Kick-Ass

Sprechen wir heutzutage über Comicverfilmungen landen wir ganz schnell bei den typischen strahlenden Superhelden aus dem DC oder Marvel Universum. Okay, zugegeben, das Heldendasein im DC Universum ist nicht immer so strahlend – siehe ‚The Dark Knight‘ – aber darum soll es ja auch gar nicht gehen. Vielmehr geht es um die Tatsache das die Comicfreunde unter uns sich schon immer selbst eine dieser Superkräfte die einen Helden ausmachen gewünscht haben. Wer hat sich denn noch nie in einer Diskussion wiedergefunden, in der man mit seinen Freunden darüber streitet, welche Kraft denn am coolsten wäre und was man damit alles anstellen könnte. Aber zitieren wir doch einmal den guten Peter Parker aus ‚Spider-Man‘, der sagte, dass mit großer Kraft auch eine große Verantwortung auf einem lastet. Comicautor Mark Miller ist dieses Genre nun einmal komplett anders angegangen und hat mit seiner Serie ‚Kick-Ass‘ gezeigt, dass eine solche Verantwortung eigentlich bei jedem liegt, nicht nur bei den mit Superkräften ausgestatteten Fantasiehelden. Er schickt seinen Titelhelden Dave Lizewski auf einen Trip durch das Superheldendasein ohne Kräfte – einfach nur weil er es Leid ist das niemand die Verantwortung übernehmen will, wenn auf den Straßen seiner Heimatstadt Unrecht begangen wird. Dave wird zu dem maskierten Verbrechensbekämpfer ‚Kick-Ass‘.

Dabei schreckt Dave auch vor Rückschlägen nicht zurück – und die gibt es zu Hauf. Wir dürfen nicht vergessen, bei ‚Kick-Ass‘ handelt es sich um einen Helden ohne Kräfte und das bekommt Dave mehr als nur einmal zu spüren. Schnell entdeckt er, dass auch der handelsübliche Straßengauner – ausgestattet mit harten Fäusten und Messern zum abstechen – ebenso gefährlich sein kann wie ein Superschurke. Dennoch gibt ‚Kick-Ass‘ den Kampf gegen das Böse nicht auf, er bleibt hartnäckig und wird dafür belohnt. Als er auf einem Parkplatz in einen Kampf verwickelt wird, in dem er selbst kräftig austeilt und dabei mit einer Handykamera aufgenommen wird, landet seine Tat schnell im Internet und entwickelt sich zu einem Phänomen, das schnell auch Gesprächsthema in den Fernsehnachrichten wird. Hier werden die beiden skrupellosen Verbrechensbekämpfer ‚Big Daddy‘ und ‚Hit Girl‘ auf den neuen Stern am Heldenhimmel aufmerksam. Ein brutales Vater-Tochter Gespann, dass Rache nehmen will an Frank D’Amico, einem kriminellen Geschäftsmann, der die ganze Stadt auf seiner Gehaltsliste zu haben scheint. Dieser ist verantwortlich für den Tod der Frau von ‚Big Daddy‘, der daraufhin seine kleine Tochter zu einer Kampfmaschine ausgebildet hat und Jagd macht auf D’Amico. Hilfe versprechen sie sich dabei jetzt von ‚Kick-Ass‘, der unverhofft in dieses Abenteuer mit hineingezogen wird. Natürlich will der ‚Superschurke‘ der Geschichte nicht einfach tatenlos mit ansehen, wie seine Stadt auf einmal in die Hände von Rechtschaffenden Helden gerät und schickt seinen eigenen Sohn als Undercover-Helden ‚Red Mist‘ auf die Straße.

Junge Filmemacher die fernab von Hollywood arbeiten scheinen die Erlösung des Filmliebhaber zu sein, die aus Hollywood nur noch Prequels, Sequels oder hirnlose 3-D Blockbuster geboten bekommen, die fernab von jeglicher Originalität inszeniert werden. Sei es ein Neil Blomkamp der mit ‚District 9‘ ein hervorragendes Sci-Fi Werk abgeliefert hat oder Regisseure wie Shane Acker (‚9‘), J.J.Abrams (‚Star Trek‘) und Oren Peli (‚Paranormal Activity‘), sie alle haben weitaus mehr abgeliefert, als es eine Großproduktion aus der Traumfabrik Hollywood in den letzten Monaten geschafft hätte. Jetzt gesellt sich Regisseur Matthew Vaughn (‚Layer Cake‘) ebenfalls zu dieser Ansammlung von neuen Filmemachern, die uns wieder liebevoll gestaltete Filme auf die Leinwand bringen, bei denen es Spaß macht zuzuschauen. Vielleicht ist es an der Zeit für die ‚Altmeister‘ wie Scorsese und Spielberg abzutreten. Auch James Cameron, Michael Bay und die anderen Regisseure die eher dadurch glänzen dass sie möglichst viel Geld für ihre Filme ausgeben und damit trotzdem kein ansehbares Projekt abliefern, könnten sich bei so manch einem Jungregisseur noch etwas abgucken.

