Robin Hood

Das Jahr 2000 war wegweisend für Regisseur Ridley Scott, der in Russell Crowe nicht nur seinen ‚Gladiator‘ gefunden hatte, sondern auch einen Schauspieler mit dem er in den folgenden Jahren immer wieder kollaborieren würde. So folgte 2006 mit ‚Ein gutes Jahr‘, ‚American Gangster‘ in 2007 und 2008 dann ‚Der Mann, der niemals lebte‘. In ihrer jüngsten Zusammenarbeit widmet man sich einen Mythos, der bereits mehrere Jahrhunderte alt ist. Als Robin Longstride schlüpft Russell Crowe in die Rolle des Mannes, der die reiche Bevölkerung ausgeraubt hat um den armen Menschen zu helfen. Gemeinsam mit seinen Gefährten streift er als ‚Robin Hood‘ durch den Sherwood Forest. Wobei die Verfilmung von Ridley Scott sich eher mit der Zeit vor der Legende beschäftigt.

Robin Longstride ist Bogenschütze im Heer des Königs Richard Löwenherz. Dann weist ihm der Tod dieses Mannes sowie dessen Vertrauten Robert Loxley eine neue Bestimmung zu. Um die Krone nach England zurückzubringen und Loxleys letzten Wunsch zu erfüllen, nimmt Longstride die Identität Loxleys an. Auf Wunsch ihres Schwiegervaters lässt die Witwe Lady Marion, Longstride das Erbe ihres Mannes antreten. So wird aus dem einfachen Mann ein Held, der das Leben vieler Menschen verändert und ein zerstrittenes England im Kampf gegen die Franzosen wiedervereint.

Bei der Invasion der Franzosen, die zum Ende des Filmes die Südküste Englands stürmen, fühlt man sich doch schon ein wenig erinnert an Steven Spielbergs ‚Der Soldat James Ryan‘ und der dortigen Anfangssequenz, in der die Alliierten in der Normandie einfallen. Ansonsten bietet Regisseur Ridley Scott aber einen ‚Robin Hood‘, der ein neues Licht auf den Mythos wirft und sich distanziert von Verfilmungen mit Errol Flynn (1938) oder Kevin Costner (1991). Auch entfernt sich die 2010er Version von dem strumpfhosentragenden Vagabunden. Vielmehr wird Robin Longstride als Soldat gezeigt, der erst im Verlauf des Filmes – oder eigentlich sogar erst am Ende – zu dem gesetzlosen Gejagten wird, als den man ihn bisher kannte. Die Figur der Lady Marianne – die von Cate Blanchett (‚Der seltsame Fall des Benjamin Button‘) dargestellt wird – bekam auch eine Frischzellenkur verpasst und fügt sich ein in das heutzutage eher vertretende Filmbild der Frau als gleichwertige, dem Mann Paroli bietende Person. Hier wird nicht angehimmelt und geschwärmt, sondern erst einmal skeptisch begutachtet und abgelehnt. Hier wird nicht der Mann um Hilfe gebeten, sondern das Schwert oder Pfeil und Bogen selbst in die Hand genommen.

Die Bildgewalt die noch in ‚Gladiator‘ zelebriert wurde, bleibt bei ‚Robin Hood‘ im Hintergrund. Die Schlösser und Burgen sind klein und beschaulich, die Dörfer ländlich und die Schlachten überschaubar. Ein Fakt der dem Film nur zu Gute kommt, lässt sich ein Regisseur in Zeiten wo alles größer und imposanter sein soll – meist nur um den Rezipienten zu beeindrucken – nicht auf solche Inszenierungsspielchen ein und überzeugt lieber mit einer ordentlichen Umsetzung des Drehbuchs von Brian Helgeland (‚Green Zone‘). Natürlich kommt ein solcher Hollywood Film dann aber auch nicht ohne die typischen Stilmittel aus, die den Zuschauer dazu bringen sich mit dem Helden zu freuen oder mit ihm zu leiden. So entwickelt sich natürlich – trotz einer störrischen Marianne – eine Liebesgeschichte zwischen ihr und Robin Longstride. Und eine zuerst vergessene Vergangenheit des Hauptprotagonisten, die mit dem Verlust seines Vaters zu tun hat, beschert ihm dann auch einen inneren Konflikt, der als Nebenhandlung allerdings weniger funktioniert und zu krampfhaft und unwichtig erscheint.

Dennoch muss man dem Team Ridley Scott und Russell Crowe anerkennen, dass sie erneut einen sehenswerten Film erschaffen haben, der nur ganz minimale, kaum erkennbare Makel vorzuweisen hat. Ansonsten ist ‚Robin Hood‘ ein 141minütiger Film, dessen Länge man kaum zu spüren bekommt.

Denis Sasse

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2 Kommentare

  1. […] Hier findet ihr jetzt die Kritik zu ‘Robin Hood’ von Ridley Scott mit Russell Crowe, Cate Blanchett, Mark Strong, William Hurt und Max von Sydow. […]

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