Planet 51

Fernab von Firmen die inzwischen Animationsfilme am laufenden Band auf die große Leinwand schicken, gibt es ab und an auch kleinere, eher unbekannte Produktionsstätten, die versuchen in der Landschaft der animierten Unterhaltungsbranche Fuß zu fassen. Zwei dieser Firmen sind die Ilion Animation Studios in Madrid und HandMade Films, eine britische Produktions- und Distributionsfirma. Während die Ilion Studios mit dem Animationsfilm „Planet 51“ ihr Debut hinlegen, dürften HandMade Films zumindest durch ihre Filme „Monty Pythons: Das Leben des Brian“ (1979) und „Time Bandits“ (1981) bekannt sein. Und was bieten uns zwei solcher Firmen? Bekommen wir mit den Grünlingen aus „Planet 51“ den nächsten Shrek serviert? Reicht die Handlung an die originell witzigen Geschichten der Pixar Filme heran? Oder schafft man es vielleicht sogar an den märchenhaften Stil von Disney zu kratzen?

Viele dieser Fragen lassen sich mit „Nein“ beantworten, was nicht automatisch ausschließen soll, dass „Planet 51“ ein durchaus interessanter und lustiger, vor allem unterhaltsamer Animationsspaß für Zwischendurch ist – eine willkommene Abwechslung zu dem uns bekannten. Und ebenso wie die Message des Films „Zeig Mut und hab keine Angst vor dem Unbekannten, es muss nicht immer Böse sein“, sollte auch der Zuschauer Mut haben und sich den Film anschauen.

Lem ist ein ganz normaler Teenager – zumindest auf seinem Planeten, der den USA der 50er Jahre ähnlt. Sein bester Kumpel Skiff arbeitet in einem Comicladen, seine Angebetete Neera will von ihm erobert werden und er selbst arbeitet im örtlichen Observatorium und wird für seine guten Leistungen mit einer Beförderung belohnt. Aber sein Leben ändert sich als im Nachbarsgarten der Astronaut Chuck Baker landet und den Planeten mit der amerikanischen Flagge „erobern“ will. Baker staunt nicht schlecht als ihm auffällt, das der Planet gar nicht so unbewohnt ist wie er gedacht hatte. Unter den Einheimischen bricht das Chaos aus. Immerhin steht hier für fast alle fest: Der Außerirdische will aus ihnen Zombies machen und ihre Gehirne fressen. Dabei will Chuck doch nur mit seinem Raumschiff zurück zur Erde. Aber da macht ihm der widerwärtige General Grawl einen Strich durch die Rechnung. Er will die „Alien“-Invasion vom Planeten Erde verhindern und die Bewohner von Planet 51 in Sicherheit wiegen. Er konfisziert das Raumschiff, lässt es auf eine geheime Station bringen und macht jagt auf den Astronauten, der Hilfe von Lem und seinen Freunden bekommt.

Eine Umgebung die auf den ersten Blick an „Zurück in die Zukunft 2“ erinnert, kleine Hunde die aussehen wie „Aliens“ und ein Hauptcharakter dessen Name an den Science Fiction Autor Stanislaw Lem erinnert. Das sind nur einige Bausteine deren sich „Planet 51“ bedient um hier ein nettes SciFi Ambiente zu erschaffen. Aber es macht Spaß diese ganzen kleinen Anspielungen zu entdecken. Verpackt in eine Story die uns natürlich aufzeigen möchte, dass man keine Angst vor dem Unbekannten haben soll, man soll mutig sein, aufgeschlossen etc. ist es doch weitaus interessanter sich einfach zurückzulehnen und nach popkulturellen Anspielungen zu suchen, von denen der Film einige versteckt hat.

Um zurückzukommen auf die anfänglich gestellten Fragen: Der nächste „Shrek“? Kommt ganz darauf an welcher „Shrek“-Teil hier als Maßstab gelten soll. Der erste Teil der „Shrek“ Serie wird sicher als so etwas wie ein „Animationskultfilm“ gehandelt, aber „Planet 51“ kann die Folgeteiler locker hinter sich lassen. Der Vergleich mit einem Disney oder Pixar Film wiederum sollte nicht gemacht werden, legt Disney doch viel mehr Wert auf eine kindgerechte Erzählweise – und so mancher Scherz in „Planet 51“ wird sicher Fragezeichen über Kindsköpfen hervorrufen – und Pixar – von denen „Planet 51“ einen kleinen, Wall-E ähnlichen Roboter „geklaut“ hat – ist erzähltechnisch einfach weitaus origineller. Denn letztendlich ist „Planet 51“ eine Geschichte über ein Alien – diesmal eben ein Mensch auf einem fremden Planeten – das versucht zurück nach Hause zu kommen. Und wer spontan an E.T. denkt, auch hierfür hat der Film eine entsprechende Szene in Anlehnung an den Film aus den 80er Jahren.

Ein Makel den es eigentlich immer nur in der deutschen Fassung zu erwähnen gilt: Die Voice-Actors sind im US Original bekannte Hollywoodgesichter, von denen der deutsche Kinogänger nichts abbekommt. Von Dwayne Johnson, Jessica Biel und Justin Long bis hin zu Gary Oldman, Seann William Scott und John Cleese hat man sich hier ein überraschend gutes Ensemble sichern können um die Sprechrollen des Filmes aufleben zu lassen. Aber letztendlich ist „Planet 51“ eigentlich ja auch ein Film für Kinder und die kümmern sich wahrscheinlich überhaupt nicht um die Stimmen hinter den kleinen animierten Helden auf der Leinwand.

Ein letzter Punkt der erwähnt werden muss: Die Musik. Natürlich hat man sich bei einem Setting in den 50er Jahren auch eben musikalisch genau hier bedient. Man bekommt Perlen wie Sophie Greens „Lollipop“ direkt zum Einstieg zu hören, aber auch Künstler wie Tom Cawte And The Electric Hearts, Peter Gosling, David Bowie oder Keith Murrell sind mit von der Partie.

„Planet 51“ ist die erste Regiearbeit von Jorge Blanco und er hat es direkt geschafft sich einen Platz in dem großen Wald an Animationsfilmen zu sichern. Ein außerirdischer Spaß, der wirklich nur sehr wenige überflüssige Momente hat. Ganz im Gegenteil: Die 50er Jahre Kulisse, die passende Musik dazu und die – zwar stereotypischen, aber liebenswerten – Charaktere machen den Film zu guter Unterhaltung. Alles in allem lohnt es sich für „Planet 51“ mal wieder das Kino seines Vertrauens aufzusuchen.

Denis Sasse

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