Hätte Matthew Vaughn ‚Kick-Ass‘ von einem großen Hollywoodstudio produzieren lassen, dann würden wir wohl einen komplett anderen Film zu sehen bekommen. Hier werden sämtliche Filmtabus gebrochen, die für den amerikanischen Film gelten dürften. Matthew Vaughn zeigt die wirkliche Welt – im gewissen Sinne – und nicht den Kitsch den wir normalerweise serviert bekommen. Wir haben den Titelhelden, der mitten in der Pubertät steckt, seiner Lehrerin auf die Brüste schaut und Zuhause seine Zeit damit verbringt sich einen runterzuholen. Das Ganze ist dann allerdings weniger wie ein billiger ‚American Pie‘ Film inszeniert. Viel eher erwischt man sich dabei darüber nachzudenken, ob das nicht eben zu einer Pubertät dazugehört. Wir bekommen Teenager zu sehen, die in einer dreckigen Hinterhof Ecke Sex haben und nicht etwa schön säuberlich im heimischen Bett das erste Mal verbringen. Wer hier mit einem Messer niedergestochen wird, der ist auch wirklich in Lebensgefahr, kleine Mädchen fluchen, die Helden benutzen Schusswaffen und gehen auf Rachefeldzug. Wir leben in einer dreckigen Welt und das zeigt uns Matthew Vaughn. Eine Welt in der niemand die Verantwortung übernehmen will – außer eben dieser pubertierende Junge, der eigentlich einfach nur ein Comic-Fan ist.

Die Darsteller hätte Vaughn dabei nicht besser auswählen können. Er setzt auf junge, frische Gesichter, wie er selbst auch eines ist. Man muss sich eingestehen das ausgerechnet der Titelheld ‚Kick-Ass‘, dargestellt von Aaron Johnson (‚Nowhere Boy‘) dabei das blasseste Gesicht des Filmes ist. Das soll nicht heißen das er seine Rolle schlecht verkörpert, leider hat man aber die anderen Charaktere viel zu interessant gestaltet, als das er die Leinwand für sich beanspruchen könnte. Cloë ‚Hit Girl‘ Moretz (‚500 Days of Summer‘) dürfte dabei der größte Hingucker – und in vielen Diskussionen auch der größte Aufreger – sein. Sie hat die wahrlich brutalsten Szenen des Filmes und die tabubrechensten ‚Wasch dir deinen Mund bloß mit Seife aus!‘ Dialoge des Filmes. Natürlich musste dabei irgendwann diskutiert werden, ob denn ein 11jähriges Mädchen – so alt war Cloë Moretz bei Drehstart – mit einer so gewaltverherrlichenden Handlung umgehen könne. Man möchte an dieser Stelle verweisen auf Natalie Portman, die mit ‚Leon – Der Profi‘ ihre Karriere startete. Viel eher muss man wohl darauf aufpassen, dass die kleine Cloë mit dem Rummel umzugehen weiß, der nach ‚Kick-Ass‘ sicherlich auf sie zukommen wird. Sie sollte sich fernhalten von einer Drogenkarriere a la Drew Barrymore oder Macauly Culkin.

Dann wäre da natürlich noch Nicolas Cage (‚Knowing‘), der seit langer Zeit mal wieder Spaß an einer Rolle zu haben scheint. In der deutschen Fassung bekommt man es nur am Rande mit, aber im englischen Original ist sein Charakter ‚Big Daddy‘ eine klar erkennbare Hommage an den guten alten Adam West, der in den 60er Jahren der bunte ‚POW‘ , ‚BANG‘, ‚ZACK‘ Fernseh-Batman war. Die ‚Bösen‘ dürfen an dieser Stelle auch nicht unerwähnt bleiben. Mit Mark Strong (‚Sherlock Holmes‘) hat man einen sicheren Deal gemacht, dass man den Helden ein wirklich fieses Gesicht entgegenstellt. Der Charakter Frank D’Amico agiert mit einer solchen Gleichgültigkeit gegenüber Menschenleben, dass es Spaß macht mit anzusehen, wie ‚Kick-Ass‘, ‚Big Daddy‘ und ‚Hit Girl‘ ihn dann zum Wahnsinn treiben und er am Ende auch nicht davor zurückschreckt, nicht etwa seine Untergebenen in die Schlacht zu schicken, sondern sich selbst die Hände dreckig zu machen um dieses ganz spezielle Problem zu beseitigen. Sein Sohn, dargestellt von Christopher Mintz-Plasse (‚Year One‘), macht dabei eine für den Film und einem eventuellen Folgefilm interessante Entwicklung vom Superhelden-Spion zum Superschurken durch.

An dieser Stelle werden die Kenner der Comics von Mark Miller stutzen. Es soll hier nicht zu viel verraten werden, aber das Ende des Filmes unterscheidet sich vom Ende der Comics. Nicht etwa weil es Matthew Vaughn nicht gefallen hätte, sondern weil beides zeitgleich entstanden ist. Die ‚Kick-Ass‘ Comicgeschichte war noch nicht zu Ende geschrieben als der Film entstand und so hat Vaughn hier sein ganz eigenes Ende erschaffen, das aber hervorragend funktioniert und überhaupt keinen faden ‚Das ist so aber nicht im Comic‘ Beigeschmack hat.

‚Kick-Ass‘ darf man ruhig als mein bisheriges Filmhighlight 2010 ansehen. Ein bunt und schamlos inszeniertes Comicspektakel, dass sich auch ohne Superkräfte an der Spitze seines Genres einreihen darf.

Denis Sasse

3 Kommentare

  1. […] Und die Kritik zum Film, der offiziell am 22.April in Deutschland anlaufen wird, findet ihr jetzt genau an dieser Stelle. […]

  2. Wären da nicht Avatar, Alice und Iron Man 2, jep – Kick Ass wäre mein Filmhighlight 2010. So bleibt ihm nur, sich den Thron mit den genannten zu teilen. 🙂

    Auch wenn er stellenweise blutig und brutal ist, das gehört dazu, ja das macht ihn aus. Und jetzt gehe ich den Comic lesen 🙂

  3. […] Und die Kritik zum Film, der offiziell am 22.April in Deutschland anlaufen wird, findet ihr jetzt genau an dieser Stelle. […]


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