Kampf der Titanen

Nun ist er also entfesselt – der ‚Kampf der Titanen’ von Regisseur Louis Leterrier (‚Der unglaubliche Hulk’, ‚Transporter 2’). Und wieder ist es Sam – nennen wir ihn ‚Blockbuster Mann’ – Worthington, der bereits mit dem neuesten ‚Terminator’ Film und James Camerons ‚Avatar’ eine Menge Geld verdient haben dürfte. Ich kann mich nicht wirklich entsinnen, wann ein frisches Gesicht in Hollywood das letzte Mal so sehr in Big Budget Filmen verheizt wurde. Ihm zur Seite gestellt wurden zwei Darsteller aus dem jüngsten ‚James Bond’ Universum – Mads Mikkelsen, der in ‚Casino Royale’ den Gegenspieler von Bond Le Chiffre mimte und Gemma Arterton die als Strawberry Fields in ‚Ein Quantum Trost’ die herrliche Tradition der ungewöhnlichen Namen von Frauen in ‚Bond’ Filmen fortführte. Außerdem hat man mit Liam Neeson (‚96 Hours’) und Ralph Fiennes (‚Der Vorleser’) zwei fähige Schauspieler verpflichtet, durch die man aufgrund ihrer jeweiligen Nominierungen das Wort ‚Oscar’ mit in die Filmankündigungen einflechten kann. Ob diese namenhafte Besetzungsliste aber auch etwas gebracht hat? Haben wir einen schlichten Blockbuster zum Hirn ausschalten oder eine Geschichte mit Tiefgang?

Zur Geschichte sei soviel gesagt – Louis Leterrier hält sich wirklich nur an die Grundidee des Originalfilmes aus dem Jahr 1981. Die von mir geliebte mechanische Eule Bubu taucht in der Neuverfilmung nur als kurze Anekdote auf, die Riesenskorpione werden nicht mehr einfach nur bekämpft sondern als Reittiere verwendet. Die Stadt Argos wird nicht sofort zu Beginn des Filmes zerstört, sondern es ist die drohende Zerstörung die Perseus antreibt in die Welt hinauszuziehen um den Kampf gegen die Götter aufzunehmen. Aber auch die Götter kämpfen untereinander, denn in der Neuverfilmung taucht auch der dritte der drei Obergötter auf – fehlte 1981 noch Hades, gesellt dieser sich nun in Gestalt von Ralph Fiennes zu seinen Brüdern Zeus (Liam Neeson) und Poseidon (Danny Huston). Nachdem Hades die Familie von Perseus tötet und Zeus mit dem Kraken, einem leider schon im Trailer zum Film gesehenen Meeresungetüm, Argos und damit unzählige Menschen vernichten will, ist das Ansporn genug für den jungen Fischer in den Krieg zu ziehen, ein Krieg der auch auf Intrigen innerhalb des Götterkreises beruht. Denn Hades versucht an die Macht Zeus’ zu kommen und den Olymp zu übernehmen. Mit Gefährten an seiner Seite, die einer Gruppierung a la ‚Herr der Ringe’ gleichkommt. Dabei werden sie von Kalibos verfolgt, der von Zeus entstellte ehemalige König von Argos, sie müssen drei Hexen aufsuchen die das Geheimnis um den Kraken zu kennen scheinen, sie lassen sich von dem Fährmann Charon über den See Styx in die Unterwelt fahren um in die Katakomben der Schlangenfrau Medusa einzudringen um sich am Ende der Kraken zu stellen.

Wenn mich etwas an den Action/Abenteuerfilmen der letzten Zeit stört, dann sind es die viel zu schnell abgefilmten Kampfsequenzen. Eigentlich nimmt der Zuschauer nur noch eine undefinierbare Masse auf der Leinwand wahr. Wer da gerade wen bekämpft, wer stirbt, wer zusammenbricht, das bleibt ein Rätsel bis die Schlacht beendet wird und man das Ergebnis präsentiert bekommt. Ist es denn wirklich so schwer dem Zuschauer einen Kampf zu präsentieren, dem er visuell auch folgen kann? Hier ist vor allem das Problem die 3-D Version von ‚Kampf der Titanen’. Was bringt es mit 3-D zu arbeiten, wenn ich als Regisseur Szenen einstreue, die man auf der Leinwand nicht mehr erkennen kann? Hier muss man bei aller Antipathie die ich James Camerons ‚Avatar’ entgegenbringe zugeben, dass dieser zumindest wusste wie er mit Dreidimensionalität umzugehen hat und dem Zuschauer einige schöne Bilder von seiner Welt Pandora bieten konnte. Louis Letterier hat seinen Film nachträglich bearbeitet und ihm dieses 3-D Paket verpasst, ohne das es wirklich etwas nutzen würde.

