‚Moon‘

Der Musiker David Bowie hat das ein oder andere Mal als Schauspieler einen Ausflug in die Filmwelt gewagt. Seine bekanntesten Rollen dürften die des Jareth in dem 1986er Film ‚Die Reise ins Labyrinth‘ sowie als Tesla in ‚The Prestige‘ gewesen sein. Sein Sohn Duncan Jones realisierte jetzt mit ‚Moon‘ seinen ersten Spielfilm und kündigte mit ‚Mute‘ auch bereits ein Prequel an. Aber erst einmal schickt er Sam Rockwell – und eigentlich auch wirklich nur Sam Rockwell – in ein Science-Fiction Leinwandabenteuer, dass er selbst speziell für diesen geschrieben hat.

Sam Rockwell ist Sam Bell, ein Astronaut der kurz vor dem Ende seines Dreijährigen Vertrages mit der Lunar Gesellschaft steht. Er ist auf dem Mond ‚Selene‘, wo er allein als Mechaniker den Abbau von Helium-3 überwacht. Dieses kostbare Gas könnte der Energiekrise auf der Erde ein Ende bereiten. Die Einsamkeit hat ihm Zeit gegeben, sich Gedanken über die Fehler seiner Vergangenheit zu machen. Seinen Job führt er nur noch mechanisch aus und verbringt die meiste Zeit mit den Gedanken an die bevorstehende Rückkehr zur Erde, seiner Frau und ihrer gemeinsamen Tochter. Aber zwei Wochen vor seiner Abreise beginnt Sam seltsame Dinge zu sehen und zu hören. Nachdem eine Routinekontrolle katastrophal schief geht, entdeckt er, dass Lunar ganz eigene Vorstellungen von seinem Verbleib hat.

Ein kleines Introvideo erklärt den Zuschauern was es mit dem Energievorkommen des Mondes auf sich hat, danach begibt sich der Film direkt zu seiner Hauptfigur Sam Bell und wird ihn in den folgenden 97 Minuten auch nicht mehr aus den Augen verlieren. Zu Beginn noch ein verzottelter Mann, lange Haare und Bart, führt dieser Selbstgespräche und hat den Pflanzen und Computern auf der Station Namen gegeben um sich mit diesen zu unterhalten. Mit Ausnahme des Roboters Gerty, der im Original von Kevin Spacey gesprochen wird, sind die Utensilien natürlich wenig begabte Gesprächspartner. Die Stimmung ist monoton, es herrscht Langeweile und auch wenn Sam zu Chesney Hawkes‘ „I Am The One And Only“ aufwacht und dies zu einem Schmunzeln anregt, unterstreicht Sam Rockwell diese Atmosphäre mit der Darstellung von routinierter Verzweiflung. Die vom ihm gelebte Routine ist mit solch langsamen und ruhigen Bildern eingefangen, dass man mit Sam Bell mitleiden muss.

Gebrochen wird diese Stimmung durch das Auftauchen von Wahnvorstellungen. Erst sieht Sam eine Frau auf einem Sessel sitzen, dann Aufzeichnungen von sich selbst auf den Überwachungsmonitoren. Die leere, weiße und dadurch steril wirkende Raumstation entwickelt sich zu einer Kammer in der Sam Bell seiner eigenen Psyche ausgesetzt wird. Sam Rockwells Darstellung wiederum beginnt hier zu einem Kammerspiel zu werden, bei dem durch das Zusammenhanglose Auftreten von immer wieder mysteriösen Ereignissen die Spannung, trotz anhaltender Monotonie, aufrechterhalten wird.

Auch wenn Sam Rockwell den Film allein trägt und hierzu auch unumstritten im Stande ist, wird er von Gerty, dem Hauptcomputer der Anlage unterstützt. Mit monotoner Roboterstimme, die sich in die Gesamtatmosphäre einfindet, bekommt dieser durch eine ‚Smiley-Anzeige‘ eine visuelle Ausdrucksmöglichkeit. Die wiederum kann aber auch jederzeit hinterfragt werden, weiß man doch nicht wie Gerty wirklich ‚denkt‘ und ob er nicht Sam als auch die Zuschauer täuschen möchte. Das Misstrauen das man hier der künstlichen Intelligenz entgegenbringt, trägt noch mehr zu dem ‚Allein‘-Gefühl bei das den Hauptprotagonisten umgibt.

‚Moon‘ ist ein minimalistischer Science-Fiction Film, mit Ruhe entwickelt sich die Geschichte um Sam Bell ohne auf Alienangriffe, mutierte Wesen oder Space Opera zurückgreifen zu müssen. Ohne die inzwischen typischen Elemente des Science-Fiction Films besinnt sich das Werk von Duncan Jones zurück auf die alten Werte des Genres.

Denis Sasse

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1 Kommentar

  1. ich mag gerty ! hab den im original gesehen und kevin spacey war echt toll… obwohl er wahrscheinlich nicht viel machen musste, ausser valium zu schlucken und ein bisschen zu lesen…


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