Resident Evil: Afterlife

Die durch ‚Avatar‘ neu aufgekommene 3-D Welle scheint eine Legitimation für jede Filmserie zu sein, noch einmal eine Fortsetzung zu veröffentlichen. So auch der Fall bei ‚Resident Evil‘, die Videospielverfilmung die 2002 von Paul W.S. Anderson (‚Death Race‘, ‚Alien vs. Predator‘) ins Leben gerufen wurde. Hat dieser sich für den ersten Teil noch selbst auf den Regiestuhl begeben, waren es Alexander Witt, der bezeichnenderweise seitdem keinen weiteren Regiejob bekommen hat, sowie Russell Mulcahy, eher ein Regisseur von Direct-to-DVD Produktionen. Für den vierten Film hat es sich Anderson dann aber nicht nehmen lassen, das ‚Resident Evil‘ Franchise persönlich in das dreidimensionale Zeitalter einzuführen.

Die Apokalypse, ausgelöst von der Umbrella Corporation, hat fast die gesamte Menschheit mit ihrem Virus infiziert und in mörderische Untote verwandelt. Alice, die auf der Suche nach weiteren Überlebenden ist, macht sich bereit, den skrupellosen Konzern endgültig zu vernichten. Sie begibt sich nach Los Angeles, in der Hoffnung dort für die letzten verbliebenen Menschen eine Oase des Friedens vorzufinden. Doch es ist zu spät! Auch diese Stadt ist bereits von tausenden Infizierten bevölkert und Alice und ihre Begleiter finden sich in einer scheinbar ausweglosen und tödlichen Situation wieder.

Ähnlich wie die Menschen, die in den USA bereits in die Kinos geströmt sind und damit ‚Resident Evil: Afterlife‘ zur bisher erfolgreichsten Episode der Reihe gemacht haben. Als Konsequenz sind die Planungen an einem von Hauptdarstellerin Milla Jovovich bereits bestätigten fünften Teil im vollen Gange. Vorab muss gesagt werden, dass man sich für diesen Teil der Reihe mehr denn je jeglichen Logiksinn entsagen muss. Im gefühlten Fünf-Minuten-Takt könnte man mit dem Kopf auf eine Tischplatte schlagen, weil die Figuren dermaßen dümmlich agieren oder das Drehbuch Lücken schafft, die man so nun wirklich nicht erwartet hatte. Aber bereits zu Beginn fühlt man sich wie ein Fremder in der immer größer werdenden Zombiewelt, hat der Großteil von uns doch wahrscheinlich bereits vergessen, wie der dritte Teil der Filmreihe seinen Abschluss fand. Dementsprechend irritiert wird man über das unaufgeklärte Auftauchen von einer Vielzahl von Milla Jovovichs sein. Wenn zu späteren Zeitpunkten im Film immer wieder mit Rückblenden gearbeitet wird, kommt hier schnell die Frage auf warum man diese Vorgehensweise nicht auch für die ersten zehn Minuten von ‚Afterlife‘ genutzt hat um die Eingangssequenz zumindest nachvollziehbar zu machen.

Aber genauso unlogisch und lückenhaft das Drehbuch ist, so schlecht sind auch die Dialoge, bei denen nicht einmal die One-Liner funktionieren wollen. Mehr als einen Satz darf ein Darsteller sowieso nicht am Stück von sich geben. Fallen diese Bruchstücke einer Unterhaltung dann auch noch wenig plausibel aus, bleibt der eigene Verstand schon so manches Mal stecken weil er nicht weiß ob er jetzt Lachen oder Weinen signalisieren soll.

Hat man die Videospiele nie oder kaum gespielt, fragt sich der herkömmliche Kinogänger wahrscheinlich, ob auch in den Vorlagen nach und nach der Kampf mit den Zombies in den Hintergrund rückt. Hier ist es eine unüberschaubare Menge an Untoten die ein altes Gefängnis belagern, vom Rest der Welt aber anscheinend verschwunden sind. Zumindest sind Alice und die Redfield Geschwister eher damit beschäftigt gegen die Schergen von Umbrella, sowie Oberboss Wesker, zu kämpfen. ‚Resident Evil‘ ist an dieser Stelle zu einer Reihe geworden, die sich mehr mit den Machenschaften der Umbrella Corporation beschäftigt als mit den Untoten, die zur Randerscheinung verkommen sind. Bei einer Laufzeit von 97 Minuten wundert man sich jedenfalls schon, das die erste Zombieattacke, insgesamt lassen diese sich an einer Hand abzählen, nach knapp 40 Minuten stattfindet.

Derweil gibt es aber auch eine Szene im Film, die aufgrund ihrer Videospieloptik gar nicht so schlecht abschneidet. Der Kampf zwischen Alice, Claire und dem großen, bösen Hammer-Zombie wirkt von der Struktur und ihrem Stil her wie frisch aus einem Spiel entnommen. In einer Zwischensequenz wird Alice ausgeschaltet und die Umgebung Kampfbereit gemacht und dann heißt es Claire Redfield versus Zwischenboss. Und das Alice jetzt doch wieder ausgeknockt werden kann, dass hat sie ebenfalls Umbrella zu verdanken, haben die jetzt auf einmal ein Gegenmittel gegen den T-Virus und können Mutationen einfach wieder umkehren. Aber keine Sorge, auch wenn die Kräfte von Alice bereits recht früh verschwinden, agiert sie im Film immer noch übermenschlich, sonst hätte das Drehbuch für manche Situationen wahrscheinlich keine Lösung parat.

Neben Milla Jovovich (‚The Fourth Kind‘) kehrt auch Ali Larter als Claire Redfield zurück und signalisiert damit offensichtlich, dass sie nach dem Ende der Fernsehserie ‚Heroes‘ irgendwie Geld verdienen muss. Ein weiterer TV Darsteller der seinen Weg in das ‚Resident Evil‘ Universum gefunden hat ist Wentworth Miller (‚Prison Break‘), der die Rolle des Bruders Chris Redfield übernimmt. Milla Jovovich wird durch die Zusammenarbeit mit ihrem Ehemann Paul W.S. Anderson sicherlich immer wieder Spaß daran haben in die Rolle der Alice zu schlüpfen. Den anderen Darstellern sollte man einen schnellen Absprung aus dem Franchise ermöglichen, haben sie schauspielerisch auf jeden Fall mehr zu bieten als sie es hier tun.

Nachdem Paul W.S. Anderson in seinem vierten ‚Resident Evil‘ Film nun die Zombifizierung in Hollywood inszeniert hat, kommt der Film am 16. September in die deutschen Kinos und man hofft natürlich darauf, dass die Zuschauer wie Zombies in die Kinosäle rennen werden. Aber selbst Fans der Serie sollten erkennen, dass ‚Resident Evil: Afterlife‘ jetzt zu den Untoten gehört und Hollywood von dieser Reihe befreit werden sollte.

Denis Sasse

2 Kommentare

  1. […] Wie ihm diese Einführung gelungen ist, dass erfahrt ihr ab sofort in der Filmkritik zu ‘Resident Evil: Afterlife’ hier auf filmtogo. […]

  2. wie recht du hast!
    ich fände einen Neuanfang der Serie super, welche sich dann aber mehr an der Atmosphäre der Spielereihe orientiert.
    Als alter Resident Evil Fan (der Spieleserie) war ich auch derbst enttaeuscht von Andersons neuem Werk. Vorallem wurde auch ueberhaupt nicht darauf eingegangen warum die Zombies aufeinmal „Tentageln“ um Mund haben!
    RE hat soooo viel Potenzial, warum schoepft man das nicht aus?!


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