Percy Jackson – Diebe im Olymp

Fangen wir mal ganz von vorne an: „Percy Jackson & The Olympians“ ist eine US amerikanische Romanserie vom Autor Rick Riordan, der damit versucht hat ebenfalls im Abenteuer/Fantasy Genre Fuß zu fassen. Die Reihe umfasst fünf Bücher und legen ihren Fokus natürlich auf ihren Hauptcharakter, lassen die moderne Welt aus der dieser kommt aber immer wieder mit der griechischen Mythologie verschmelzen. So befindet sich der Eingang zum Olymp, dem Sitz der griechischen Götter, z.B. auf dem Dach des Empire State Buildings inmitten von New York City. Percy Jackson entdeckt dabei im ersten Band der Reihe, dass er der Sohn des Gott des Meeres und der Erdbeben – Poseidon – ist. Natürlich sind es nicht nur die Götter die auf einmal im Leben von Percy Jackson auftauchen, sondern auch andere Figuren aus der Mythologie Griechenlands – Monster wie der Minotaurus und die Medusa, Zyklopen oder die Titanen.

Nun hat sich Regisseur Chris Columbus an den Stoff gewagt, der auf dem ersten Teil dieser fünfbändigen Reihe basiert. An dieser Stelle sollte man bereits einwerfen, dass Columbus auch mit den ersten beiden Teilen der „Harry Potter“ Kinoserie beauftragt und ab dem dritten Teil nicht zu unrecht durch Männer wie Alfonso Cuarón („Paris, Je t’aime“), Mike Newell („Mona Lisas Lächeln“) und seit dem fünften Teil David Yates ersetzt wurde. Auch mit seiner Komödie „Ich liebe dich, Beth Cooper“ blieb Columbus eher erfolglos an den Kinokassen – weltweit! Dafür hat man versucht mit bekannten Größen aus der Filmwelt Hollywood die Zuschauermassen ins Kino zu locken: Pierce Brosnan, Sean Bean, Catherine Keener, Uma Thurman, Steve Coogan und Rosario Dawson stehen dabei dem relativ unbekannten Hauptdarsteller-Dreigestirn Logan Lerman („Gamer“), Brandon T. Jackson („Tropic Thunder“) und Alexandra Daddario („Die Noobs“) hilfreich zur Seite.

In dieser ersten Verfilmung lernt Percy Jackson von seiner Herkunft und wird sofort mit einer Anschuldigung aus dem Reich der Götter konfrontiert. Der Herrscherblitz des Zeus wurde gestohlen und Percy – Sohn des Poseidon – wird beschuldigt diesen gestohlen zu haben. Zeus verlangt das Percy den Blitz zurückbringt oder es gibt Krieg zwischen den Göttern. Auf einmal ist jeder hinter dem Halbgott Percy her, denn der Herrscherblitz ist ein Utensil das auch von Hades, der Medusa und anderen Monstrositäten aus dem mythologischen Universum Griechenlands in ihren Besitz gebracht werden will. Gemeinsam mit seinen neu gefundenen Freunden Grover – einem Satyr, halb Mensch, halb Ziege – und Annabeth, eine Tochter der Athene, Göttin der Weisheit und der Kampfkunst. Für die drei beginnt eine Reise in die Gefilde der Medusa, einer Menschenversteinernden Schlangenfrau, in das Pantheon in Nashville, wo die siebenköpfige Hydra auf die Helden wartet und nach Las Vegas in ein Casino das eine riesige Venusfalle zu sein scheint. Zuletzt steigen sie sogar in den Hades hinab um Hades höchstpersönlich zu konfrontieren. Aber bei all ihren Abenteuern finden sie nicht heraus wer den Herrscherblitz wirklich gestohlen hat, bis sich der Drahtzieher der Verschwörung zu erkennen gibt.

