Ponyo – Das große Abenteuer am Meer

Viele Male schon konnte Hayao Miyazaki die Filmwelt mit seinen Geschichten verzaubern. Mit ‚Nausicaä aus dem Tal der Winde‘ schaffte er einen ersten kommerziellen Erfolg, der ihm die Gründung des inzwischen in der ganzen Welt etablierten Studio Ghibli ermöglichte. Es folgte eine Reihe von Zeichentrickfilmen die sich hinter keiner Produktion aus den Vereinigten Staaten verstecken mussten. Sei es ‚Das wandelnde Schloß‘, ‚Prinzessin Mononoke‘ oder der oscarprämierte ‚Chihiros Reise ins Zauberland‘, Miyazaki wusste mit seinen liebevoll Gestalteten Filmen bisher immer wieder zu überzeugen. Mit ‚Ponyo‘ schickt er einmal mehr ein kleines Kind auf ein faszinierendes Abenteuer, bei dem die Zuschauer in eine zauberhafte Welt entführt werden, die nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene ein Filmspaß werden dürfte.

Diesmal hat sich Miyazaki einer Meerjungfrauenähnlichen Geschichte angenommen. Der kleine Sosuke findet eine gestrandete Meerjungfrau/Goldfisch – wer weiß das schon so genau bei dem fantasievollen Aussehen der von Miyazaki erschaffenen Figuren?. Er nennt sie Ponyo und schon bald verlieben sich die Zwei ineinander. Aber Ponyos Vater Fujimoto holt seine Tochter zurück in’s Meer und verbietet ihr in die Welt der Menschen zurückzukehren. Aber von der Liebe getrieben stiehlt Ponyo die Magie ihres Vaters, verwandelt sich damit in ein Menschenmädchen und kehrt zu Sosuke zurück. Doch durch den Einsatz dieser Magie gerät die Welt aus den Fugen, immer mehr Katastrophen geschehen und ein fürchterlicher Sturm droht alles zu zerstören.

Auch wenn man sich eingestehen muss, dass Hayao Miyazaki nicht mehr ganz so ‚durchgedreht‘ zu inszenieren scheint wie noch vor einigen Jahren, bekommt man hier doch wieder ein kunterbuntes Allerlei von Fantasiewesen zu sehen. Im Falle von ‚Ponyo‘ heißt das, dass der Film zwar immer noch sehr fantasievoll gestaltet ist, aber in früheren Filmen sind weitaus merkwürdigere Dinge geschehen als hier. Keine riesige Katzen die als Busse verwendet werden, diesmal enführt uns Miyazaki anfangs in eine liebevoll gezeichnete Unterwasserwelt, in der diesmal nur am Rande auf die immer wieder auftauchende Thematik ‚Mensch und Natur‘ eingegangen wird. Er kritisiert nicht direkt den Umgang des Menschen mit seiner Umgebung, dennoch bekommen wir stellenweise die Verschmutzung der Meere zu Gesicht und dürfen uns vor Augen halten, dass diese Umweltsünde wie auch im wahren Leben keiner direkten Erwähnung mehr bedarf. Sie ist da, sie wird wahrgenommen aber niemand mag etwas an ihr ändern. Fernab von den ‚verschmutzten Szenen‘ bekommen wir von Miyazaki ein gewohnt schönes, handgezeichnetes Werk abgeliefert. Die Hintergründe wirken teilweise wie mit einem Buntstift gezeichnet – in Zeiten von Animationsfilmen aus einem Computer vielleicht ungewohnt oder altertümlich anzusehen – aber keinesfalls fehl am Platz. Ganz im Gegenteil, hierdurch wird ‚Ponyo‘ noch mehr schöpferische Liebe zuteil als es die Handlung ohnehin schon aufkommen lässt.

Auch in diesem Film spielen die Kinder wieder eine große Rolle. Schaut man sich die Erwachsenen an, dürfte auch schon alles zu spät sein, was diese betrifft. Ponyos Vater Fujimoto ist nicht in der Lage auf seine Tochter aufzupassen und sie entwischt ihm mehr als einmal. Sosukes Mutter fährt unvorsichtiger Auto als es jemals eine Zeichentrickfigur gewagt hat mit einem Vehikel umzugehen. Auch wenn diese Eigenschaft im späteren Verlauf des Filmes noch eine Rolle spielen wird, ist es nicht gerade eine vorzeigetaugliche Tugend gegenüber ihrem Sohn. Und auch der Vater von Sosuke glänzt aufgrund seiner Tätigkeit auf einem Militärschiff eher durch Abwesenheit als durch ein Bewusstsein seine Vaterrolle zu erfüllen.

Wenn man bei Hayao Miyazaki über kindlich aufbereitete kritische Thematiken spricht und über Buntstifthafte Bilder, dann sollte man auch ein paar Worte über die Musik verlieren. Diese ist bei ‚Ponyo‘ mal verspielt, mal dramatisch, je nach Situation aber fügt sie sich hervorragend in das bestehende Bild ein. Gerade in Momenten, wie z.B. wenn der Ozean das Land zu überschwemmen droht, dreht die Musik noch einmal ein Stück auf, wird dramatischer und erzeugt eine dermaßen passende, angsteinflößende Bildgewalt, dass man seinen Blick sicherlich nicht abwenden wird. Und am Ende ist es dann auch der kleine Sosuke, der die eigentliche Moral des Filmes übermitteln darf. Denn ihm wird die Frage gestellt, ob er Ponyo auch in ihrer wirklichen Gestalt lieben würde. Mit den Worten er würde alle Ponyos lieben, egal ob Meerjungfrau/Goldfisch oder kleines Mädchen, übermittelt er die Nachricht: „Never judge others by their looks“. Sei es Fujimoto, der erst einmal wie ein Gaukler daherkommt, sich aber als fürsorglicher Vater erweist, sei es eine alte, griesgrämige Oma, die sich einfach nur um Sosuke sorgt oder sei es eben Ponyo selbst, die trotz mehreren Erscheinungsbildern doch immer das Gleiche, Sosuke liebende, Wesen ist.

Das inzwischen keine Mühen gescheut werden um die Filme Miyazakis auch dem Rest der Welt zukommen zu lassen, sehen wir vorallem an der Voice-Cast im amerikanischen Raum. Mit Cate Blanchett (‚Der seltsame Fall des Benjamin Button‘), Noah Cyrus (die kleine Schwester von Miley ‚Hannah Montana‘ Cyrus), Matt Damon (‚Green Zone‘), Tina Fey (‚Date Night‘), Liam Neeson (‚Kampf der Titanen‘) und Lily Tomlin (‚Der rosarote Panther 2‘) hat man einige bekannte Stimmen versammelt um ‚Ponyo‘ auch dem dortigen Publikum durch eine typische, auf Hollywoodnamen beruhende Werbemaschinerie näher zu bringen. Dabei brauch ‚Ponyo‘ – Originaltitel ‚Gake No Ue No Ponyo‘ und in Deutschland ‚Ponyo: Das große Abenteuer am Meer‘ – diese Werbemaßnahmen eigentlich nicht. Inzwischen sollte der Name Hayao Miyazaki und sein Studio Ghibli groß genug sein um ähnlich wie die Pixar Animation Studios die Menschenmassen auch so in’s Kino zu locken. Mit ‚Ponyo‘ ist ihm jedenfalls wieder ein zauberhafter Film gelungen, der sich hervorragend und passend einreiht in die bisherigen Filmwerke des japanischen Filmemachers.

Denis Sasse

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