Ich – einfach unverbesserlich!

Nicht Dreamworks Animation – verantwortlich für Filmserien wie ‚Shrek‘ oder ‚Madagascar‘, auch nicht Walt Disney (‚Küss den Frosch‘) oder die Pixar Animation Studios (‚Oben‘) zeigen sich verantwortlich für den neuen Animationsfilm ‚Ich – einfach unverbesserlich‘. Es handelt sich vielmehr um den ersten Film der Produktionsfirma Illumination Entertainment, vor drei Jahren vom ehemaligen 20th Century Fox Vorstandsvorsitzenden Chris Meledandri gegründet. Mit vielen weiteren Projekten in Arbeit – wie einer Verfilmung der Such-Bilderbücher ‚Wo ist Walter?‘ sowie einer Neuinszenierung der ‚Addams Family‘ – möchte man nun aber erst einmal mit dem Erstlingswerk überzeugen.

Auch der Protagonist versucht zu überzeugen. Er will zeigen das er der weltbeste Superbösewicht ist. Nichts, so glaubt er zumindest, liegt Gru mehr am Herzen als Unfrieden zu stiften und der Menschheit den Tag zu vermiesen. Inmitten einer wunderschönen Vorstadtidylle, zwischen hübschen Anwesen, gepflegten Gärten und fröhlichen Straßen, hat er es sich gemütlich gemacht. Das schwarze Haus und der verödete Rasen davor sind leicht zu erkennen, doch sein wahres Reich verbirgt sich tief darunter in seiner weit verzweigten unterirdischen Geheimfestung. Umgeben von einer Armee von ‚Minions‘, gelben Zwergwesen, schmiedet der Hausherr hier seine genialen weltweiten Schurkenstreiche, deren Krönung die Entführung des Mondes werden soll. Bewaffnet mit verblüffenden Wunderstrahlern und spektakulären Allzweckfahrzeugen kämpft er gegen seinen jungen, aufstrebenden Widersacher Vector. Zu allem Überfluss muss er sich noch um Margo, Edith und Agnes kümmern, drei kleine Waisen, die sich in den Kopf gesetzt haben, dass Gru den idealen Papa für sie abgeben würde.

Dabei fungiert Gru doch bereits als Papa für unzählige seiner kleinen Minions. Die Regisseure Pierre Coffin und Chris Renaud haben es geschafft diese kleinen unförmigen Wesen so zu gestalten, dass jeder von ihnen einen unterschiedlichen Charakter zu haben scheint. Sie sind lustig und entwickeln Kultpotenzial. Vielleicht hat Illumination Entertainment hier bereits ihr Aushängeschild gefunden – wie das kleine Lämpchen bei Pixar oder der Außerirdische E.T. für Amblin Entertainment. Dennoch stehlen sie niemanden die Show. Die drei Kids Margo, Edith und Agnes entwickeln eine ganz eigene Dynamik im Zusammenspiel mit Gru und auch dieser selbst glänzt durch trockenen, schwarzen Humor und lässt sich nicht von den Minions an die Wand spielen.

Dieser schwarze Humor, bissige Kommentare und die negative, dennoch heimische Atmosphäre, sind es aber auch die bewirken, dass die Zielgruppe nicht bei Kindern, sondern eher bei Jugendlichen und Erwachsenen angesiedelt werden sollte. Nicht etwa weil das Drehbuch nicht für die Altersklasse geeignet wäre, zu brutal, zu vulgär oder ähnliches, sondern weil man die Dialoge einfach noch nicht nachvollziehen wird können. Dazu gehören auch Anspielungen wie Grus Besuch bei der ‚Bank of Evil‘ mit der Untertitelung ‚ehemals Lehman Brothers‘, eine Investmentbank die in Folge der amerikanischen Finanzkrise Insolvenz beantragen musste.

Der Direktor der ‚Bank of Evil‘ Mr.Perkins und sein Sohn Vector bilden dann auch die Schurken des Filmes. Mit Leichtigkeit hätte man dem eigentlichen Superschurken einen Helden als Antagonisten entgegenstellen können. In die technische Maschinerie der vielen Gadgets, die von Grus hauseigenem Erfinder Dr. Nefario entwickelt werden, hätte ein James Bond Verschnitt hervorragend hinein gepasst. Aber der Film bleibt seiner Linie treu, zeigt keine Saubermänner, sondern das harte Leben eines Schurken der sich gegen Gleichgesinnte behaupten muss.

Mit ‚Ich – einfach unverbesserlich‘ feiert Illumination Entertainment einen erfolgreichen Einstand und steht den bereits etablierten Animationsstudios in nichts nach. Die Handlung zeigt keine Durchhänger, die Figuren sind allesamt unterhaltsam und der Humor erfrischend zynisch für einen Animationsfilm. Chris Meledandri hat eine Fortsetzung bereits bestätigt sowie drei Kurzfilme mit Gru und den Minions (‚Home Makeover‘, ‚Orientation Day‘, ‚Banana‘).

Denis Sasse

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2 Kommentare

  1. Ich fînde es noch verwunderlich, dass in der deutschen Version keine allzu grossen Namen hinter dem Mikrophon stehen, da man ja bei Pixar und Dreamworks schon lange auf Prominente Sprecher, auch in deutscher Sprache, setzt.

  2. Ob prominent oder nicht, die Synchronisation von Ich – Einfach unverbesserlich ist aus meiner Sicht mehr als gelungen. Da ist es mir wurscht, wer letztendlich der Sprecher ist!


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