Sowohl positiv als auch negativ kommt die Laufzeit des Filmes daher. Mit 118 Minuten liegt Letteriers Fassung nur zwei Minuten hinter dem Original. Dennoch fühlt man sich eigentlich nicht gelangweilt, weil der Film als Actionfilm funktionieren soll und auch dementsprechend angelegt wurde. Auszeiten bekommt man nur sehr selten geboten, auch eine Kampfszene folgt eine weitere und so schlägt sich der tapfere Held durch seine zahlreichen Aufgaben klassisch bis zum Ende durch. Klingt erst einmal positiv, aber es gibt natürlich auch eine negative Seite. Durch diese schnelle Erzählweise wird sich an keiner Stelle des Filmes die Zeit genommen auf die Charaktere einzugehen. Wir wissen das Perseus der Sohn des Gottes Zeus ist, aufgezogen von einem Fischer. Fertig. Alles andere wird nicht einmal an der Oberfläche angekratzt und dementsprechend trauert man keinem Charakter nach der das zeitliche segnet. Zu jedem Moment des Filmes könnte man aufstehen, den Saal verlassen, die Toilette aufsuchen, Popcorn nachkaufen, vielleicht auch ein Telefonat führen…ohne dabei eine wichtige oder emotionale Szene zu verpassen. Sicherlich würde man verpassen wie sich die pure Männlichkeit in die Schlacht mit einem Ungeheuer wirft, aber hier müsste man ja nur circa zwei Minuten warten um die gleiche Szene mit einem anderen Monster noch einmal sehen zu können. Diese Emotionslosigkeit spiegelt sich dann wohl auch darin wieder, dass es seit langer Zeit der erste große Hollywood Blockbuster ist, in dem es zu keinem Filmkuss kommt.

Gut inszenierte Dinge möchte man dann aber auch noch hervorheben. Sei es der Olymp, wo die Götter thronen und auf eine zwischen ihnen dargestellte Erde hinabblicken oder das fliegende Pferd Pegasus. Hier hat man schön animiert wie man es öfters sehen möchte. Der Olymp wirkt wahrlich göttlich und die Götter scheinen wirklich über den Dingen zu stehen. Wie sie auf ihren Plateaus um die Erde versammelt sind – ein Bild für die Götter. Pegasus wirkt zu keiner Zeit im Film künstlich. Ein Pferd mit Flügeln, ja, so könnte es im echten Leben aussehen und sich bewegen. Auch die Flugszenen wirken bei ihm dann überhaupt nicht hektisch, überschnellt oder schlecht animiert. Man sieht hier ein Pferd das durch die Luft galoppiert und dabei eben mit ein paar Flügelschlägen in der Luft bleibt. Und auch der Charakter Hades kommt schaurig schön daher. Er wirkt – und das muss er ja auch – wie gerade aus der Unterwelt empor gestiegen. Im Vergleich zu den strahlenden Göttern des Olymp eine Gestalt der Finsternis, des abgrundtief Bösen. Aber wer hatte jemals daran gezweifelt das Ralph ‚Voldemort’ Fiennes die Rolle des Gottes der Unterwelt nicht hervorragend spielen würde. Dahingehend ist es ein Sam Worthington der in jedem Film die gleichen Gesichtszüge abzuspulen scheint. Er spielt solide, dennoch würde ich ihn gerne mal in einem kleinen Drama der Gegenwart sehen anstatt in Science-Fiction oder Altertum-Abenteuerfilmen. Der Mann sollte mal gefordert werden, denn eigentlich kann man sein schauspielerisches Talent noch gar nicht wirklich einschätzen, sieht man sich seine bisherigen eher weniger tiefgründigen Rollen an – und ja, ich weiß, es gibt eine Zeit vor ‚Terminator’, wo er als MacBeth zu sehen war, aber seit seinem ‚Level-Up’ in Hollywood hat er nichts vergleichbares mehr leisten können.

‚Kampf der Titanen’ ist ein Film mit einer Menge Löchern in der Handlung, die den Rahmen an dieser Stelle einfach sprengen würden – ähnlich wie sich das Jinn-Wüstenwesen im Film ohne erkennbaren Grund in die Luft sprengt. Aber vielleicht kommt es auch einfach darauf an was man im Vorfeld erwartet. Geboten bekommt man jedenfalls eine Aneinanderreihung von nettt anzusehenden – nicht zwingend in 3-D – Actionsequenzen die durch eine klassische Geschichte miteinander verbunden werden. Eigentlich ein Blockbuster für den DVD Spieler daheim.

Denis Sasse

3 Kommentare

  1. […] Das erfahrt ihr in der ‘Film To Go’ Rezension an dieser Stelle. […]

  2. „Eigentlich nimmt der Zuschauer nur noch eine undefinierbare Masse auf der Leinwand wahr.“ – Ganz genau das ist auch mein größter Kritikpunkt. Es ist klar, dass nicht mehr von dem Film zu erwarten ist als ein teures Actionspektakel, aber genau das geht schief. Zu keinem Zeitpunkt weiß man, wo sich welche Figur im Raum befindet, es gibt nur einzelne Körperteile und Schwerthiebe die reingeschnitten werden. Im Klartext gebe ich also bewusst mein Geld für Action aus und bekomme nichts, ausser einem Wirr zusammengeschnittenen haufen von Körperteilen. Das einzige was meiner Meinung nach den Film noch rettet ist Ralph Fiennes, der einen genialen Hades abgibt..
    Gute Rezension übrigens 😛
    Stef

  3. Hallo,
    ich habe den Film gestern gesehen und muss sagen wenn man das Hirn teilwiese abschaltet ist das eine gelungene Unterhaltung – mehr nicht. Das Original von 1981 kann zwar mit den Effekten nicht mithalten, aber gefällt mir besser.


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