Iron Man 2

Der erste Kommentar den ich bereits vor der ersten Szene zu ‚Iron Man 2‘ von Kinomitarbeitern hören durfte war, dass Robert Downey Jr. einmal mehr großartig aussehen würde. Nicht das es wirklich darum gehen würde, aber man muss sich eingestehen, dass er seit seinem Leinwandcomeback mit eben diesem ‚Iron Man‘ Franchise in all seinen Filmen gut aussah, sowohl vom Aussehen als auch von seiner überzeugenden Darstellung der ihm anvertrauten Figuren. Diesmal darf er den Geschäftsmann Tony Stark dann auch ein wenig mehr Tiefe verleihen, wird er im zweiten Teil dieser Marvel Serie, die ebenfalls zu dem großen ‚Avengers‘ Film beitragen soll, mit seiner Vergangenheit konfrontiert, muss sich mit den Nebeneffekten seiner Rüstung auseinandersetzen und darf sich nicht nur mit ‚Whiplash‘ herumschlagen, sondern auch mit dem US Militär, dass das ‚Iron Man‘ Vehikel erforschen und als Waffe nutzen möchte.

Im Laufe dieser Geschehnisse, die insgesamt eine stimmige Handlung ergeben, die den ersten Teil kontinuierlich weitererzählt, werden einige neue Charaktere in das Marvel Film Universum eingeführt, es kehren alte Bekannte zurück und mit Don Cheadle sehen wir einen Darsteller um den es im Vorfeld einige negative Schlagzeilen gegeben hat, hat er doch die Rolle von Terrence Howard übernommen, der sich mit den Marvel Studios nicht auf die Fortführung seines Vertrages einigen konnte. Mit Samuel L. Jackson als Captain Nick Fury bringt man derweil die große ‚Avengers‘ Geschichte noch ein Stück weiter, die bereits im ersten ‚Iron Man‘ Film sowie in der ‚Hulk‘ Verfilmung mit Edward Norton angestoßen wurde. Wer die Presse verfolgt wird wissen, dass Chris Evans bereits als ‚Captain America‘ verpflichtet wurde, Chris Hemsworth wird den nordischen Gott ‚Thor‘ verkörpern und auch über einen ‚Avengers‘ Auftritt der hier eingeführten ‚Black Widow‘ – dargestellt von Scarlett Johansson – wird spekuliert. Soviel zum großen Ganzen, aber funktioniert ‚Iron Man 2‘ auch unabhängig von diesem Plan?

Als klare Antwort muss man hier ein ‚Ja‘ anbringen. Wie bereits in den vorherigen Marvel Verfilmungen, werden die Anspielungen auf den ‚Avengers‘ Film nur am Rande gestreut. Vielmehr konzentriert man sich dieses Mal auf die Figur des Tony Stark. Der Film wird fast zu einer Art Blockbuster-Charakterstudie. Wir tauchen mit Stark in dessen Vergangenheit ein, als er sich mit den Taten seines Vaters, bzw. vielmehr mit denen seines Geschäftspartners auseinandersetzen muss. Im ersten Teil noch als Spaß abgetan, sehen wir Tony Stark dann auch alkoholisiert – in der Comicvorlage wird er als Alkoholiker dargestellt, diese Charakterschwäche hat damit auch ihren Weg auf die Leinwand geschafft. Außerdem ‚frisst‘ seine Rüstung ihn auf, der Energiekern vergiftet seinen Körper, Tony Stark wird sterben, sollte er keine andere Energiequelle finden. Damit hätten wir gleich mehrere Ziele für die Hauptfigur gefunden, die auch alle in der Exposition schön aufgelistet werden.

