Dinner für Spinner

Die amerikanischen Filmstudios haben wenig Ideen um eigene Filme zu realisieren. Das merkt man an den ständigen Prequels, Sequels und Remakes. Noch in diesem Jahr kommt die US-Version des deutschen Filmes ‚Das Experiment‘ in die Kinos, ein Remake der Millennium Trilogie von Stieg Larsson mit Daniel Craig und Rooney Mara in den Hauptrollen wird derweil von Regisseur David Fincher realisiert. Neben Deutschland und Schweden macht man Ende September auch einen Ausflug nach Frankreich. Bei ‚Dinner für Spinner‘ diente der französischen Film ‚Le Dîner De Cons‘ als Vorlage. In der amerikanisierten Fassung spielen Steve Carell und Paul Rudd bereits zum dritten Mal gemeinsam vor der Kamera und lassen sich hierbei von Regisseur Jay Roach, verantwortlich für alle bisherigen ‚Austin Powers‘ Filme, durch die Screwball Komödie manövrieren.

In der US Version der Komödie geht es um den aufstrebenden Manager Tim, der gerade seine erste Einladung zum sogenannten ‚Dinner für Spinner‘ erhalten hat, ein monatlicher Event seines Chefs, bei dem man sich Pluspunkte und andere Vorteile verschaffen kann, indem man mit dem größten Idioten auftaucht. Tims Verlobte Julie ist entsetzt und findet die Idee absolut geschmacklos, also ist Tim entschlossen, das Abendessen abzusagen. Doch dann lernt er Barry kennen, einen Angestellten der Steuerbehörde, der in seiner Freizeit ausgeklügelte Schaukästen mit ausgestopften Mäusen bastelt. Sofort ist ihm bewusst, dass er einen Volltreffer gelandet hat. Tim lädt Barry als Gast zum ‚Dinner für Spinner‘ ein und löst damit eine Kette von Ereignissen aus, die sein Leben auf den Kopf stellen.

Ein auf den Kopf gestelltes Leben das an die gute alte Screwball Komödie, die ihre Hochzeit in den 30er und 40er Jahren hatte, erinnert. Auch wenn zu diesem Genre oft der Krieg der Geschlechter gehört, schaffen es Darsteller Paul Rudd und Steve Carell, durch die gute Chemie zwischen ihnen, diese Form der Komödie in das 21. Jahrhundert zu übertragen. Sei es aufgrund der gemeinsamen Erfahrung in Filmen wie ‚Anchorman: Die Legende von Ron Burgundy‘ oder ‚Jungfrau (40), männlich, sucht…‘ oder durch das jeweilige Komik-Talent. Denn auch wenn der Humor an einigen wenigen Stellen unter die Gürtellinie abdriftet, schafft es das Duo sich trotzdem auf einer unterhaltsamen Ebene zu bewegen.

Fraglich ist in diesem Fall jedoch die deutsche Synchronfassung, bleiben hier die Dialoge doch eher auf der Strecke. Die verbalen Schlagabtäusche zwischen Paul Rudd und Steve Carell sind im englischen Original den ein oder anderen Lacher wert. Hier kann man dann wirklich Verbindungen zu den Screwball Komödien von anno dazumal sehen, während die Dialoge der deutschen Fassung eher an Slapstick Einlagen erinnern.

Dabei steckt in dem Film weitaus mehr als nur eine bloße Komödie. Auch wenn die vielen Moralpredigten oft mit dem Holzhammer vermittelt werden wollen, machen sie aus der Komödie doch mehr als es Genrevertreter der letzten Monaten geschafft haben. Ob nun aufgezeigt wird, dass die ganze Welt von Spinnern, oder wie es im Film auch heißt, von talentierten Menschen bevölkert ist oder mit der Zeit klar wird, dass hinter dem durchgeknallten Hobby von Barry, dem Ausstopfen und Ausstellen von toten Mäusen, ein trauriger Hintergrund steckt, man hat sich Mühe gemacht mit der Umsetzung des französischen Originals, um der Geschichte ein wenig Tiefe zu verleihen.

In ‚Le Dîner De Cons‘ war es noch das Zusammenbasteln von Streichholzmännchen, hier ist es nun also das Anlegen von Panoramen mit toten Mäusen. Diese lassen Barry zwar in einem ziemlich durchgeknallten Licht erscheinen, zugleich machen sie ihn aber auch irgendwie liebevoller, so dass man viel eher Mitgefühl und Verständnis für die Figur aufbringen kann. Die Hollywoodisierung hat an dieser Stelle jedenfalls nicht geschadet.

Am Ende nimmt man sich wenig Zeit für das eigentliche ‚Dinner für Spinner‘. Hier findet das Gipfeltreffen der kuriosen Gestalten statt, ein amüsanter Spaß für die skrupellosen Geschäftsmänner, aber auch ebenso amüsant für die Zuschauer, werden hier doch noch Schauspieler wie der Brite Chris O’Dowd als blinder Fechtkünstler oder Jeff Dunham als ein mit einer Bauchredner-Puppe verheirateter Mann vorgestellt.

Mit ‚Dinner für Spinner‘ beweisen Paul Rudd und Steve Carell, dass der französische Humor durchaus erfolgreich amerikanisiert werden kann. Trotzdem gilt der Ratschlag, wie für viele Komödien die auf ihren Wortwitz angewiesen sind, sich den Film lieber im englischen Original anzuschauen.

Denis Sasse

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