Chris Columbus scheitert einmal mehr an der Verfilmung einer Romanvorlage. Zu schnell hetzt der Regisseur von Szene zu Szene, gibt den Charakeren weder eine Chance sich zu entwickeln, noch den Zuschauern die Möglichkeit irgendeine Art von Empfindungen für eine der Figuren zu entwickeln. Es kommt eine „Ist mir egal“-Stimmung auf während Columbus versucht möglichst viele der griechischen Mythen in eine Szene zu stopfen, sie kurz abzuhandeln und zur nächsten zu springen. Ein weiterer Minuspunkt ist die schlichte Erzählweise. Die drei Freunde müssen drei Perlen suchen um in den Hades hinabzusteigen. Bereits sehr früh in der Geschichte zeichnet sich also ab, in welcher Form der Film ablaufen wird und genau diesen Erwartungen wird „Percy Jackson“ dann auch gerecht. Ohne Überraschungen bekommt man genau das zu sehen, was man ab einem gewissen Moment von dem Film auch erwartet. Es ist eben ein kleine Schnitzeljagd die hier inszeniert wurde, gespickt mit einigen Ungereimtheiten, wie z.B. ein Halbgott-Camp, in dem den Kindern der Götter die Kampfeskunst beigebracht werden soll. Für einen Krieg? Als Freizeitgestaltung? Sollten sie nicht lieber lernen mit ihren individuellen Kräften umzugehen anstatt alle mit Schwert und Schild gegeneinander Krieg zu spielen? Warum wird überhaupt Percy Jackson des Diebstahls beschuldigt? Die drei Helden jagen drei Perlen hinterher um mit diesen aus der Unterwelt wieder frei zu kommen, wo sie hin wollen um eine vierte Person zu retten? Mathematik würde ihnen bereits hier im Vorfeld weiterhelfen und aufzeigen das eine Person zurückbleiben muss. Rätsel die nicht aufgelöst werden – und das waren nur einige Beispiele.

Ein weitere Problempunkt dürfte die unfreiwillige Komik sein, die der Film an den Tag legt. Sei es ein Pierce Brosnan, der zuerst als im Rollstuhl sitzender Lehrer in Erscheinung tritt, sich dann aber in einen Zentaur wandelt, ein Wesen mit menschlichen Oberkörper, unten herum aber ein Pferd. Nett anzuschauen, noch netter zu belächeln. Auch der Fakt das der Herrscherblitz die gestohlene Potenz des Zeus darstellen könnte, dessen Rückgabe durch eine Ejakulation im großen Stil dargestellt wird, wobei das Empire State Building hier als überdimensionales männliches Glied des Obergottes herhalten darf. Auch das anfängliche Einblenden der Blicke die Percy und Annabeth austauschen zeigt schon vor Beginn des eigentlichen Abenteuers mit mehreren Holzhammern und Zaunpfählen zugleich, dass sich hier mehr als nur eine Freundschaft entwickeln soll. Ob dies kameratechnisch gut dargestellt wurde oder ob die Bilder einfach nur plump und fehl am Platz wirken, darüber lässt sich nicht einmal sonderlich streiten.

Sucht man den Vergleich zwischen „Harry Potter“ und „Percy Jackson“ fällt natürlich in erster Linie die Dreierkonstellation der Hauptdarsteller auf. Dabei kann man bei den männlichen Darstellern nicht unbedingt meckern. Aber stellt man „Hermine Granger“ Emma Watson und „Annabeth Chase“ Alexandra Daddario nebeneinander, muss man Frau Watson doch bereits im ersten Teil der „Harry Potter“ Verfilmungen mehr Talent als ihrem „Percy Jackson“ Äquivalent zusprechen. Derweil wirkt Hauptdarsteller Logan Lerman wie eine günstigere Version von Zac Efron, tut es ihm sogar gleich und küsst hier nicht die angebetete Frau – oder Mädchen. In den Büchern wird der ersehnte Kuss bis zum vierten Teil hinausgezögert. Man darf gespannt sein ob die Filmindustrie hierfür mutig genug ist, denn bei der Qualität des Filmes bleibt es abzuwarten ob die „Percy Jackson“ Serie auf der Leinwand bis zum vierten Teil überleben wird. Aber da gibt es auch die Kehrseite der Medaille, die gute Seite, im Film die böse Seite. Verwirrt? Die eigentlichen Schurken, nämlich der Herr der Unterwelt Hades – dargestellt von Steve Coogan – und seine Geliebte Persephone (Rosario Dawson) bilden ein unterhaltsames Team und ihre Episode, in der Percy Jackson seine Mutter aus der Unterwelt retten will, ist ein kleines Blitzlicht am Götterhimmel, der uns mit dem Gesamtprodukt „Percy Jackson“ zu quälen versucht.

Wer sich „Percy Jackson – Diebe im Olymp“ unbedingt antun möchte, sollte sich aber dann doch von der Buchvorlage entfernen, hat dies doch auch Chris Columbus teilweise getan und ein wenig an der Handlung herumgedreht um sie für sich zurechtzulegen. Auch einige Charaktere blieben dabei auf der Strecke. Außerdem ist eine gewisse Vorkenntnis der griechischen Mythologie vom Vorteil, da hier nicht weiter auf die Mythen eingegangen wird, sie werden nicht erklärt sondern einfach rausgefeuert. Man darf also gespannt sein ob es auch der zweite Teil in die Kinos schafft. Dann würde es sicherlich schon bald heißen: „Percy Jackson – Im Bann des Zyklopen“.

Denis Sasse
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