielerin so nichtssagend ist, dass sie ein T-Shirt mit der Aufschrift „Buffy“ tragen muss, um in ihrer Rolle überhaupt erkannt zu werden. Da will man sich vor lauter zur Schau gestellter Einfallslosigkeit diesen blöden Pflock greifen und ihn sich in die Augen rammen.

Friedberg scheint bei der Auswahl seiner Schauspieler in erster Linie auf die optische Ähnlichkeit zu den Original-Schauspielern und weniger auf mimisches Talent gesetzt zu haben. Am stärksten fällt das bei Edward-Darsteller Matt Lanter (90210) auf, dem einfach eine dicke Schicht Make-up, sehr viel Haarspray und farbige Kontaktlinsen verpasst wurden, um ihn in den Edward-Darsteller Robert Pattinson zu verwandeln. Auf schauspielerischer Ebene gibt sich Lanter jedoch keinerlei Mühe, Pattinson zu imitieren und so eine überspitzte, satirische Komik zu schaffen. Aufgrund der flachen Charakterdarstellung ist Lanters darstellerische Leistung austauschbar und gibt dem Zuschauer nicht mal annähernd zu erkennen, dass es doch eigentlich sein Job ist, jemanden zu imitieren.

Das wiederum macht Bella-Darstellerin Jenn Proske schon wesentlich besser: Ihre Imitation der immer verlegen-die-Schulter-hochziehenden Kristen Stewart ist so gelungen, dass man es sich tatsächlich gerne ansieht. Dazu kommt dann auch noch, dass man die deutschen Synchronstimmen des Originals gewinnen konnte. Dadurch und aufgrund der nah am Original gehaltenen Handlung schafft es der Film dann auch, zumindest an einigen Stellen recht überzeugend an das Original zu erinnern. Allerdings finde sich genau hier der nächste Schwachpunkt: Die Szenen, die tatsächlich an das Original erinnern, tun es hauptsächlich aus dem Grund, weil sie das Original fast 1:1 nachspielen. Das wirkt eher langweilig. Aber kurz darauf kommt dann ja auch mit einem großem TamTam der nächste blöde Witz, der einen aus der Erlösung des Sekundenschlafs reißt und unerbittlich zu verstehen gibt: Macht euch keine Hoffnung. Ihr guckt immer noch „Beilight“.

Meike Crone

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