Miral

Am 18. November erscheint mit ‚Miral‘ ein Drama in den deutschen Kinos, dass auf dem gleichnamigen Roman von Rula Jebreal basiert. Auch wenn sie im echten Leben ihre Tochter Miral genannt hat, geht es in dem Buch um ihre eigenen Erlebnisse im Mittleren Osten zur Zeit der Intifada. Regisseur Julian Schnabel, der bereits mit ‚Schmetterling und Taucherglocke‘ sein Feingefühl für schwierige Themen bewiesen hat, machte aus der Vorlage eine 112 Minuten lange französisch, israelisch, italienisch, indische Koproduktion.

Ein Land. Drei Frauen. Ein gemeinsamer Traum. Um Miral (Freida Pinto) rankt sich die ungewöhnliche Geschichte zweier Generationen, die zusammen das Schicksal eines ganzen Volkes widerspiegeln. Neben Hind (Hiam Abbass), Nadia (Yasmine Al Masri) und Miral spielt das Land Palästina die Hauptrolle, wobei es nur um eine Botschaft geht. Endlich Frieden zu haben. Denn die junge Miral wächst als Schülerin des berühmten Dar-Al-Tifl-Instituts wohlbehütet und glücklich in Ostjerusalem auf. Ihre Lehrerin Hind legt, ebenso wie Mirals liebevoller Vater Jamal (Alexander Siddig), großen Wert auf eine gute Ausbildung für Mädchen und erzieht ihre palästinensischen Schützlinge zu Menschlichkeit und Gewaltfreiheit. Als Miral erwachsen wird und sich in den politischen Aktivisten Hani (Omar Metwally) verliebt, droht sie diese Ideale aus den Augen zu verlieren.

Ein Zitat im Film spricht von dem Namen einer der Hauptfiguren. Es heißt „Miral ist der Name einer roten Blume. Sie wächst am Straßenrand. Du hast sie wahrscheinlich schon tausendmal gesehen.“. Miral fällt nicht weiter auf, sie ist eine alltägliche Person, die aber inmitten schwerer Zeiten aufwächst, was sie erzählerisch zu einer interessanten Figur macht. Auch wenn der Titel des Filmes schlicht ‚Miral‘ heißt, so geht es doch auch um weitaus mehr als nur um dieses eine Mädchen und wie sie in den Auseinandersetzungen zwischen Palästina und Israel aufwächst. Es geht um Liebe, um Menschen, um Erziehung und um die Hoffnung. Es wird die Geschichte vier arabisch-israelischer Frauen erzählt.

Die wichtigste dieser Frauen ist dabei nicht Miral selbst, sondern eher Hind Husseini, die ihr Leben den Waisenkindern der Straßen von Jerusalem gewidmet hat. Sie erkennt, dass die Bildung die einzig friedliche Art und Weise ist, wie eine Gesellschaft sich selbst wieder aufbauen kann. Wenn sie den Unterschied zwischen Miral, die sie in ihrer Schule aufgenommen hat und den anderen Kindern in den Flüchtlingslagern hervorhebt und ihr klar macht das nur die schulische Bildung sie vor den Lagern bewahrt, wird einem schmerzlich bewusst welche Ausmaße ein solcher Krieg mit sich bringt. Militär ist in ‚Miral‘ keine Lösung, führt nur zu Verlusten auf beiden Seiten. Mit der Figur der Hind Husseini preist der Film die Bildung.

Anfangs lernt der Zuschauer in kleinen Episoden Mirals Mutter und die spätere Schulleiterin Hind kennen, bevor die Handlung sich zu Miral bewegt, einem Mädchen das von den zuvor gezeigten Frauen geprägt wurde und immer noch wird. In einer zerrütteten Welt versucht Miral zu überleben, den Sinn zu finden und sich für einen richtigen Weg zu entscheiden. Dabei spannt der Film mit seinen ineinander verwobenen Erzählsträngen einen Bogen von der Gründung des Staates Israel, über die erste Intifada bis hin zum Friedensabkommen von Oslo.

Miral, die eigentliche Hauptprotagonistin des Filmes, die 1978 als siebenjähriges Mädchen in Hinds Waisenhaus aufgenommen wird, wird von der indischen Schauspielerin Freida Pinto (‚Slumdog Millionaire‘) facettenreich dargestellt. Mal verliebt, mal rührend traurig, mal zornig verbittert fügt sich Pinto in ihre Rolle hervorragend ein und präsentiert sich überraschend vielschichtig in ihrem dritten Spielfilm.

‚Miral‘ ist eine gut erzählte Aufarbeitung der Geschehnisse im Israel-Palästina Konflikt. An keiner Stelle wirkt der Film anstrengend dokumentarisch, vielmehr überzeugt er durch seine Tiefe. Er bietet einen Blickwinkel auf die verschiedensten Standpunkte, wird vor allem durch das Schauspiel von Freida Pinto sehenswert. Regisseur Julian Schnabel ist es hier gelungen, seinen Film zu erzählen ohne dabei in unnötige Unterhaltungseskapaden abzudriften. Der erzählerische Spannungsbogen ist nicht zu leugnen, auch einige Abweichungen wurden für das Drehbuch in Kauf genommen, dennoch liefert er nach Filmen wie ‚Basquiat‘ und ‚Schmetterling und Taucherglocke‘ erneut ein starkes Werk in seiner noch jungen Filmkarriere ab.

Denis Sasse

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1 Kommentar

  1. […] Ob sich der Regisseur auch mit ‘Miral’ behaupten kann, dass erfahrt ihr ab sofort in der Filmkritik hier auf filmtogo. […]


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