R.E.D.

Bei ‚Space Cowboys‘ war es eine Gruppe von alten Männern die sich noch einmal auf den Weg in das Weltall machten. Auch in der ‚Lethal Weapon‘ Reihe von Richard Donner wird immer wieder der Satz ‚Ich bin zu alt für diesen Scheiß‘ zelebriert und jüngst versammelte Sylvester Stallone in ‚The Expendables‘ eine ganze Schar von ehemaligen Actionstars um sich. Die Faszination der alten Männer die noch einmal zurück in ihren früheren Alltag geschickt werden ist auch das Thema bei der Comicverfilmung ‚R.E.D.‘ vom deutschen Regisseur Robert Schwentke (‚Flightplan‘).

Hier geht es um Frank Moses, der einmal einer der gefährlichsten Männer der Welt war. Als skrupelloser Top-Agent der CIA, war für ihn kein Job zu riskant und kein Geheimnis zu schmutzig. Doch seit er sich im nicht ganz freiwilligen Vorruhestand befindet, sind die Weihnachtsdekorationen fürs Vorstadt-Häusschen oder ein Telefonflirt mit Sarah von der Rentenkasse, schon das Höchste an Aufregung in seinem Leben. Bis eines Abends ein schwer bewaffnetes Killer-Team vor seiner Tür steht, um ihn aus dem Weg zu räumen. Weil auch seine Call Center-Bekanntschaft in Gefahr ist, nimmt Frank sie kurzerhand ins Schlepptau, als er sich daran macht, seine früheren Wegbegleiter zusammenzutrommeln. Gemeinsam mit den Pensionären Joe, Marvin und Victoria bewaffnen sie sich bis unter die Zähne, lassen alte Kontakte zur russischen Konkurrenz spielen und kämpfen mit geradezu jugendlichem Eifer ums Überleben.

Die ersten Minuten von ‚R.E.D.‘, in denen wir Bruce Willis als CIA-Renter erleben, wirken nicht nur als Einführung in den Film, um die Figur des Frank Moses in ihrem trostlosen und langweiligen Umfeld zu zeigen, sondern auch um dem Zuschauer zu verdeutlichen, dass Bruce Willis noch lange nicht am Ende seiner Karriere angekommen ist. Der Film, der auf einer gleichnamigen dreiteiligen Comicbuchreihe aus dem Hause Marvel basiert, könnte auch als Geschichte eines älter werdenden Schauspielers verstanden werden, der noch einmal beweisen will das es noch nicht vorbei ist mit seinen Ausflügen ins Action-Genre.

Und das funktioniert überraschend gut. Niemand hat im Vorfeld daran gezweifelt, dass Bruce Willis noch ordentlich Schläge auszuteilen vermag, auch wenn Ausflüge wie ‚Stirb Langsam 4.0‘ oder ‚Surrogates‘ nicht an seine früheren Zeiten heranreichen konnten. In ‚R.E.D.‘ präsentiert nicht nur Willis sich in Bestform, die Handlung stachelt auch gleich noch die Darsteller Morgan Freeman, John Malkovich und Helen Mirren dazu an, ein wenig Prügel auszuteilen. Während das bei Malkovich, durch sein verschrobenes Schauspiel äußerst amüsant wirkt und es bei Helen Mirren einfach nur schön ist sie aus ihren sonstigen Charakterrollen ausbrechen zu sehen, kann sich Morgan Freeman nicht so ganz einfügen in das Team aus ehemaligen Draufgängern. Ob es an seiner Figurenzeichnung liegt oder daran, dass er die kaum Leinwandpräsenz bekommen hat, bleibt eine offene Frage.

Eigentlich ist es viel mehr Brian Cox als ehemaliger russischer Gegenspieler Ivan Simanov, der die Rolle des vierten Mannes im Team einnimmt. Der Feind von damals agiert hier als Freund von heute. Jugendliches Ungestüm weicht der Weisheit im Alter, die an mehr als einer Stelle in den Vordergrund tritt. Auch Karl Urban als der Mann, der dem Rentnerteam auf den Fersen bleibt, zieht in einer hübsch gefilmten Szene in der er die Bekanntschaft mit der Schlagkraft von Bruce Willis macht, den Kürzeren und darf sich mehr als einmal von den erfahrenen Altstars überrumpeln lassen.

Das passiert in einer ganzen Reihe von Actionszenen, die sich Robert Schwentke hat einfallen lassen. Sei es Bruce Willis, der aus einem fahrenden, sich drehenden Wagen aussteigt, John Malkovich der mit einem Raketenwerfer, den er in einem kleinen Plüschschwein versteckt, mehrere Menschenkörper zerfetzt oder Helen Mirren, die mit Maschinengewehr und hämischer Lache sichtlich ihren Spaß am Film hatte. Hinzu kommen einige coole 360° Kameraschwenks und fertig ist der stylische, Explosionen zelebrierende Comicfilm.

Aber ‚R.E.D.‘ lebt nicht nur von diesen Actionsequenzen, sondern auch von seiner Komik und den wenigen Momenten in denen Bruce Willis seine Einsamkeit als Rentner schauspielerisch umsetzt. John Malkovich fasst es ganz gut zusammen, wenn er im Film den Satz ‚Old Man My Ass‘ sagt, nachdem er mit seinem Raketenwerfer den Feind zerstückelt hat. Der Film liefert den Beweis, dass man sich in Zeiten von mangelnden Neu-Action-Helden doch noch auf die gute alte Männer verlassen kann.

Denis Sasse

1 Kommentar

  1. […] dem 28. Oktober läuft ‘R.E.D.’ in den deutschen Kinos und ab sofort gibt es hier auf filmtogo die Kritik zur […]


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