Black Death

2004 schockte der britische Regisseur Christopher Smith das Kinopublikum als er in dem Horrorfilm ‚Creep‘ Franka Potente durch ein U-Bahn Tunnelsystem hetzte. In seinen folgenden Arbeiten ‚Severance‘ und ‚Triangle‘ etablierte er sich als Regisseur für gut inszenierte Horrorfilme. Jetzt schickt er Eddie Redmayne, der Kostümfilmerfahrung mit ‚Die Schwester der Königin‘ oder ‚Elizabeth: Das goldene Königreich‘ vorzuweisen hat und Sean Bean (Göttervater Zeus in ‚Percy Jackson: Diebe im Olymp‘) auf einen düsteren kirchlichen Kreuzzug in ein Dorf, dass sich dem Glauben an Gott verwehrt.

Im Europa des Jahres 1348 legt sich der dunkle Mantel der Pest unaufhaltsam über den ganzen Kontinent. Während der Schwarze Tod Millionen Menschen dahinrafft, flüchtet sich die hungernde, verängstigte Bevölkerung in Aberglauben. So verliert die katholische Kirche immer mehr an Einfluss und will unbedingt verhindern, dass sich Gerüchte verbreiten, wonach es ein einziges Dorf geben soll, das von der Epidemie verschont wird, weil seine Bewohner satanische Rituale abhalten. Im Auftrag des Bischofs soll der Ritter Ulric dieses ominöse Dorf finden und dem Spuk mit allen Mitteln ein Ende bereiten. Zusammen mit einem wüsten Söldnertrupp macht sich Ulric auf den Weg durch ein gottverlassenes Land, in dem sich überall apokalyptische Szenen abspielen. Als Wegführer dient ihnen der zweifelnde Mönchsnovize Osmund, der seine ganz eigenen Gründe für die gefährliche Reise hat. Als die Männer ihr Ziel erreichen, entdecken sie eine fast schon unheimlich wirkende Idylle.

Die Inszenierung dieser unheimlichen Umgebung darf gerne gelobt werden. Es ist eine beklemmende Szenerie die dort geschaffen wurde, es herrscht eine bedrückende Stimmung, nicht zuletzt durch die unschön anzusehenden Bilder der Pest, wie diese die Menschen dahinrafft. Begleitet wird dies durch eine graue, triste Farbgebung der einsam wirkenden Welt, die in tiefe Nebenschwaden eingebettet eine mittelalterliche Atmosphäre schafft, wie sie lang nicht auf die Leinwand gebannt werden konnte. Es wird eingetaucht in ein, sofern man das aus heutiger Sicht beurteilen kann, realistisch wirkendes Jahr 1348. Die Ritter wirken wie brutale Söldner, das Miteinander ist harsch, die Umgebung verwahrlost, es ist dreckig. Ohne große Schlösser oder Schlachten im epischen Ausmaße zu zeigen, gelingt es Regisseur Christopher Smith, trotz gelegentlich stark ruckelnder Kamera, den Zuschauer in das Mittelalter zurückzuversetzen.

Der bisher kommerziell erfolgreichste Darsteller in der Besetzungsliste von ‚Black Death‘ dürfte Sean Bean sein. Dieser hält sich hier möglichst dezent im Hintergrund, überlässt dem eigentlichen Hauptdarsteller des Filmes Eddie Redmayne das Feld. Man merkt schon durch das Schauspiel von Bean, durch seine Mimik, durch seine Intensität, das hier viele Jahre Schauspielerfahrung in den unterschiedlichsten Rollen zu sehen sind. Dennoch steht Redmayne ihm in nichts nach, schafft es den jungen Osmund im Zwiespalt zwischen christlichen Glauben und Abkehr von seinem Gott darzustellen. Auch die niederländische Schauspielerin Carice van Houten (Nina von Stauffenberg in dem 2008er Film ‚Operation Walküre‘ und zuletzt an der Seite von Jude Law und Forest Whitaker in ‚Repo Men‘ zu sehen) darf hier nicht ungenannt bleiben. Sie besitzt als Mischung aus böser Hexe, Heilerin und Redensführerin des kleinen, mysteriösen Dorfes eine Leinwandpräsenz, die sich manch andere Dame aus Hollywood nur erträumen kann.

Und zuletzt tragen ständige Wendungen dazu bei, das die Handlung des Filmes immer undurchsichtig und spannend bleibt. Während der Zuschauer sich entscheiden muss, ob er die Vorgehensweise der christlichen Ritter gutheißen mag oder sich doch eher auf die Seite der harmonisch miteinander lebenden Dorfbevölkerung schlägt, wandelt sich das Bild beider Gruppierungen immer mal wieder um den Zuschauer niemals eine vorschnelle Meinung fassen zu können. Auch schwankt der Film zwischen dem Glauben an das Übernatürliche und den logischen Erklärungen die geboten werden. Am Ende ist es der eigene Glaube der zu Rate gezogen werden muss. Der Zuschauer entscheidet wie der Film ausgegangen ist, welche Seite gewonnen oder verloren hat.

‚Black Death‘ kämpft mit nur einem einzigen Problem. Die 97 Minuten Laufzeit hätten circa fünf Minuten kürzer ausfallen können, passt das Ende des Filmes doch irgendwie nicht in das Gesamtbild hinein. Sieht man aber einmal hiervon ab, bekommt man einen guten mittelalterlichen Horror/Thriller serviert, der an keiner Stelle Langeweile aufkommen lässt.

Denis Sasse

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1 Kommentar

  1. […] Wie dieser Kreuzzug aussieht und wie die mittelalterliche Atmosphäre auf den Zuschauer wirkt, dass erfahrt ihr ab sofort in der Kritik zum Film ‘Black Death’ hier auf filmtogo. […]


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