Mit Ivan ‚Whiplash‘ Vanko taucht der Sohn des ehemaligen Geschäftspartners seines Vaters auf der sich an Tony Stark rächen möchte. Mickey Rourke ist ein interessanter Gegenspieler für Robert Downey Jr. Haben doch beide eine eher durchwachsene Lebensweise hinter sich. Dabei bekommt Rourke hier leider nicht die nötige Leinwandzeit um sich als beeindruckender Gegenspieler zu behaupten. Auch Sam Rockwell, der als intriganter, auf Stark eifersüchtiger Waffenexperte Justin Hammer mit Vanko kooperiert, bleibt weit entfernt von einer Präsenz wie sie ein gut aufgebauter Gegenspieler verdient hätte. Was wäre Batman ohne seinen Joker, was wäre Superman ohne seinen Lex Luthor? Vielmehr scheint der wahre Gegner von ‚Iron Man‘ dann er selbst in Form von Tony Stark zu sein. Der Film ist voll und ganz auf das Schauspiel von Robert Downey Jr. ausgelegt.

Vielleicht ist es aber auch genau das was passieren kann, wenn man versucht viele Figuren unter einen Hut zu bekommen. ‚X-Men‘ ist ein gutes Beispiel für eine Superheldenverfilmung in der viele Figuren berücksichtigt werden wollen. Als Negativbeispiel könnte man sicherlich ‚Spider-Man 3‘ anbringen, der in Augen vieler Kritiker zu überfüllt wirkte. Eigentlich hat ‚Iron Man 2‘ hier nichts falsch gemacht, es wirkt nur irgendwie fehl am Platz wenn sämtliche Nebencharaktere keine große Rolle zu spielen scheinen. Natürlich haben wir ‚Black Widow‘ die ihren ‚Moment To Shine‘ hat, aber wahrscheinlich erst im späteren Verlauf der Filmgeschichte noch eine tragende Rolle bekommen wird (ein eigener Film?). Wir haben Don Cheadle als ‚War Machine‘, der als eine Form des Sidekicks dienen soll, der aber eigentlich nur für den großen Showdown benötigt wird. Wir haben Gwenyth Paltrow, die ab und an hysterisch ihren Boss Tony Stark auf den Boden zurückholen darf und wie bereits erwähnt bleiben die ‚Bösen‘ auch ein Schatten ihrer selbst. Wie die Eröffnungsszene auf der ‚Stark Expo‘, die laut Interview mit Regisseur Jon Favreau in der Mai Ausgabe des britischen ‚Empire‘ Magazins zu seinen Lieblingsszenen zählt, wird hier ‚Iron Man‘ zelebriert. Es gibt Feuerwerk, die amerikanische Flagge und Cheerleader in ‚Iron Man‘ Kostümen. All das was wir später auch im Film wiederfinden.

Aber man darf auch nicht zu hart ins Gericht gehen mit dieser Fortsetzung, hat sie es doch schwer genug ihren Vorgänger zu übertreffen. Wer war denn ‚Iron Man‘ auch schon bevor Jon Favreau die Marvel Maschine auf die Leinwand holte? Niemand hatte im Vorfeld mit dem Erfolg des ersten Teiles gerechnet, niemand hatte diesem Feel Good Movie aus dem Jahre 2008 eine große Bedeutung zukommen lassen. Im zweiten Teil muss dann alles größer und besser sein, man will sich selbst natürlich toppen, mehr Action, mehr ‚Iron Man‘, mehr von allem. Aber wovon auch mehr da war, waren die Erwartungen.

‚Iron Man 2‘ ist ein unterhaltsamer, explosiver Film. So langsam wird es allerdings Zeit das wir mit ‚Avengers‘ die Entladung dieses filmischen Vorspiels von Comicverfilmungen erleben. Wo der erste Teil durch kaum vorhandene Erwartungen mehr als überzeugen konnte, hat der zweite Teil es jedoch schwer seinen Vorschusslorbeeren gerecht zu werden.

Denis Sasse

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1 Kommentar

  1. Ich fand den zweiten Teil klasse. Besser als der erste. Der angesprochenen Überfüllung kann ich nur teilweise zustimmen. Du hast Recht, wenn du sagst, dass viele Figuren im Schatten der anderen stehen, da aber vieles zur Marvel-Strategie gehört, die Filme zu verweben, ist es auch gewissermassen nötig, beispielsweise einen Nick Fury einzubauen, der dann zwar eine Nebenrolle hat, aber dafür dem grossen Projekt weiterhilft.

    Ansonsten: Schönes Review, ich werde mir dieses Blog merken 🙂

    LG Graval


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