Repo Men

Futuristische Welten erschaffen im Film immer wieder die interessantesten Kulissen. Oft bekommen wir Bilder von Großstadtmetropolen geliefert, die verziert wurden mit bunten, digitalen Reklametafeln. Hektische Menschenmassen drängeln sich durch ein heruntergekommenes Szenario. Nicht anders ist das in ‚Repo Men‘, eine Verfilmung des Romans ‚Repossession Mambo‘ von Eric Garcia, für den sich der relativ unerfahrene Regisseur Miguel Sapochnik an Vorreitern wie ‚Blade Runner‘, ‚Minority Report‘, ‚A.I.Künstliche Intelligenz‘ oder aber auch ‚Die Insel‘ orientiert haben dürfte.

Wie in jedem dieser Filme wird auch in ‚Repo Men‘ Kritik geübt an einer Weiterentwicklung der Gesellschaft. Hier ist es eine medizinische Revolution die im Mittelpunkt der Handlung steht. Zahllose Menschen haben sich durch hoch entwickelte künstliche Organe das Leben verlängern oder retten lassen. Aber natürlich gibt es auch eine Schattenseite. Die Union, die Firma die für die Produktion und Verkauf der Organe zuständig ist, verlangt horrende Geldsummen für diese Organe, die zumeist nur durch Kredite finanziert werden können. Ist der Abnehmer dann aber nicht in der Lage die Raten pünktlich zu zahlen, bekommt er Besuch von den Repos, perfekt ausgebildete Schuldeneintreiber, die sich mit brutalen Methoden das Eigentum der Union zurückholen.

‚Repo Men‘ funktioniert überraschend gut, was sicherlich nicht zuletzt an der guten Zusammenarbeit der Schauspieler liegen dürfte, die man für diesen Film gewinnen konnte. Fernab von groß angelegten Marketingkampagnen, viralen Spielchen im Internet oder sonstigen Trara, hat man mit Jude Law (‚Sherlock Holmes‘), Forest Whitaker (‚The Air I Breathe‘), Liev Schreiber (‚Taking Woodstock‘) sowie Alice Braga (‚I Am Legend‘) ein Ensemble zusammengestellt, das normalerweise ausgereicht hätte um einen Sommerblockbuster zu erschaffen. Sowohl die Produktionsfirma als auch der Regisseur hatten aber anscheinend mehr Spaß daran, mal wieder einen blutigen Sci-Fi Actionfilm auf den Markt zu werfen, der mehr durch die positive Mundpropaganda der wenigen Menschen an Ansehen gewinnen wird, die den Film zu Gesicht bekommen. Wer das Glück hatte diesen Film in einer der Vorpremieren oder Sneak Previews zu sehen, der durfte der Original FSK 18 Version beiwohnen, der normale Deutschlandstart erfolgt dann in einer gekürzten FSK 16 Fassung auf der großen Leinwand.

Hier schon einmal ein Ratschlag vorweg – der Film lebt von seinen eher unappetitlichen Repo Men Methoden, die künstlichen Organe zurückzuholen. Die geschnittene Version im Kino anzuschauen dürfte weniger zufriedenstellen sein, als auf die ungekürzte Fassung auf DVD zu warten.

Für die Darsteller ist es eindeutig ein kleiner Ausflug in einen Film, in dem sie einfach nur Spaß haben können. Vor allem das Schauspiel der beiden Repo-Partner Forest Whitaker und Jude Law, die von Freunden zu Feinden werden, wirkt authentisch genug um dem Zuschauer zu vermitteln, dass dort zwei Figuren agieren, die wirklich seit Jahren miteinander befreundet sind. Beide leben für ihren Beruf, müssen sich aber an einem gewissen Punkt entscheiden wie es für sie weitergehen wird. Hier ist der Punkt, an dem die beiden auseinanderdriften. Hier macht es Spaß die Mimik eines Forest Whitakers zu beobachten, der überzeugend den Zwiespalt zwischen der Loyalität zu seinem Geldgeber und der Freundschaft zu seinem Partner darzustellen vermag.

Aber der Film selbst nicht sich auch nicht zu ernst. Man bekommt einen Monty ??? Phyton ??? Sketch zu sehen, der hier anscheinend nachgestellt wurde und auf der zu Beginn angesprochenen digitalen, bunten Werbeanzeigen Kamerafahrt darf man über ein ‚The Fast and the Furious‘-Teil 10 Plakat schmunzeln. Die Dialoge bekommen auch den nötigen Wortwitz und mit einigen One-Linern die brutalen Szenen zu überspielen. Und Liev Schreiber darf als Geschäftsmann herhalten, der eigentlich nur in seinem Büro verweilt und in der Welt da draußen ganz schnell aufgeschmissen ist. Mehr als einmal wird er von Remy, der Figur die Jude Law verkörpert, außer Gefecht gesetzt – und sei es als riesige Leber verkleidet.

‚Repo Men‘ schafft die schwierige Gratwanderung zwischen harter Science-Fiction und unterhaltsamem Dialogwitz. Das Ende des Filmes ist auf den ersten Blick überraschend, auf dem zweiten Blick vorhersehbar. Trotzdem ist diese futuristische ‚Reise des Helden‘ interessant zu verfolgen. Und wenn sich Jude Law und Alice Braga gegenseitig aufschlitzen, in ihren Innereien herumstochern und dies als Sexszene verkauft wird, dann hat man doch schon manchmal diesen ‚Von der Leinwand abwenden‘ Reflex, den man inzwischen so selten in einem Film zu fühlen bekommt, in dem es nicht in erster Linie um das möglichst groteske Abschlachten der Hauptprotagonisten geht.

Denis Sasse

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