Mary & Max

Adam Elliot erschuf zwischen 1996 und 1999 seine animierte Kurzfilmtrilogie bestehend aus den Filmen ‚Uncle‘, ‚Cousin‘ und ‚Brother‘. Es folgte ‚Harvie Krumpet‘, ein 23minütiger und damit bereits etwas längerer Kurzfilm. Die Entwicklung des australischen Drehbuchautoren und Regisseurs geht mit ‚Mary & Max‘ weiter. In seinem ersten abendfüllenden Knet-Stop-Animation-Film haben auch direkt namenhafte Darsteller eine Sprechrolle übernommen: Philip Seymour Hoffman (‚Glaubensfrage‘), Toni Collette (‚Little Miss Sunshine‘) und Eric Bana (‚Star Trek‘).

Diese stellen sich in ‚Mary & Max‘ die Frage, ob Babys in Amerika aus Cola-Dosen kommen oder aus Bierkrügen wie in Australien? Zumindest stellt Mary sich diese Frage und stellt sie ihrem Freund Max. Der weiß prompt die Antwort: Babys kommen in Amerika aus Eiern, die je nach Religionszugehörigkeit von Rabbinern, katholischen Nonnen oder Prostituierten gelegt werden. Das ist der Beginn der ganz besonderen Freundschaft zwischen Mary und Max. Diese außergewöhnliche Freundschaft verbindet das neugierige und einsame Mädchen Mary aus Australien mit dem gewissenhaften, schrulligen Max, der in New York lebt. Dabei sind die Lebensumstände von Mary und Max nicht gerade einfach, oft fühlen sie sich fremd und missverstanden, aber ihre großartige Freundschaft gibt ihnen Sicherheit und Halt. Die Fragen, die sie sich gegenseitig stellen, sind witzig und zugleich essentiell: Wie ist das eigentlich, schrumpfen Schafe, wenn es regnet?

Manchmal merkt man, dass Hollywood nicht der Quell allen Erfolges ist. Sind es zwar bekannte Gesichter aus der Traumfabrik die den kleinen animierten Knetfiguren in ‚Mary & Max‘ ihre Stimmen leihen, bleiben eben diese Gesichter hinter den Charakteren versteckt. Ähnlich unscheinbar wirken dann auch die deutschen Synchronstimmen von Boris Aljinovic, Helmut Kraus oder Valentina Banalana. Viel zu sehr verliebt man sich in die Knet-Welt mit ihren merkwürdigen Charakteren. Adam Elliot feiert mit seinem ersten Langfilm einen guten Einstand, ist er hier doch direkt als Multitalent unterwegs. So zeichnet er sich für die Geschichte, das Drehbuch und für das Design der Knetwelt verantwortlich. Ganz nebenbei hat er dann auch noch Regie geführt.

Wie bereits in seinen Kurzfilmen legt Elliot dabei viel Wert auf seinen Erzähler, der den Zuschauer durch die kleine Knetwelt begleitet. Man fühlt sich dank des Einsatzes dieser Off-Stimme in ein Märchen hineinversetzt, als würde eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen werden. Dabei ist es aber eine Tragikomische Geschichte, die erzählt wird. Zwar schaffen es die beiden Hauptprotagonisten durch ihre skurrilen Unterhaltungen den ein oder anderen Schmunzler zu erzeugen, aber am Ende sind es die tristen, grauen Farben die den Film ausmachen. Nur kleine, rote Farbkleckse erhellen die Szenerie. Ergänzt wird diese Atmosphäre durch charmant dazu passende Musikstücke.

Es ist das Zusammenspiel all dieser facettenreich gestalteten Details, die ‚Mary & Max‘ zu einer wunderschönen Knet-Animation machen. Von der öden, beschaulichen Kleinstadt bis zur Großstadt New York. Vergleiche mit ‚Wallace & Gromit‘, dem wohl bekanntesten Vertreter dieses Genres, wären unangebracht, funktioniert dieser doch mit einer anderen Form des Humors als auch mit ganz anderen Bildern.

‚Mary & Max‘ ist traurig, auf eine sentimentale, herzerweichende Weise. Am Ende ist man trotzdem zufrieden, kein mulmiges Gefühl das zurückbleibt. Aber vielleicht denkt man doch noch einmal über die guten Freundschaften nach die das Leben ausmachen und ob man selbst genug Zeit in diese investiert.

Denis Sasse

1 Kommentar

  1. […] Der Knet-Animationsfilm ‘Mary & Max’ ist seit dem 26.August 2010 in den Kinos zu sehen. Die Kritik zum Film findet ihr ab sofort auf filmtogo. […]


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