District 9

Als Neill Blomkamp 2005 seinen Kurzfilm “Alive in Joburg” realisierte hätte er sich wohl noch nicht träumen lassen dass vier Jahre später ein auf diesem Kurzfilm basierener SciFi Film mit einem Budget von gerade einmal 30 Mio. US Dollar vom „Herr der Ringe“ Peter Jackson produziert werde würde. Sein Kurzfilm – der etwa sechs Minuten lang ist und als Dokumentarfilm gedreht wurde – spielt in Johannesburg in Südafrika und thematisiert die Rassentrennung von Mensch und Alien. In „District 9“ erweitert Neill Blomkamp seine ursprünglichen sechs Minuten auf ingesamt 112 Minuten.

District 9 - Foto 1Vor über 20 Jahren ist ein Raumschiff zur Erde gekommen – statt sich über New York, Washington oder eine dieser anderen Städte zu stationieren, die in jedem SciFi Film mit Alienbesuch wichtig zu sein scheinen, bleibt es direkt über Johannesburg stehen. Als man das Innere erforscht, stößt die Menschheit auf hunderte von Insektenartigen Aliens die dem Hungertod nahe sind. Planlos schafft man die Besucher in den „District 9“, ein abgeschottetes Sicherheitsterrain, ein Slum aus Wellblechhütten, in dem sich die Shrimps – wie sie von den Menschen genannt werden – zu einem Risiko entwickeln. Die Menschen sehen in ihnen nicht mehr als hirnlosen Ballast für den Planeten, als wilde Tiere die nicht auf unseren Planeten gehören. Hier kommt Wikus Van de Merwe ins Spiel. Eigentlich sitzt er sicher hinter einem Schreibtisch der MNU (Multi-National United), eine Millitärdienstleistungsfirma, die hinter der Waffentechnologie der Aliens her ist. Wikus wird befördert und ist fortan dafür verantwortlich, die Shrimps aus District 9 in eine Art Konzentrationslager ausserhalb der Stadt umzuverlegen. Bei einer Hausdurchsuchung kommt es jedoch zu einem Zwischenfall und Wikus gerät selbst ins Visier der MNU, schließt Freundschaft mit dem Shrimp Christopher Johnson und kommt hinter die Machenschaften von Multi-National United.

Peter Jackson hat nicht nur ein Händchen für gute Filme, sondern auch für gute Regisseure. Kennt ihr das Gefühl nach einem Science Fiction Film aus dem Kino zu kommen und den Gedanken zu haben, dass da mal eine Originelle Geschichte erzählt wurde? Das ihr so was schon lange nicht mehr gesehen, aber lange darauf gewartet habt? Wahrscheinlich denken viele jetzt an den ersten Teil der „Matrix“ Trilogie, der ein solches Gefühl hinterlassen hat. „District 9“ schließt sich an. Vor allem weil man noch die ein oder andere Überraschung erleben darf. Bewusst hat die Marketing-Maschinerie bei diesem Film nicht vorher schon die besten Actionszenen im Trailer verballert. Die Werbung zu „District 9“ hat uns ein wenig mit der Geschichte vertraut gemacht, die Zuschauer kennen vielleicht den Kurzfilm von Blomkamp der 2005 entstand, mehr aber auch nicht. Und so kann man unbefangen von zuvor gesehenen Ausschnitten in den Film gehen und einen Film sehen, der in der Produktion gerade einmal 30 Millionen US Dollar gekostet hat. Sicher ist das eine Summe die wir nur zu gerne auf dem Konto hätten, aber in Zeiten in denen ein Hollywood Blockbuster von Michael Bay 200 Millionen US Dollar verschlingt, ist das, was für „District 9“ ausgegeben wurde, Kleingeld. Und wo der Vergleich schon gefallen ist – „Transformers 2“ sieht zu „District 9“ wirklich aus wie ein Spielzeugfilm. Neill Blomkamp lässt seine Welt so real wirken, dass man sich direkt hineinversetzt fühlt. Nicht zuletzt der Anfangs praktizierte Dokumentarstil – den der Regisseur bereits in „Alive In Joburg“ einsetzte – zieht den Zuschauer in eine reale Welt und macht ihn mit dieser vertraut. Den Übergang vom Beginn des Filmes – wo einige Menschen zu Wort kommen und das Leid und Elend darstellen, dass man mit den Aliens hat – zum eigentlichen Kern, der dann in klassischer Filmsicht weitererzählt wird, bemerkt man gar nicht so richtig. Viel zu sehr ist man an diesem Punkt bereits in die Handlung reingezogen worden.

District 9 - Foto 2Zu dem angesprochenen Realismus trägt ausserdem bei, dass man sich darauf beschränkt hat, nur unbekannte Gesichter im Film auftauchen zu lassen. Es ist die erste Rolle für den Hauptdarsteller Sharlto Copley – der auch in „Alive In Joburg“ kurz zu sehen ist. Dieser entwickelt sich von einem Schreibtischbürokraten zu einem Aussenseer der um sein Leben kämpft. Die Dinge die er durchmachen muss bringen ihn an seine Grenzen und lassen ihn an seinem Weltbild zweifeln. Er verliert seine Arbeit, seine Frau und seine Menschlichkeit. Manch ein anderer Schauspieler hätte Probleme eine solch zerrissene Figur in einem Science Fiction Film glaubhaft rüberzubringen und nicht nur den simplen Actionheld zu charakterisieren. Respekt hier also an Sharlto Copley, der ein hervorragendes Debut hingelegt hat.

District 9 - Foto 3Außerdem schafft Neill Blomkamp etwas, was lange kein Regisseur mehr geschafft hat. Er bezieht die Zuschauer mit ein, er spielt mit ihnen. Während man am Anfang noch angeekelt auf die Müll fressenden Aliens schaut, die brutale Auseinandersetzungen suchen, wandelt sich die Sichtweise mit den Aktivitäten der Menschen im Film. Irgendwann sympathisiert man mehr mit den Shrimps als mit der eigenen Rasse. Es finden also gleich mehrere Wandlungen während des Filmes statt. Die Veränderung – nicht nur auf mentaler Ebene – des Hauptdarstellers, die Wandlung des Filmes selbst aus der Dokumentarebene zur klassischen Erzählweise und die Sicht des Zuschauers auf die Ereignisse.

Neil Blomkamp selbst soll schon über eine Fortsetzung nachdenken. Meine Meinung: Er soll es lassen. Er hat hier einen SciFi Klassiker geschaffen der sich irgendwo zwischen „Enemy Mine – Geliebter Feind“ von 1985 und eben „Matrix“ – dem ersten Teil – von 1999 ansiedelt. Aber was auch immer es werden wird, man sollte ein Auge auf zukünftige Projekte von dem – am 17.September 2009 – 30jährigen Regisseur haben.

Denis Sasse
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1 Kommentar

  1. […] die starken Männer’, ‘Antichrist’ von Lars von Trier hat die Massen geschockt, ‘District 9′ hat sie überrascht und mit ‘Taking Woodstock’ von Regisseur Ang Lee gibt es noch einen […]


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