Paper Heart

Mit ‚Paper Heart‘ kam im vergangenen Jahr ein kleiner hübscher Film heraus, der es leider bisher hauptsächlich nur auf Film Festivals geschafft hat Lorbeeren zu ernten. In den USA lief er im Rahmen des Sundance Film Festivals und wurde außerdem auf dem Seattle International Film Festival, auf dem Sacramento Film and Music Festival oder auch auf dem kanadischen Montréal Just for Laughs Festival gezeigt. Einen Kinostart hat er in den USA am 7.August des letzten Jahres bekommen, wurde dort aber nur in einigen wenigen ausgewählten Kinos gezeigt. Irgendwie scheint der Film unterzugehen und das hat er nicht verdient. Der Regisseur des Filmes heißt Nicholas Jasenovec und hat vorher nur den 2004er Film ‚Sounds Good to Me: Remastering the Sting‘ inszeniert, ein Kurzfilm den er gemeinsam mit dem US Comedian und ‚Saturday Night Live‘ Mitglied Bill Hader verwirklichte. Das Drehbuch zu ‚Paper Heart‘ schrieb Jasenovec gemeinsam mit seiner Hauptdarstellerin Charlyne Yi.

Der Film ist als eine Art Dokumentation aufgebaut und folgt Charlyne, die sich selbst spielt, bei einer Reise um die Welt um herauszufinden was das Wort ‚Liebe‘ eigentlich wirklich bedeutet. Sie hat nämlich das Gefühl die Liebe nur aus Märchen zu kennen und kann sich nicht vorstellen selbst einmal ein solches Gefühl zu erleben. Neben Charlyn treten noch eine Reihe von anderen bekannten Gesichtern auf, die ebenfalls alle keinen Charakter verkörpern, sondern zumindest in diesem Dokumentationsstil sich selbst darstellen: Als Hauptnebencharakter ist dabei Michael Cera aus ‚Juno‘ zu nennen, dem man allerdings einmal mehr ansieht, dass er eigentlich in jedem Film nur sich selbst spielt, unterscheidet sich seine Rolle hier in ‚Paper Heart‘ doch auch nicht von anderen seiner bisherigen Rollen. Außerdem wären dann noch Seth Rogen (‚Zack & Miri Make A Porno‘), Demetri Martin (‚Taking Woodstock‘) und Martin Starr (‚Superbad‘) zu nennen, die alle in kleinen Nebenrollen in Erscheinung treten. Dabei ist es aber auf jeden Fall Charlyne Li die durch ihre Darstellung ihrer selbst den Film trägt. Der Zuschauer geht mit ihr ‚On The Road‘ und lernt die verschiedensten Leute kennen – die wissenschaftliche Erklärung für die Liebe kommt von einem Naturwissenschaftsprofessor, die kitschige Liebe definiert ein Elvis Presley Imitator in Las Vegas und in Oklahoma lernt sie Liebe a la Bierkneipe kennen. Verstrickt in diese Reise ist ihre eigene Erfahrung in Sachen Romanze, wenn sie sich auf einer Party in Michael Cera verguckt und diesen im Verlauf des Filmes immer wieder begegnet.

Die Momente mit Cera sind die Momente, in denen dem Zuschauer immer wieder bewusst gemacht wird, dass hier im Dokustil erzählt wird. Die Kamera lässt Charlyne und Michael nicht allein und somit ist auch immer der Kameramann anwesend, der den Beiden irgendwann zur Last fällt, wenn es darum geht sich zum ersten Mal zu küssen oder in welcher Form auch immer über private oder intime Dinge zu sprechen. Nie bekommen sie die Chance wirklich allein zu sein. Wenn z.B. in einem romantischen Moment, kurz vor dem ersten Kuss, ein Crewmitglied in die Szene ruft, dass man sich doch jetzt endlich küssen und nicht so lange herumzögern soll, geht jegliche Magie der Situation sofort verloren.

Natürlich stellt Charlyn diese Situationen ganz schnell in Frage, aber die Filmcrew hat vorher klare Anweisungen bekommen, wonach alles was Charlyn widerfährt gefilmt werden soll, komme was wolle. Auch wenn sie also später gegen sich selbst argumentiert, bleiben In-Film Regisseur, Kameramann und die gesamte Filmcrew der vorherigen Abmachung mit ihrer Hauptdarstellerin und Auftraggeberin treu. Dabei macht sie als Hauptprotagonistin eine eher traurige Entwicklung durch. Sehen wir am Anfang noch eine lebensfrohe, lustige Charlyn, die smart und liebenswert auf die Suche nach der Definition von Liebe geht, entwickelt sie sich immer mehr zu einer traurigen, zurückgezogenen Person, die fest davon ausgeht niemals selbst Liebe empfinden zu können.

Mit ‚Paper Heart‘ hat Charlyn Yi ein Projekt verwirklicht, dem man Anerkennung zollen muss. Sei es das die Geschichte aus ihrer Feder stammt, sie überzeugend die Hauptrolle übernimmt oder die Pappfiguren für die kleinen Zwischensequenzen, die ebenfalls mit an den Geschichten der jeweiligen Befragten zum Thema Liebe erzählen, selbst erstellt hat – mit diesem Film ist ihr fernab von bisherigen Rollen in ‚Semi-Pro‘ oder dem demnächst startenden ‚Verrückt nach Steve‘ eine Leistung gelungen, an die sie wahrscheinlich so schnell nicht wird wieder anknüpfen können. Trotzdem: Mehr davon!

Denis Sasse

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