Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt

Kein Glamour, kein Sex, wenig Drama. Dafür umso mehr das Geek-sein, dadurch besticht die Comicserie ‚Scott Pilgrim‘ vom kanadischen Autoren Bryan Lee O’Malley. Seine Geschichte rund um den kanadischen Loser Scott Pilgrim, seinen Liebschaften und seinen Freunden besteht aus sechs schwarz/weiß Bänden, die seit August 2004 veröffentlicht wurden und 2010 ihren Abschluss fanden. In Deutschland ist der erste Band derweil im März diesen Jahres erschienen und es wird wohl noch ein wenig dauern bis die Reihe hierzulande komplett erhältlich ist. Die Zeit kann man sich verkürzen, denn Regisseur Edgar Wright, der zuvor Erfolge mit ‚Shaun of the Dead‘ oder ‚Hot Fuzz‘ feierte, hat die Handlung aller sechs Comics in dem Film ‚Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt‘ verarbeitet, der seit dem 21. Oktober auch in den deutschen Kinos läuft.

Scott Pilgrim hat keinen Job, aber dafür einigen Charme. Und außerdem ist der Bassist der völlig durchschnittlichen Band Sex Bob-Omb gerade dem Mädchen seiner Träume begegnet. Das Einzige, was nun noch zwischen ihm und Ramona Flowers steht, sind ihre sieben Exfreunde, denn die Superschurken machen keinen Hehl daraus, dass sie es auf ihn abgesehen haben. Was Musikgeschmack angeht, kennt Scott sich gut aus, doch mit der Liebe tat er sich schon immer etwas schwerer. Zwar hat auch er ein paar Exfreundinnen, die ihm irgendwie auf den Fersen sind, doch als Ramona auf Rollschuhen in sein Leben braust, muss er feststellen, dass sie eine ganz neue Dimension von Beziehungsvergangenheit mitbringt. Eine unheilvolle Allianz von Exfreunden kontrolliert ihr Liebesleben und schreckt vor nichts zurück, um ihn als neuen Verehrer aus dem Weg zu räumen.

Geeks sind cool, das ist spätestens seit der Fernsehserie ‚The Big Bang Theory‘ oder der Comicverfilmung ‚Kick-Ass‘ der Fall. Eröffnet man mit dieser Form des filmischen Helden ein neues Geek-Genre, dürfte Michael Cera der wohl bekanntest und erfolgreichste Vertreter seiner Zunft sein, der mit diesem Film sein Dasein als Held dieser Tage perfektioniert haben dürfte. Fernab von seiner Weltfremdheit, darf er in ‚Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt‘ Münzen sammeln wie in einem Videospiel, choreographierte Kampfsequenzen durchleben und Schwertkämpfe austragen. Ein Geek in seiner Traumwelt, wenn der tägliche Videospielkonsum real zu werden scheint.

Selten wurden die Leiden eines jungen Teenagers so gut inszeniert wie hier. Da ist das leider etwas zu junge Mädchen, dass Scott anhimmelt. Wer kann es ihm verdenken das er mit ihr zusammen sein möchte. Sie ist eine Sicherheit, kein Risiko. Aber dann ist da die coole, gutaussehende Ramona Flowers, die er einfach nicht aus seinem Kopf heraus bekommt. Zwischen den Fronten stehen ist unschön. Sich für eine Dame entscheiden zu müssen ist noch ein viel unschöneres Gefühl. Und Exfreundinnen sind auch immer eine Last. Es wird mit Scott Schluss gemacht, aber er macht auch Schluss. Er erfährt die Leiden beider Seiten. Man möchte meinen in Edgar Wrights Film werden alle möglichen Kombinationen des Leidens gezeigt, allerdings ohne dabei in ein tiefgreifendes Drama abzurutschen. Ganz im Gegenteil. Die Inszenierung glänzt durch das Aussehen eines Videospiels. Es gibt nicht mehrere Akte in denen die Handlung erzählt wird, sondern fortschreitende Level durch die Scott Pilgrim sich hindurch kämpfen muss. Überall warten Endgegner auf ihn, er kann seine Eigenschaften hochleveln, bekommt Punkte und Extraleben. Aber nicht nur die Videospiele dürfen als Vorlage herhalten, natürlich behält der Regisseur auch die eigentliche Herkunft seines Filmes im Auge. Geräusche werden im Bild verschriftlicht, Rückblenden zeigen die Figuren wie sie in der Originalvorlage aussehen. Die Kombination aus Videospiel und Comic in einem Film gelingt.

Wo der Brite Edgar Wright in seinen Filmen ‚Shaun of the Dead‘ oder ‚Hot Fuzz‘ den Fokus auf die beiden Schauspieler Simon Pegg und Nick Frost legen konnte, bekommt er hier eine Vorlage an die Hand, die hauptsächlich durch die Interaktion der vielen verschiedenen Figuren in Pilgrims Umfeld an Wortwitz erlangt. Das ist zusammengestaucht auf 112 Minuten natürlich schwer, aber wie hier bewiesen wird, nicht gänzlich unmöglich. Kieran Culkin überzeugt mit trockenen Sprüchen als homosexueller Mitbewohner Wallace Wells, Alison Pill hat als Kim Pine einen Ex-Freundinnen-Blick entwickelt, der aus einem Horrorfilm stammen könnte und Ellen Wong, die als junge Knives Chau zu sehen ist, hat es irgendwie geschafft, Kulleraugen in bester Manga-Manier zu entwickeln.

Für Mary Elizabeth Winstead ist ‚Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt‘ hoffentlich der verdiente Durchbruch, der sie von Filmen wie ‚Final Destination 3‘, ‚Sky High‘ oder ‚Black Christmas‘ befreit. Als toughe Rollerskaterin Ramona Flowers, die immer einen neuen Stil entwickelt und ihre Haarfarbe ändert, schwingt sie auch schon mal den Hammer um Scott Pilgrim gegen ihre Ex-Freunde zu verteidigen. Diese bestehen unter anderem aus Chris Evans (‚Captain America: The First Avenger‘), Brandon Routh (‚Superman Returns‘) und Jason Schwartzman (‚Rushmore‘).

‚Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt‘ heißt Non-Stop-Spaß. Klänge aus Videospielen wie ‚Zelda‘, ein Soundtrack der rockig den Flair des Filmes unterstreicht, Darsteller die sichtlich Spaß an ihrem Job hatten und ein Regisseur der sich mit seinem Amerika-Debut als Mann etabliert, auf den man in Zukunft noch ein Auge haben sollte. Stilistisch schön inszeniert, in jeder Sequenz eine Kleinigkeit zu entdecken, reiht sich ‚Scott Pilgrim‘ in das Genre des Geek-Filmes sehr weit oben, wenn nicht sogar an der Spitze, ein.

Denis Sasse

1 Kommentar

  1. […] Und wie der Film abschneidet, dass erfahrt ihr ab sofort in der Kritik zu ‘Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt’ hier auf filmtogo. […]


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