Salt

Bereits 1999 arbeitete Regisseur Phillip Noyce für ‚Der Knochenjäger‘ mit Angelina Jolie. Seit dieser Zeit spielte seine damalige Hauptdarstellerin in ‚Durchgeknallt‘ und holte damit einen Academy Award als beste Nebendarstellerin, wurde zur Verkörperung der Videospiel-Ikone Lara Croft und synchronisierte die Tigerkriegerin in dem Animationsfilm ‚Kung Fu Panda‘, für dessen Fortsetzung in 2011 sie erneut verpflichtet wurde. Immer wieder schwankt Angelina Jolie zwischen anspruchsvollen Schauspielaufträgen (‚The Good Shepherd‘, ‚Der fremde Sohn‘) und actionlastigen Popcornkino (‚Mr. & Mrs. Smith‘, ‚Wanted‘). Ursprünglich als Film für Tom Cruise in der Rolle des Edward A. Salt geplant, verließ dieser das Projekt aus Angst, die Figur könne zu sehr an seine Rolle in den ‚Mission: Impossible‘ Filmen erinnern. Jolie wurde als Evelyn Salt zum Ersatz und macht somit einen weitere Ausflug in die Welt des Actionkinos.

Evelyn Salt legt zu Beginn ihrer Karriere als CIA-Agentin einen Eid auf ihre Ehre und ihr Vaterland ab. Seither hat sie sich immer wieder als eine der fähigsten Angestellten des Geheimdienstes erwiesen. Weder ihre Loyalität, noch ihre Fähigkeiten werden angezweifelt. Dann geschieht jedoch das Unfassbare: Salt wird von einem Überläufer beschuldigt, tatsächlich eine russische Schläferin zu sein, eine Gefahr für die amerikanische Sicherheit. Um einer Verhaftung zu entgehen, das Leben ihres Mannes – gespielt vom deutschen Darsteller August Diehl – zu schützen und dabei ihren Kollegen von der CIA immer einen Schritt voraus zu sein, muss Salt sich voll und ganz auf ihre Fähigkeiten und ihre jahrelange Erfahrung als verdeckte Ermittlerin verlassen.

Dabei scheinen die Fähigkeiten von Evelyn Salt an die eines weiblichen Supermans heranzureichen. Sieht man die Agentin zu Beginn des Filmes noch als Gefangene von russischen Gegenspielern die sie malträtieren, ihr ein immens angeschwollenes blaues Auge verpassen, dreckige und blutige Wunden zufügen, erfährt sie in den folgenden 100 Minuten so viele Verletzungen, Prellungen und Schmerzen, ohne dabei auch nur mit der Wimper zu zucken, dass man sich fragen muss ob die Dame nicht unter ihrer herkömmlichen Kleidung das Superman Outfit trägt. Ohne Atem zu holen hetzt sie durch die Handlung, immer auf der Flucht, gönnt sich keine Pause, braucht diese auch nicht, wird doch die Filmfigur des Agenten einmal mehr als Superheld dargestellt.

Während zu Beginn des Filmes noch klar sein dürfte, welche Figuren als CIA-Agenten agieren und wer sich auf der Seite der russischen Spione positioniert hat, kommt diese Klarheit – wie für einen Spionagethriller typisch – im Laufe der Geschichte immer mehr zu Fall. Die Unwissenheit scheint zum zentralen Punkt der Geschichte zu werden, umso unverständlicher ist das berechnende Casting das dem Film die Spannung nimmt und das Ende vorhersehbar macht. An der schauspielerischen Leistung der Darsteller kann derweil nicht gemeckert werden. Während Angelina Jolie die Actionrolle souverän, routiniert abarbeitet, stehen ihr mit Liev Schreiber (‚Taking Woodstock‘, ‚Repo Men‘) und Chiwetel Ejiofor (‚American Gangster‘, ‚2012‘) zwei nicht minder begabte Schauspielkollegen zur Seite. Leider sind auch diese beiden Herren der Auslöser für die Vorhersehbarkeit des Filmes. Wer sich das Type-Casting – also den gezielten Einsatz eines Darstellers für einen bestimmten Rollentypus – für einen Liev Schreiber einmal etwas genauer anschaut, wird auch schnell seine Funktion in ‚Salt‘ durchschaut haben.

Auch wenn ‚Salt‘ weitaus mehr Actionfilm ist als ‚Mission: Impossible‘ hat Tom Cruise tatsächlich gut daran getan vorzeitig aus dem Projekt auszusteigen. Seine Bedenken, das die Handlung des Filmes zu sehr an seine Rolle des Ethan Hawke erinnern würde, war durchaus berechtigt, kann man dies aber prinzipiell über die Gattung des Agenten/Spionagefilmes immer wieder behaupten. Es geht immer um die Verwirrung des Zuschauers, um das Wechselspiel zwischen Gut und Böse, um die Maskierung, um Verkleidung um den Einsatz typischer Spionage-Elemente. Auch ‚Salt‘ macht da keine Ausnahme. Ein wenig ‚Bourne‘, eine Prise ‚James Bond‘ und ein Hauch ‚Mission: Impossible‘, der Film reiht sich ohne Neuerung in die Vorgängerfilmserien ein. Und damit auch Angelina Jolie mehr als nur einen Einsatz als Agentin Evelyn Salt absolvieren darf, muss der Film ohne ein klares Ende auskommen.

‚Salt‘ ist keine Neuerfindung des Genres, sondern ein Film bei den Angelina Jolie hübsch aussehen darf, auf gefühlt mehr als ein Dutzend Autodächer fallen muss und der Zuschauer am Ende immer noch nicht wirklich weiß, wer Evelyn Salt wirklich ist, eine Frage die im Vorfeld im Filmtrailer gestellt wurde, aber hier nicht beantwortet wird. Ist Angelina Jolie aus der Fortsetzung zu ‚Wanted‘ bereits ausgestiegen – ‚Twilight‘ Darstellerin Kristen Stewart wird als ihre Nachfolgerin gehandelt – wird sie für den zweiten Teil von ‚Salt‘ sicherlich zurückkehren, sofern ihr Zeitplan es zulässt. Ob dies sinnvoll ist, möchte angezweifelt werden.

Denis Sasse

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1 Kommentar

  1. […] Die Kritik zum Film findet ihr ab sofort hier auf filmtogo. […]


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