Eat Pray Love

Elizabeth Gilbert ist eine US-amerikanische Schriftstellerin, die mit ihren Artikeln für das GQ Magazin, in denen sie über ihre Erlebnisse als Barkeeperin schrieb, die Vorlage für den Film ‚Coyote Ugly‘ lieferte. Das war im Jahr 2000. Sechs Jahre später veröffentlichte sie ihren Roman ‚Eat Pray Love‘, der erneut auf einer persönlichen Berichterstattung beruht. Dieses Mal schilderte sie ihre Reise nach Italien, Indien und Indonesien. In der gleichnamigen Verfilmung übernimmt Julia Roberts seit dem 23. September die Rolle von Elizabeth Gilbert.

Diese hat eigentlich alles, wovon eine Frau träumt oder zumindest träumen sollte. Einen Mann, ein Haus, eine erfolgreiche Karriere. Trotzdem fühlt sich Liz irgendwie verloren und ziellos. Als ihre Ehe geschieden wird, steht sie plötzlich an einem Scheideweg. Sie beschließt alles zu riskieren und ihr altes, wohlgeordnetes Leben hinter sich zu lassen, indem sie zu einer Reise rund um die Welt aufbricht, die zu einer Suche nach sich selbst wird. In Italien entdeckt sie die Kunst des Genießens und welch großes Vergnügen einem gutes Essen bereiten kann. In Indien lernt sie die Macht der Meditation kennen und in Bali erfährt sie, zu guter Letzt und völlig unerwartet, dass wahre Liebe inneren Frieden und Ausgeglichenheit beschert.

Aber das sollen nur wenige von vielen Lebensweisheiten sein die der Film uns vermitteln möchte. Dabei arbeitet das Drehbuch nicht einmal unterschwellig, sondern zelebriert geradezu die schlauen Sprüche. Man sehnt sich nach Szenen, in denen man sich einmal entspannt zurücklehnen kann ohne vom Film befohlen zu bekommen über das Leben nachzudenken. Wahrscheinlich wollte Regisseur Ryan Murphy einen Ausgleich durch die künstlerische Inszenierung der Mahlzeiten schaffen, die den ‚Eat‘ Anteil im Filmtitel ausmachen. Die sich ständig wiederholenden schnellen Schnitte bei der Zubereitung der Speisen wirken allerdings irgendwann konstruiert. Ein Paradebeispiel der Darstellung von Essen wäre hier eher ‚Julie & Julia‘ aus dem vergangenen Jahr gewesen, hinter dem ‚Eat Pray Love‘ aber weit zurückbleibt.

Obwohl Murphy bereits mit seinem letzten Film ‚Running with Scissors‘ ein Projekt realisieren konnte, bei dem die Handlung auf wahren Begebenheiten beruhte – es geht hier um das Leben des amerikanischen Schriftstellers Augusten Burroughs, dessen Mutter von Anne Sexton besessen war und ihn als kleines Kind zu ihrer Psychiaterin schickte um bei dieser aufzuwachsen – scheint er sich bei ‚Eat Pray Love‘ zu verlieren, verfolgt keine klare Richtung. Einmal möchte er ein Drama erschaffen, dann wieder wechselt er zur Komödie. Leider bleiben dabei beide Genres nur oberflächlich bedient, können nur wenig überzeugen. Wenn er in den letzten zehn Minuten des Filmes krampfhaft versucht Szene für Szene auf die Tränendrüse zu drücken, verfällt er der Maschinerie Hollywood um ein für die Traumfabrik typisches Ende zu fabrizieren.

Das Drama scheitert an der Figur der Liz Gilbert. Darstellerin Julia Roberts wird als eher lebensfrohe, stets lächelnde Frau von dem Regisseur nach Italien geschickt. Hier genießt sie das Essen und die Schönheit der Stadt, schwelgt kaum in Erinnerungen an das Leben vor dem sie eigentlich geflüchtet ist. Nun ist es genau diese Zeit in Italien die ihre Figur für den Zuschauer charakterisieren. Also kauft man ihr die 180 Grad Wendung von Lebensfreude in verzweifelte Trauer als sie nach Indien reist nicht mehr ab und man verfehlt es ihr eine nachvollziehbare Dramatik mit auf den Weg zu geben.

Die Komik wiederum tritt an unmöglichen Stellen auf, ist teilweise nicht einmal als wirklich komisch identifizierbar. Erfrischend agiert Richard Jenkins (‚Burn After Reading‘) als zynischer Texaner der Liz als Wegbegleiter in Indien zur Seite gestellt wird. Gemeinsam mit Javier Bardem (‚Vicky Cristina Barcelona‘) schaffen diese beiden Schauspieler es die einzigen Figuren zu erschaffen, denen man die Qual und die Freuden des Lebens zugleich anmerkt.

‚Eat Pray Love‘ ist mit 140 Minuten Laufzeit viel zu lang geraten. Oder aber zu kurz um das Buch vernünftig wiedergeben zu können. Italien, Indien und Indonesien werden eher stereotypisch, oberflächlich behandelt. Und trotz der farbenfrohen Atmosphäre bleibt das Schauspiel im Kontrast größtenteils trist. Man fühlt sich einfach nicht emotional verbunden mit den Akteuren, allen voran Julia Roberts, die hier als Hauptdarstellerin wenig zu überzeugen weiß.

Denis Sasse

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2 Kommentare

  1. […] Eat Pray Love […]

  2. […] Wie sich die ‘Pretty Woman’ schlägt, dass erfahrt ihr ab sofort in der Kritik zum Film ‘Eat Pray Love’ hier auf filmtogo. […]


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