Die Legende von Aang

Der amerikanische Fernsehsender Nickelodeon produzierte drei Staffeln der an japanische Animes angelehnten Cartoonserie ‚Avatar: The Last Airbender‘, die in Deutschland unter dem Titel ‚Avatar: Der Herr der Elemente‘ lief. Die drei Bücher – wie die unterschiedlichen Staffeln betitelt sind – teilen sich auf in die Elemente Wasser, Erde und Feuer. Regisseur M. Night Shyamalan, bekannt geworden durch seine originelle Inszenierung ‚The Sixth Sense‘, bringt nun die Realverfilmung des ersten Buches in die Kinos. Eigentlich eine zwanzig Folgen umfassende erste Staffel (circa 400 Minuten Laufzeit), versucht Shyamalan die Handlung hier auf 103 Minuten zu reduzieren.

In dieser kurzen Zeit will die Geschichte von vier Elementen erzählt werden: Luft, Wasser, Erde und Feuer. In der Welt von ‚Die Legende von Aang‘ nicht nur Elemente sondern zugleich auch vier stolze Nationen, die seit jeher von ihrem Meister, dem Avatar, im Gleichgewicht gehalten werden. Zumindest in längst vergangenen Zeiten. Mittlerweile ist ein Jahrhundert vergangen und die Schreckensherrschaft der Feuernation hat durch einen rücksichtslosen, brutalen Krieg gegen die anderen drei Nationen ein Zeitalter voller Zerstörung und Hoffnungslosigkeit eingeläutet. Befreit aus seinem Gefängnis im ewigen Eis, erkennt der junge Aang seine Bedeutsamkeit als der nächste Avatar und dass nur er die Macht besitzen wird, alle vier Elemente zu beeinflussen und die Welt damit wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Aang, der das Element Luft beherrscht, schließt sich der Wasserbändigerin Katara und ihrem Bruder Sokka an und begibt sich gemeinsam mit ihnen auf eine abenteuerliche Reise voller Gefahren und schwieriger Prüfungen, um den Einklang der Nationen und den Frieden der gesamten Welt wiederherzustellen.

Die Titeländerung zu ‚Die Legende von Aang‘ verdankt der Film dem Erfolg von Regisseur James Camerons ‚Avatar‘. Während in den USA mit ‚The Last Airbender‘ der Bezug zur Cartoonserie noch herstellbar ist, entfernte man sich in Deutschland von dem ursprünglichen Titel der Serie. Eigentlich erzählt die Zeichentrickserie nämlich nicht nur die Legende von Aang, sondern auch von früheren Avataren, von Katara und Sokka – und später zusätzlich von der Erdbändigerin Toph Bei Fong – wie auch von Prinz Zuko, der vor seinem Vater in Ungnade gefallen ist und seine Ehre wiederherzustellen versucht.

Und hier lassen sich in der Verfilmung gleich zwei Schwachstellen entdecken: Mythos und Figuren. Shyamalan konnte sich offensichtlich für keine Fokussierung entscheiden, schafft es aber auch nicht beides miteinander in Einklang zu bringen. Der Mythos um den immer wiederkehrenden Avatar wird nur am Rande oberflächlich abgehandelt, die Geisterwelt in die der Avatar an spirituellen Orten eintauchen kann wird nur als Erzählung der Großmutter von Sokka und Katara thematisiert, dann muss sich der Zuschauer auch schon mit dieser Welt und seinen Geistern abfinden. Getreu dem Motto ‚Der Weg ist das Ziel‘, hätte man dem Film ruhig etwas mehr Erzählzeit gönnen können. Shyamalan übernimmt Anfang und Ende der ersten Staffel, fasst die Zwischenhandlung in wenige Szenen zusammen. Hier nimmt sich der Cartoon die Zeit Emotionen zu zeigen, den Charakter der verschiedenen Figuren zu festigen, Freundschaften zu bilden, Feindschaften zu intensivieren. Der Film überspringt dies, leitet mit der Entdeckung des Avatars die Handlung ein, erzählt ein wenig über den Mythos um dann die letzte halbe Stunde damit zu verbringen die Schlacht am Nordpol zu zeigen. Von den Zuschauern wird derweil erwartet, dass sie zu diesem Zeitpunkt akzeptieren das Aang bereits mit Sokka und Katara eine tiefe Freundschaft verbindet und das Prinz Zuko ein erbitterter Feind ist.

Aber das soll nicht heißen, dass Shyamalan hier komplett daneben inszeniert hat. Mit ‚Die Legende von Aang‘ bekommt man immerhin mal wieder einen Film zu sehen, der mit Spezialeffekten umzugehen weiß. Wunderschön choreographiertes Bändigen von Elementen wird begleitet von real aussehenden Einsatz von Wasser, Feuer, Erde und Feuer. Auch das fliegende Bison Appa und die Lemurfledermaus Momo hat man nahe an der Cartoonvorlage gehalten. Sie fügen sich stimmig in die Gruppe um Aang ein, wirken nicht deplatziert oder gar als störende, am Computer animierte Figuren. Da fühlt sich der Cartoonkenner schon eher dadurch irritiert, dass Sokka – dargestellt von Jackson Rathbone (‚Twilight‘) – nicht so komödiantisch daherkommt wie in der Serie, das Prinz Zuko weit entfernt ist von seinem Aussehen in der Serienvorlage und das Shaun Toub (‚Der Krieg des Charlie Wilson‘, ‚Iron Man‘) als General Iroh, dem Onkel von Zuko, wenig sympathisch und liebenswürdig erscheint, Charaktereigenschaften die Iroh im Cartoon hauptsächlich ausmachen.

‚Die Legende von Aang‘ überzeugt sicherlich nicht durch sein Drehbuch – das ebenfalls von M. Night Shyamalan stammt – aber immerhin durch visuelle Effekte, Soundtrack (von James Newton Howard) und durch teilweise sehr hübsche Kameraeinstellungen und gut gewählte Schauplätze. Aber vielleicht muss der Regisseur auch erst lernen fernab von Suspense-Thrillern, Filme auf die Leinwand zu bannen die ohne unerwartete Wendungen zu unterhalten wissen – was seine Filme bisher charakterisierte. Auch wenn sich ‚Die Legende von Aang‘ mit zwei möglichen Fortsetzungen nicht so viel Zeit lassen darf wie ‚Harry Potter‘, ist es durchaus möglich das man aus Fehlern lernt und Buch 2: Erde und Buch 3: Feuer besser werden als der erste Teil. Bei den heutigen Kinopreisen ist es jedoch eher zu empfehlen, statt zwei Kinotickets dann doch lieber zur DVD der ersten Staffel der Cartoonserie zu greifen.

Denis Sasse

1 Kommentar

  1. […] Ob ihm das gelingt, erfahrt ihr ab sofort in der Kritik zu ‘Die Legende von Aang’ hier auf filmtogo. […]


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