Duell der Magier

Wenn John Turteltaub sich für einen Film als Regisseur hergibt, dann muss Nicolas Cage auch die Hauptrolle übernehmen. Zumindest gilt diese Regel bereits seit 2004, wo Turteltaub gemeinsam mit Cage die Schnitzeljagd ‚Das Vermächtnis der Tempelritter‘ in die Kinos brachte, um dann drei Jahre später auch noch eine Fortsetzung zu inszenieren. Zwischendurch wagte der Regisseur nur einige Ausflüge in das Fernsehbusiness mit Arbeiten für die bereits eingestellten Serien ‚Jericho‘ und ‚Harper’s Island‘. Mit ‚Duell der Magier‘ kehrt das Turteltaub/Cage Duo jetzt auf die große Leinwand zurück.

Dabei verschlägt es Nicolas Cage in ein magisches Manhattan 2010. Als Magier Balthazar Blake beschützt er die Welt seit langer Zeit vor dem Zugriff des Bösen. Doch im Kampf gegen seinen Erzfeind Maxim Horvath braucht er Unterstützung. Ausgerechnet im etwas trotteligen und unauffällig wirkenden Studenten Dave Stutler glaubt er die benötigte helfende Hand gefunden zu haben. Denn der vermeintlich durchschnittliche Dave besitzt das große Potenzial, endlich Blakes seit langem gesuchter Lehrling zu werden. Ungläubig und widerwillig lässt sich Dave auf das größte Abenteuer seines Lebens ein. Während er Manhattan mit anderen Augen zu sehen beginnt, voller fantastischer Entdeckungen, aber auch neuer Gefahren, lernt er in einem harten Crashkurs die Kunst der Magie. Die Zeit drängt, die Kräfte des Bösen formieren sich und Dave muss über sich hinauswachsen, um sein Training zu überleben, die Welt zu retten und das Mädchen seiner Träume zu erobern.

Mit dem Originaltitel zum Film ‚The Sorcerer’s Apprentice‘ hat man auch direkt Bezug auf die wohl amüsanteste Szene des Filmes genommen, egal ob es nun an der Umsetzung oder dem Wiedererkennungswert liegt. Wenn Filmlehrling Jay Baruchel (‚Zu scharf um wahr zu sein‘) ganz wie in Goethes Ballade von 1797 einen Zauberspruch seines Meisters dazu verwendet eine Scharvon Putzutensilien zum Leben zu erwecken und damit ein ordentliches Chaos anzurichten, scheint es fast so, als wolle Disney, die Produktionsfirma hinter ‚Duell der Magier‘, noch einmal Bezug auf sich selbst nehmen, haben sie ‚Der Zauberlehrling‘ doch bereits in ihrem 1940 veröffentlichten Klassiker ‚Fantasia‘ mit Micky Maus in der Titelrolle verwirklicht.

Aber das scheint dann auch der einzige Plan gewesen zu sein, den man im Vorfeld zu ‚Duell der Magier‘ hatte. Um diese Szene herum hat man ein Gerüst aus unausgearbeiteten Ängsten, wissenschaftlichen Ansätzen und One-Linern geschaffen, die nicht einmal Schauspieler wie Nicolas Cage (‚Kick-Ass‘) und Alfred Molina (‚Prince of Persia: Der Sand der Zeit‘) überzeugend rüberbringen können.

Es wirkt schon ein wenig wie ein Werbefilm für die Wissenschaft, wenn auch Hauptfigur Dave Stutler im späteren Verlauf des Filmes mit einer Teslaspule den Kampf gegen einen Magier aufnimmt oder Nicolas Cage versucht die Magie mit wissenschaftlichen Ansätzen zu erklären. Leider bleibt es in allen Belangen nur bei Ansätzen, die durch die hier meist deplatzierten One-Liner gerne einmal unterbrochen werden. Nicht einmal die normalsten Erzählstrukturen Hollywoods wollen hier funktionieren. So schickt man die Figur des Dave eigentlich auf die Hollywood Heldenreise, will ihn heranwachsen lassen von einem unbedeutenden und trotteligen Nichtsnutz zu dem direkten Nachfahren Merlins, dem obersten Merlinianer, der er nun einmal ist. Mit einer stetigen Entwicklung wäre dies eventuell noch interessant anzusehen gewesen, verpasst es Regisseur John Turteltaub allerdings komplett, eine solche Entwicklung aufzuzeigen.

Außerdem arbeitet ‚Duell der Magier‘ mit einer Vorgeschichten, die nicht funktionieren will. Es werden die Hintergründe der drei Zauberlehrlinge Merlins beleuchtet. Neben Nicolas Cage als Balthazar und Alfred Molina als Horvath, gesellt sich noch Monica Belucci (‚Shoot ‚Em Up‘) als Veronica hinzu, die natürlich als Ursprung allen Übels herhalten muss, war es doch Balthazars Liebe zu ihr, die seinen Freund Horvath zum Verräter werden ließ. Ein Bündnis mit der bösen Hexe Morgana Le Fay – dargestellt von Alice Krige (‚Silent Hill‘) – und die Ermordung des Magiers Merlin bilden eine Geschichte, die Stoff für einen eigenen Film wären. Hier aber verpackt wird in einer kurzen Zusammenfassung von gefühlt weniger als einer Minute. Der Rolltext in den ‚Krieg der Sterne‘ Filmen hat sich mehr Zeit genommen um eine Vorgeschichte zu erzählen.

‚Duell der Magier‘ leidet unter einem wenig guten Drehbuch von Matt Lorenz, Doug Miro und Carlo Bernard, getreu dem Motto ‚Viele Köche verderben den Brei‘. Alfred Molina versucht das beste aus seiner Rolle herauszuholen, während Nicolas Cage anscheinend bereits während der Dreharbeiten gemerkt hat, dass er hier nicht all seine Energie vergeuden sollte, dementsprechend belanglos wirkt sein Schauspiel. Jay Baruchel verfällt dem Type-Casting, spielt den Nerd, den er eigentlich in all seinen Filmen verkörpert. Die Momente des Filmes, in denen die Magie zum Zuge kommt, helfen den Drehbuch aus manch einer Sackgasse. Da merkt man einmal wieder, dass übernatürliche Kräfte bei Ideenlosigkeit nicht nur für die Effekthascherei sinnvoll sein können.

Denis Sasse

2 Kommentare

  1. […] Ob auch eine Zusammenarbeit der beiden Männer fernab der Filme ‘Das Vermächtnis der Tempelritter’ und ‘Das Vermächtnis des geheimen Buches’ funktioniert erfahrt ihr ab sofort in der Kritik zu ‘Duell der Magier’ hier auf filmtogo. […]

  2. […] Ob auch eine Zusammenarbeit der beiden Männer fernab der Filme ‘Das Vermächtnis der Tempelritter’ und ‘Das Vermächtnis des geheimen Buches’ funktioniert erfahrt ihr ab sofort in der Kritik zu ‘Duell der Magier’ hier auf filmtogo. […]


Comments RSS TrackBack Identifier URI

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s