Piranha (2010)

Mit ‚Der weiße Hai‘ lieferte Steven Spielberg Mitte der 70er Jahre einen Meilenstein im Tierhorror-Genre. Drei Jahre nach dessen Veröffentlichung machten sich Joe Dantes kleine Piranhas daran, den Menschen einen blutigen Aufenthalt im Wasser zu bescheren. Der Regisseur der später mit ‚Gremlins‘ ein etwas humorvollere Herangehensweise an seine Filme bekam, zollte seinem großen Vorgänger Respekt in einer Anfangsszene, in der eine Jugendliche an einem Spielautomaten ‚Jaws‘ spielt. Der Regisseur der Neuauflage von ‚Piranha‘, Alexandre Aja, hat sich ‚Der weiße Hai‘ Darsteller Richard Dreyfuss gesichert um diesen, ähnlich wie 35 Jahre zuvor, in einem kleinen Boot auf dem Wasser treiben zu lassen.

Aber das ist nur die Ruhe vor dem Sturm. Wenn der Frühling erwacht, flippen die amerikanischen Studenten aus. Es ist Spring Break, die ultimative Party-Zeit. Am sonst eher verschlafenen Lake Victoria drängen sich tausende Feierwütige zum Tanzen, Trinken und Schwimmen. Nicht ahnend, dass ein Erdbeben unter Wasser preisgegeben hat, was zwei Millionen Jahre im Verborgenen blieb. Schwärme von prähistorischen Piranhas, die ihre Beute in Sekundenschnelle mit rasierklingenscharfen Zähnen zerfleischen.

Im Direktvergleich von Original und Remake schneidet der Film des Franzosen Aja weitaus unterhaltsamer, nicht aber tiefgründiger ab. Joe Dantes Original ‚Piranha‘ tiefgründig? Immerhin ist es in der 78er Version das Militär das die Fischer als natürliche Waffe für den Vietnamkrieg gezüchtet hat. Kritik am Krieg, Kritik an der Herangehensweise des US Militärs. In Alexandre Ajas Neuverfilmung kann man allerhöchstens die Partykultur der amerikanischen Teenager – natürlich übertragbar auf jedes Land der Welt – in der Kritik sehen, wird hier doch zügellos, ohne Bedenken gefeiert. Die grundsätzliche Message des Filmes fällt also recht stumpf aus. ‚Don’t drink and drive‘.

Ob der Regisseur aber wirklich eine solche Moralpredigt bei der Inszenierung im Hinterkopf hatte, möchte man doch eher bezweifeln. Vielmehr hat Aja einem ganzen Genre seinen Respekt gezollt. ‚Piranha‘ funktioniert genau auf der Ebene, auf der er auch funktionieren soll. Manchmal etwas zu viel nackte Haut, schafft er es doch unterhaltsam seine prähistorischen Piranhas, oder vielmehr ihre blutigen Angriffe, in den Mittelpunkt zu stellen. Dabei lässt Kameramann John R. Leonetti den See zur Bedrohung werden. Immer wenn einer der Darsteller auch nur den kleinen Finger ins Wasser hält, wechselt die Musik ins Dramatische, die Spannung steigt, der Zuschauer darf die nächste Attacke eines Piranhas erwarten.

Erzählt Joe Dantes ‚Piranha‘ noch eine langatmig wirkende Geschichte rund um die Herkunft der gezüchteten Fische, wird das Erscheinen bei Alexandre Aja in den ersten fünf Minuten abgehandelt. Danach springt sein Film dorthin, wo Joe Dante seinen Showdown inszeniert hat. Die Studentenparty steht klar im Fokus des Geschehens. Widmet Joe Dante der Feier wenige Minuten am Ende seines Filmes, zieht sich das Betrinken, Koksen und möglichst körperbetonte Tanzen bei Aja durch die gesamten 88 Minuten. Manchmal beginnt man hier eher mit den Piranhas zu sympathisieren als mit den stumpfen Partyvolk.

Neben gelungenen schauspielerischen Leistungen von Richard Dreyfuss, der seine ‚Der weiße Hai‘ Rolle als Matt wieder aufnimmt – damals als Matt Hooper unterwegs, wird er in ‚Piranha‘ als Matt Boyd geführt – oder einem sichtlich gealterten ‚Doc Brown‘ Christopher Lloyd bis hin zu Ving Rhames, der sich in bester Splatterfilm Tradition mit einem Bootsmotor gegen die Fische zur Wehr setzt und Eli Roth, der als Initiator eines Wet T-Shirt Contests zu sehen ist, hat sich Aja keinen Gefallen mit der Verpflichtung von Jerry O’Connell gemacht. Versuchen die anderen Darsteller ihrer Rolle in diesem bereits überspitzen Umfeld einen Sinn zu geben, lässt dieser sich einmal mehr auf sein Unvermögen eine gute Leistung abzuliefern reduzieren. Als notgeiler Pornofilmregisseur ist er der größte Nervfaktor des Filmes. Auch hier läuft der Zuschauer wahrscheinlich wieder konform mit der Meinung der kleinen Fischlein, die ihm seine gerechte Strafe bescheren. Derweil darf man hoffen das die beiden Hauptdarsteller Steven R. McQueen, Enkel von Schauspiellegende Steve McQueen, und ‚Gossip Girl‘ Darstellerin Jessica Szohr weiterhin auf der Leinwand zu sehen sind. Szohr empfiehlt sich weitaus mehr als Frau die ihr Schauspiel gekonnt einsetzt als ‚Gossip Girl‘ Kollegin Blake Lively (‚The Town‘).

Mit ‚Piranha‘ ist Alexandre Aja eine unterhaltsame Ergänzung zum Genre der Tierhorrorfilme gelungen. Es ist keine direkte Neuverfilmung, vielmehr ein Aufgreifen der Idee die Joe Dante 1978 verfolgte. Der 2010er Film ist schnell, blutig und oft übertrieben freizügig. Wenig Horror und Handlung, viel Gore und nacktes Fleisch. Diese Erwartung kann der Film erfüllen ohne dabei zu enttäuschen.

Denis Sasse

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