Die Legende der Wächter

‚Guardians of Ga’Hoole‘ ist der Titel einer Reihe von Romanen der amerikanischen Schriftstellerin Kathryn Lasky. Das erste Buch der Reihe mit dem Titel ‚The Capture‘ erschien 2002. Sechs Jahre später wurde die Geschichte um die Eulen Soren und Barn mit dem fünfzehnten Band ‚The War Of The Ember‘ abgeschlossen. Die ersten drei Bände wurden jetzt von Regisseur Zack Snyder (‚300‘, ‚Watchmen‘) in ‚Die Legende der Wächter‘ verfilmt.

Der junge Soren ist fasziniert von den epischen Geschichten seines Vaters über die Wächter von Ga’Hoole. Diese sagenhafte Truppe geflügelter Krieger zog einst in eine gewaltige Schlacht, in der die Eulen gegen den bösen Metallschnabel ankämpften. Soren träumt davon, eines Tages in die Gemeinschaft seiner Helden aufgenommen zu werden, doch sein älterer Bruder Kludd verspottet ihn deswegen. Kludd will viel lieber jagen und fliegen. Es wurmt ihn, dass sein Vater den jüngeren Bruder vorzieht. Doch Kludds Eifersucht hat fürchterliche Folgen. Beide Brüder fallen aus dem Nest und direkt in die Klauen der Reinsten. Soren wagt die tollkühne Flucht und wird dabei von anderen tapferen jungen Eulen unterstützt. Gemeinsam erheben sie sich in die Lüfte, fliegen über das Meer und durch den Nebel um den großen Baum zu finden, wo die legendären Wächter wohnen.

Wer die bisherigen Arbeiten von Zack Snyder kennt, wird sich wundern über diesen kindgerechten Animationsfilm. Dies dürfte allerdings weniger an dem Regisseur als an der FSK liegen, die der ursprünglichen Fassung des Filmes eine Einstufung ab sechs Jahren verweigerte. Normalerweise wäre ‚Die Legende der Wächter‘ ab zwölf Jahren freigegeben worden, aber Warner Bros. griff zur Schere und kürzte drei Minuten aus dem Film heraus, die eine FSK 6 Freigabe ermöglichten.

Ansonsten bewegt sich Zack Snyder dicht an einer Welt, die vom Umfang her dicht an ‚Herr der Ringe‘ oder ‚Star Wars‘ heranreicht, aber sich eben auf kindlicher Ebene mit den unterschiedlichen Kulturen und Welten der verschiedensten Eulen-Stämme beschäftigt. Die Welt ist umfangreich, bietet Einblicke in Lebensweisen der Eulenrassen, hierarchische Systeme, Wissensweitergabe, Mythen und Glaube. Man mag kaum glauben das es sich bei ‚Die Legende der Wächter‘ um einen 97 Minuten langen Animationsfilm handelt, der ein episches Ausmaß entwickelt, dass dicht an die oben genannten ‚Erwachsenen-Filme‘ heranreicht.

Und auch die Bilder, wenn auch nur animiert, lassen sowohl in 3D aber auch in 2D keine Fantasien offen. Die Welt ist auch hier ebenso detailreich und verliebt inszeniert worden, wie es bei Peter Jackson oder George Lucas der Fall war. Hier dürfen nicht die Figuren vergessen werden, die vermenschlicht dargestellt, alle ihren eigenen Charakter haben ohne dass dabei eine Eule zu kurz kommt. Manche sind verrückt oder verspielt, haben ein eher zotteliges, struppiges Gefieder. Dann gibt es die heldenhaften, bösartigen oder zwielichtigen Eulen, alle mit ihrer eigenen Mimik, wodurch Snyder die emotionale Bindung zum Zuschauer schafft. An dieser Stelle haben bereits einige Animationsfilme zuvor sich die Zähne ausgebissen.

Kritik darf hier allerdings auch geübt werden, ist dieser Glaube an die Wächter von Ga’Hoole und der Volksglaube der Eulen an die Helden aus vergangenen Zeiten doch stark mit dem reellen Religionsglauben verwoben. Mehr als einmal wird die Frage aufgeworfen, ob es denn falsch wäre an etwas zu glauben, von dem man nicht wisse das es wirklich existiere. Auf der gegnerischen Seite, bei den Reinen, wie sich die militärisch organisierte Rasse der Eulen nennt, spricht man von einer Herrenrasse. Jede Eule die nicht dieser Gattung angehört wird nicht akzeptiert, soll ausgelöscht oder für niedere Arbeiten verwendet werde. Glaube und Rassenhass werden hier zwar deutlich dargestellt, aber vielleicht etwas zu sehr gepriesen (Glaube) oder zu extrem dargestellt (Rassenhass) als das die angesprochene Zielgruppe damit umzugehen wüsste.

Man möchte nach den wenigen Minuten die man in der Welt von ‚Die Legende der Wächter‘ verbracht hat noch mehr erfahren überrrrrr die Kultur, über die Völker der Eulen, über die Figuren, die im englischen Original von Schauspielern wie Helen Mirren, Sam Neill, Geoffrey Rush, Hugo Weaving oder David Wenham gesprochen werden. Zack Snyder hat hier nur einen kleinen Teil der Lebensweisen angeschnitten, ihn dennoch facettenreich und interessant dargestellt.

Wenn man mit so einem Gefühl einen Film beendet, dann muss der Regisseur irgendetwas richtig gemacht haben. Und erleichtert kann festgehalten werden, dass es sich bei ‚Die Legende der Wächter‘ um die Verfilmung der ersten drei Bücher einer insgesamt 15teiligen Buchserie handelt. Sollte Snyder also Lust haben die Welt weiter auszubauen und den Zuschauern einen weiteren, ausführlicheren Blick zu gewähren, so darf man bei diesem Film getrost sagen, dass es sich lohnen würde einen weiteren Schritt nach Ga’Hoole zu machen.

Denis Sasse

1 Kommentar

  1. […] Wie sich Snyder im Gegensatz zu seinen bisherigen Spielfilmen im Animationsgenre schlägt, dass erfahrt ihr ab sofort in der Kritik zu ‘Die Legende der Wächter’ hier auf filmtogo. […]


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