Das Kabinett des Dr.Parnassus

Beinahe wäre der Film nicht fertig gestellt worden und ich nehme es vorweg: Es wäre eine Schande gewesen. Die erste Zusammenarbeit von Drehbuchautor Charles McKeown und Regisseur Terry Gilliam („12 Monkeys“, „Fear And Loathing In Las Vegas“) seit „Die Abenteuer des Baron Münchhausen“ (1988) wurde bei den Dreharbeiten zu „Das Kabinett des Dr.Parnassus“ mit dem überraschenden Tod des Hauptdarstellers Heath Ledger überschattet. Aber glücklicherweise haben alle am Film beteiligten Personen an dem Projekt festgehalten und sich dazu entschieden den Film auch ohne Ledger fertig zu stellen. An der Stelle von Heath Ledger konnte Gilliam gute Freunde des Darstellers gewinnen um seine Rolle weiterzuführen: Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell nehmen in der Traumwelt des Dr.Parnassus den Charakter ein, der von Heath Ledger dargestellt wurde.

Dabei handelt es sich um Tony, der von der Gruppierung rund um den unsterblichen und bereits über eintausend Jahre alten Dr.Parnassus aufgegabelt wird. Dieser reist mit seinem altmodischen Theater auf Rädern durch das London der Neuzeit. Gemeinsam mit seiner Tochter Valentina, dem Straßenjungen Anton und dem Kleinwüchsigen Percy bietet er seinen Besuchern die Chance der realen Welt zu entfliehen und durch seinen magischen Spiegel in die Imagination der eigenen Fantasie einzutauchen. Die Möglichkeit hierzu hat Dr.Parnassus durch ein Geschäft, dass er mit dem Teufel abgeschlossen hat. Der wiederum fordert hierfür dessen Tochter mit dem kurz bevorstehenden Erreichen des sechszehnten Lebensjahres. Da das Kabinett des Dr.Parnassus nicht sonderlich gut läuft, sieht man in Tony den Retter in der Not, der durch seine Denkensweise das Geschäft wieder antreiben und dadurch das Leben von Valentina retten soll.

Es sind sensationelle Bilder die der Zuschauer geboten bekommt, wenn Gilliam in die Welt des Kabinetts des Dr.Parnassus eintaucht. Natürlich sind es Momente die wirklich den wildesten Imaginationen zu entspringen scheinen und voller bunter Farben und komischer, trauriger und gruseliger Momente sind. Es ist eine Welt die Entscheidungen von den Menschen fordert. In dieser Welt spiegelt sich das wahre Leben der Person wieder, die hier vor eine Gut/Schlecht Situation gestellt wird. Ein Spiel, das manchmal Dr.Parnassus gewinnt, woraufhin die Person das Kabinett geläutert verlassen darf, manchmal aber auch der Teufel in Form von Mr.Nick (Tom „Mystery Men“ Waits). Dann wird die schlechte Wahl ausgenutzt um die Seele des Menschen in die Hölle zu holen.

Man möchte aber nicht nur die Bilder für die überzeugende Erzählweise dieses Filmes verantwortlich machen. Man spürt das alle Darsteller – sei es von vornherein aus Überzeugung oder durch den tragischen Tod von Ledger – in ihren Rollen aufgehen und zur Höchstleistung angespornt wurden. Christopher Plummer als Dr.Parnassus, der die Last seiner Unsterblichkeit, den Wettlauf gegen die Zeit und das Schicksal seiner Tochter sowie den nahenden Untergang seines Wandertheaters ertragen muss, zeigt seine beste und überzeugenste On-Screen Leistung seit dem 1999er Film „The Insider“. Auch Tom Waits als teuflischem Mr.Nick gehören einige schöne Szenen, unterlegt mit passend surrealer Musik, die man fortan immer mit seinem Charakter in Verbindung bringt. Er schafft es durch seine Darstellung die bedrückende und beklemmende Stimmung zu erzeugen die auch die fiktiven Charaktere empfinden müssen, wenn der Teufel zu Besuch kommt. Und natürlich muss man auch über Heath Ledger sprechen, der hier nach „The Dark Knight“ erneut zu glänzen weiß. Dabei muss eigentlich nicht Leistung der drei Darsteller erwähnt werden, die Ledgers Rolle beendeten. Weder Johnny Depp, noch Jude Law und Colin Farrell können Ledger hier das Wasser reichen. Sie spielen die Rolle konsequent weiter, stellen sich aber wahrscheinlich bewusst hinter Heath Ledger oder erreichen sein Spiel jedenfalls nicht. Besonders bemerkenswert ist trotzdem wie vor allem die Ähnlichkeit zwischen Johnny Depp und Heath Ledger erkennbar wird. Beim ersten Auftritt von Depp merkt man kaum das hier ein Darstellerwechsel vollzogen wurde. Derweil wundert man sich bei Jude Law, ob dieser bewusst eine sehr kleine Sprechrolle bekommen hat, darf er in seinen Szenen maximal ein wenig staunen, lachen und sich über seinen Aufenthalt im Kabinett erfreuen. Colin Farrell hingegen dürfte den größten Teil ergattert haben, spielt er hier die Endszenen des Filmes, für die Ledger nicht mehr zugegen war.

Mit „Das Kabinett des Dr.Parnassus“ ist Terry Gilliam ein märchenhafter und origineller – in einer Zeit von Prequels, Sequels und Remakes – Film gelungen, der Ausrutscher wie „Brothers Grimm“ vergessen macht. Wenn am Ende die Worte „A Film by Heath Ledger and Friends“ auf dem Bildschirm zu sehen sind, realisiert man dann auch, dass man hier das letzte Werk eines Schauspielers zu sehen bekommen hat, der wahrscheinlich noch eine lange und erfolgreiche Karriere vor sich gehabt hätte. Interessant wäre allenfalls noch einmal die Drehbuchversion des Filmes zu Gesicht zu bekommen, bevor Heath Ledgers Rolle durch Depp, Law und Farrell zu Ende gespielt wurde. Aber vielleicht ist es auch gerade dieser Aspekt oder zumindest einer der Aspekte, der den Film zu einem interessanten Abenteuer machen. Willkommen zurück in der surrealen Fantasie eines Terry Gilliam.

Denis Sasse
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