Megamind

2010 ist bisher ein erfolgreiches Jahr für die DreamWorks Animation Studios. Nicht nur haben sie mit ‚Drachenzähmen leicht gemacht‘ ein unterhaltsames 3D Abenteuer auf die Leinwände gebracht, dass durch die vielen Buchvorlagen noch Ausbaufähig ist, auch haben sie mit dem vierten und letzten Teil der ‚Shrek‘ Reihe einen würdigen Abschluss für den grünen Oger geschaffen. Mit ‚Megamind‘ kommt der letzte DreamWorks Animationsfilm des Jahres 2010 in die Kinos. Regisseur Tom McGrath – der zuvor auch die Regie der beiden ‚Madagascar‘ Filme übernahm – orientiert sich hierbei allerdings stark an den kürzlich angelaufenen ‚Ich – einfach unverbesserlich‘.

Megamind ist der durchtriebenste und brillanteste, aber auch dümmste Schurke aller Zeiten. Sein Ziel ist es Metro City zu erobern, doch steht im dabei immer der gleiche Feind im Weg: Metroman, der perfekte Superheld, der unfehlbare Übermann und der Traum aller Schwiegermütter. Kurzum das Idol der Bewohner von Metro City. Als es Megamind plötzlich tatsächlich gelingt, Metroman zu besiegen, weicht seine Freude darüber schnell gähnender Langeweile. Jetzt sitzt er im Chefsessel von Metro City, hat aber keinen Widersacher mehr. Was ist schon ein Superbösewicht ohne Supergegner? Doch erneut hat Megamind eine seiner genialen Ideen. Er erschafft sich einen neuen Gegenspieler mit größeren Superkräften, als Metroman sie jemals hatte: Tighten. Die Sache hat nur einen Haken. Tighten steht in Sachen Superhelden-Dasein etwas auf dem Schlauch. Anstatt Everybody’s Darling zu sein, bringt er alles durcheinander und möchte Metro City zerstören. Für Megamind heißt es also jetzt im Namen von Metro City den Kampf gegen Tighten aufzunehmen.

Nach ‚Ich – einfach unverbesserlich‘ widmet man sich also erneut lieber einem Bösewicht als dem eigentlichen Helden. Nicht erst in ‚The Dark Knight‘ hat der Joker alias Heath Ledger dem Gutmenschen die Show gestohlen. Die Faszination der Zuschauer lag schon immer auf der dunklen Seite der Macht. Warum also nicht direkt mit dieser Seite beschäftigen und den strahlenden Helden abservieren und zu einer Nebenfigur verkommen lassen? Gar nicht so dumm, die Idee, aber selbst Megamind erkennt, dass es ganz ohne einen Helden auch nicht geht. Die Schurken sind nämlich wiederum nur so stark und interessant wie die Helden die sie fordern. Wo ein Batman aus dem Joker dessen fiesesten Spielchen hervorruft und Darth Vader sich als Vater von Luke Skywalker zu erkennen gibt, konzentriert man sich bei ‚Megamind‘ leider zu stark auf die Charakterisierung des titelgebenden Bösewichts, der von schwach gezeichneten Figuren nur so umgeben ist. Ansatzweise schafft man es die Dreiecksbeziehung zwischen Megamind, Metroman und Tighten – oft fälschlicherweise als Titan betitelt – aufzuzeigen und mit der Gestaltenwandler-Uhr von Megamind die Moral der Geschichte an mehreren Stellen zu unterstreichen.

Diese Moral wäre dann, dass man auch blauhäutige Superschurken die mit einem etwas zu groß geratenem Schädel durch die Welt spazieren nicht nach ihrem Äusseren bewerten sollte, denn genau wie der strahlende Superheld kann man sich in jedem Menschen oder Alien täuschen, wenn man sich nur auf das beschränkt was man zu sehen bekommt. Vielmehr möchte der Film vermitteln das es auf die Taten ankommt, die man verrichtet. Und dieses Handeln unterscheidet sich bei Megamind und Metroman kaum, wird nur auf anderen Ebenen inszeniert, so das sich erst am Ende die Puzzlestücke zusammenfügen und die beiden Widersacher gar nicht mehr so verschieden wirken. Natürlich ist das im gewissen Grade vorhersehbar und vor allem mit ‚Ich – einfach unverbesserlich‘ erst kürzlich praktiziert worden, aber welche Filme sind schon noch nicht mehr vorhersehbar für den geübten Kinogänger? Vielmehr geht es doch auch um die Taten des Regisseurs. Seine Aufgabe ist es diesen vorhersehbaren Weg möglichst unterhaltsam zu gestalten.

Das schafft man bei ‚Megamind‘ zumindest in der letzten Hälfte des Filmes. Am Anfang wirkt die Geschichte noch etwas zäh. Der Ursprung der Rivalität wird wenig mitreissend erzählt, mit einigen spröden Wortduellen bekämpfen sich Megamind und Metroman. Was hier als aufregender Alltag zweier Rivalen inszeniert wurde und später so sehnsüchtig vom Schurken vermisst wird, bietet dem Zuschauer derweil die langweiligsten Minuten des Filmes. Erst mit dem Umschwung kommt auch die Unterhaltungswende. Megamind muss sich einen neuen Helden erschaffen um wieder einen Sinn in seinem Leben zu sehen, er braucht wieder ein Yin zu seinem Yang. Mit den Superkräften von Metroman – aus seiner DNA entnommen – versucht er einen anderen herkömmlichen Menschen zu einem Ersatzsuperhelden zu machen, der jedoch seine neu gefundenen Talente viel lieber als neuer zerstörerischer Bösewicht auslebt. Dabei bleibt Megamind nicht die einzige Figur die hier einen Helden erschaffen will. Als Bösewicht scheitert er natürlich mit diesem Plan, denn Superschurken scheitern immer. Derweil ist es aber ein Held, der einen anderen Helden erschaffen kann. Zuviel soll natürlich nicht verraten werden, aber auch hier werden innerhalb der circa 96 Minuten Laufzeit die Paralellen zwischen Megamind und Metroman deutlich klar.

Aber auch wenn man in der zweiten Hälfte von ‚Megamind‘ gut unterhalten wird, werden ‚Ich – einfach unverbesserlich‘ Kinobesucher doch zu sehr an eben jenen Film erinnert. Zeitweise werden die gleichen Sequenzen verwendet um einen 3D Effekt zu erhaschen, selbst einen Minion hat Megamind, hier in Form eines Fischglas-Roboters, der an die Originalität und Witzigkeit der kleinen gelben Knuddelkartoffeln von Bösewicht Gru allerdings niemals heranreichen kann. Und natürlich steht auch hier am Ende ein geläuterter Hauptprotagonist im Bild, der sich maximal dadurch hervorhebt, dass er sich weitaus besser zu vermarkten weiß – von Lasershow bis Feuerwerk – als es bei Gru aus ‚Ich – einfach unverbesserlich‘ der Fall war.

‚Megamind‘ hat seine Momente. In aller erster Linie sind es die Szenen, in denen – für das Studio typisch – popkulturelle Anspielungen als Unterhaltungsmethode gewählt werden. Sei es Metroman als schmalzlockiger Superman Verschnitt oder Megamind selbst als Marlon Brando in der Rolle von Supermans Vater. DreamWorks versteht es mit solchen Anspielungen um sich zu werfen und sich damit die Gunst der Zuschauerschaft zu sichern. In diesem Fall greift man ganz oft tief in die Comic-Kiste um mit ‚Kick-Ass‘ oder ‚Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt‘ ebenfalls in der Welt der Geeks Fuß fassen zu können.

Denis Sasse

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