Hot Tub – Der Whirlpool…ist ’ne verdammte Zeitmaschine!

Außer dem englischen Schriftsteller H.G. Wells scheint sich niemand einer extra konstruierten Zeitmaschine annehmen zu wollen. Durch die Veröffentlichung seiner Geschichte ‚Die Zeitmaschine’ im Jahre 1885 hat er die nachfolgenden Generationen geistig Beflügelt immer wieder einen Abstecher in andere Zeiten zu unternehmen, sei es Vergangenheit oder Zukunft. Dabei mussten Vehikel wie der Delorean aus ‚Zurück in die Zukunft’ oder die Telefonzelle für Bill und Ted bei deren verrückten Reise durch die Zeit als Zeitmaschinen herhalten. Noch ein wenig obskurer gestaltet Regisseur Steve Pink sein Zeitreiseabenteuer, wenn er John Cusack & Co. mit einem Whirlpool in die Vergangenheit schickt.

In der Gegenwart ist nämlich nichts mehr so rosig wie es einmal war. Adam (John Cusack) hat von seiner Freundin den Laufpass bekommen, Lou (Rob Corddry) wird zu keiner Party mehr eingeladen obwohl er eigentlich ein absoluter Partylöwe ist, die Frau von Nick (Craig Robinson) kontrolliert jede seiner Bewegungen und der Videospiel-Junkie Jacob (Clark Duke) verbringt seine Tage ausschließlich im Keller. Um mal wieder etwas zu erleben, reisen die Vier in eine ihrer alten Partylocations, die mittlerweile vollkommen ‚out’ ist. Dennoch lassen sie es krachen. Nach einer wüst durchzechten Nacht, die in einem Whirlpool endet, wachen die Männer mit dickem Kopf wieder auf. Im Jahr 1986.

Ebenso stereotypisch wie die Figuren in ‚Hot Tub’ konzipiert wurden, ist auch der Jahrgang ’86 als Gesamtbild gezeichnet. Die Fernsehschirme sind bevölkert von Musikvideos auf MTV, statt Handys tragen die Menschen ihren Walkman mit sich herum und die populärkulturell wichtige Frage nach der Hautfarbe von Michael Jackson wird natürlich auch gestellt. Die Outfits sind farbenfroh, durchgeknallt und fügen sich in die aus heutiger Sicht peinlichen Musikgeschmäcker der damaligen Ära.

Mit ähnlich peinlichen Momenten muss sich auch Darsteller Rob Corddry durch den Film arbeiten. Kennt man ihn im amerikanischen Fernsehen hauptsächlich als Korrespondent für das Comedy-Format ‚The Daily Show with Jon Stewart‘, muss er hier in die unterste Schublade der Komik greifen. Funktionieren die Figuren von Cusack, Robinson und Jacob auf einer annehmbaren Ebene, rutscht Corddry in den Vulgärhumor ab, bei dem er sich mit Erbrochenem oder Sex-Witzen die Gunst der Zuschauer verspielen darf. Ein Auftritt von Ur-Komiker Chevy Chase als furzender Hausmeister macht die Sache dann auch nicht besser. Der Film bewegt sich mit seinem Humor meistens in eine gute Richtung, aber die Ausrutscher mag man ihm irgendwie nicht verzeihen, wären sie doch wirklich nicht nötig gewesen.

Während Clark Duke – zuletzt als Aaron Johnsons Kumpel Marty in ‚Kick-Ass‘ zu sehen – sich in der Rolle als jugendlicher Aufpasser für älteren Zeitreisefreunden wiederfindet, erleben diese ihre zweite Jugend. Der Film holt derweil den Hammer heraus und hält eine Moralpredigt über zerbrochene Freundschaft, unerfüllte Lebensträume und Zusammenhalt. Dabei wird ganz nebenbei aber die Moral dann auch wieder fallen gelassen, wenn die Zeitreise dazu genutzt wird das Leben in der Gegenwart angenehmer zu gestalten.

Dankend soll noch die Verpflichtung von Lizzy Caplan erwähnt werden. Sie spielt den Love Interest für John Cusack, eine für das Spin Magazin schreibende Musikjournalistin. Ihr Auftritt in ‚Cloverfield‘ dürfte neben ihrer wiederkehrenden Rolle für die Fernsehserie ‚True Blood‘ als bisher wichtigste Verpflichtungen gelten. Ab dem 31. März 2011 ist sie in Danny Boyles ‚127 Hours‘ neben James Franco zu sehen.

‚Hot Tub‘ hält leider einige vulgäre Momente parat, die man so einfach nicht ausblenden kann. Trotzdem handelt es sich um eine amüsant anzusehende Zeitreise-Komödie, mit der sich John Cusack allerdings nicht unbedingt von seinem Auftritt in Roland Emmerichs ‚2012‘ erholen und zu alter Größe à la ‚High Fidelity‘ oder ‚Being John Malkovich‘ zurückkehren kann.

Denis Sasse

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2 Kommentare

  1. […] Wie sich das Abenteuer in den 80er Jahren auf der Kinoleinwand macht, dass erfahrt ihr ab sofort in der Filmkritik zu ‘Hot Tub – Der Whirlpool…ist ‘ne verdammte Zeitmaschine’ hier auf filmtogo. […]

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