Shane Ackers „9“

Shane Ackers 9Filme die auf Kurzfilmen basieren: Das bekannteste Beispiel hierfür dürfte der erst kürzlich in den Kinos gelaufene „District 9“ gewesen sein. Hat hier noch Peter Jackson die schützende Hand über Neuregisseur Neill Blomkamp gehalten, ist es bei Shane Acker und seinem Film „9“ Tim Burton gewesen, der Acker dazu animiert hat, aus seinem 2005 entstandenen Kurzfilm – der eine Oscar Nominierung einfahren konnte, sich gegen „The Moon And The Son: An Imagined Conversation“ aber nicht durchsetzen konnte – einen, wenn auch nur 79 Minuten langen, animierten Film zu machen.

In dem in den USA am 9.9.09 gestarteten Film „9“ geht es um die gleichnamige Stoffpuppe, die in einer postapokalyptischen Welt zum Leben erwacht. Inzwischen sind alle Menschen von der Erdoberfläche verschwunden, nur eine kleine Gruppe von Stoffpuppen, Nummer 1 bis 8, versuchen neben den Weltbeherrschenden Maschinen zu überleben. 9 ist derjenige unter ihnen, der sich nicht länger vor den Maschinen verstecken und weglaufen will. Er versucht die anderen davon zu überzeugen, dass es an der Zeit wäre sich ihren Feinden entgegenzustellen. Dabei gilt es nicht nur herauszufinden warum die Maschinen alle Menschen ausgelöscht haben sondern auch warum sie hinter den Stoffpuppen her sind.

Szenebild 1Bevor ich mich näher mit dem Film an sich beschäftige, muss ich einfach auf die Schauspieler eingehen, die den Charakteren ihre Stimmen leihen. Denn auch hier hat sich Shane Acker ein kleines Who is Who aus Hollywood zusammengestellt, was man für ein Erstlingswerk gar nicht erwartet hätte: Christopher Plummer („Oben“), Martin Landau („Sleepy Hollow“), John C.Reilly („Stiefbrüder“), Crispin Glover („Beowulf“), Jennifer Connelly („Er steht einfach nicht auf dich“), Fred Tatasciore (spricht 100te Rollen in Videospielen und Cartoonserien) und Elijah Wood („Sin City“) sind als Stoffpuppen 1 bis 9 zu hören, wobei die Zwillingspuppen 3 und 4 im ganzen Film nicht sprechen und somit keine Stimme verliehen bekommen haben. Dabei muss gesagt werden, dass die Darsteller so viel nicht zu tun hatten, sind in dem 79minütigen Film (inklusive Abspann) gerade einmal 19 Minuten Dialog enthalten.

Und genau hier kann man vielleicht auch ansetzen und sagen, dass „9“ zwar visuell ein wunderbares Endzeitmärchen darstellt, aber Shane Acker den Film viel zu kurz gestaltet hat. Gerade bei der Einleitung geht es Schlag auf Schlag, man möchte eigentlich viel langsamer in die von Acker geschaffene Welt eingeführt werden, mehr Vorinformationen bekommen, aber stattdessen findet man sich binnen weniger Minuten im Hauptteil des Filmes wieder. Der Film bietet nicht unbedingt eine tiefgründige Handlung, als dass erwachsene Menschen sich gefordert fühlen und doch ist der Film zu dunkel, zu ernst, zu böse als das er als Kinderfilm durchgehen würde.

Szenebild 2Schön ist, dass der Film ohne menschliche Figuren funktioniert – ausgenommen die Rückblicke in denen erklärt wird, warum die Menschheit ausgestorben ist. Denn in den meisten postapokalyptischen Filmen wird gezeigt, wie die Menschheit Verderben über sich bringt und lernen muss damit zu leben. „9“ aber ist ein Film, der zeigt wie gute „Maschinen“ gegen böse Maschinen kämpfen und die Menschen schon lange tot sind. Dabei darf man sich die Frage stellen, an welchem Punkt in der Wissenschaft und Technologie wir Menschen unsere eigene Seele verlieren? Diese verlorene Seele der Menschen wurde in „9“ in die neun unterschiedlichen Stoffpuppen transportiert. Jede Puppe hat ihre eigenen Stärken und Schwächen, stellen aber doch stereotypische Charaktere, Eigenschaften der menschlichen Seele, dar. „9“ ist nicht nur ein animiertes Abenteuer, sondern auch ein Familiendrama, denn allein nutzen diese Eigenschaften den Stoffpuppen nichts, nur wenn sie zusammen arbeiten, wenn sie ihre Teile der Seele eins werden lassen, nur dann können sie auch erfolgreich sein.

Szenebild 3Der Film erklärt uns im Grunde den Unterschied zwischen guter und schlechter Technologie: Das es damit zu tun hat, wie wir die Technologie einsetzen und was wir von uns selbst in diese Technik einfließen lassen. Die Killerroboter in dem Film sind düster, aus kaltem Metall, kantig und mit rot glühenden Augen. Die Stoffpüppchen – die Verkörperung des Guten – hingegen, haben eine Persönlichkeit bekommen, sind süß und kümmern sich umeinander.

Die Message, die uns der Film mit auf den Weg geben will lässt sich also ganz einfach in einem Satz zusammenfassen, den Shane Acker in einem Interview äusserte:

„It’s post-human, but humanity lives on!“

“9” hat leider noch keinen deutschen Starttermin und so langsam muss man damit rechnen, dass er hierzulande nur auf DVD erscheinen wird. Sehenswert ist der Film allemal. Schon allein um die visuell gestaltete Welt von Shane Acker erleben zu dürfen. Dieser hat bereits zwei weitere animierte Projekte in der Mache, sowie einen richtigen Spielfilm. Mit „9“ – trotz der eher mageren Handlung – ist dem Regisseur jedenfalls ein gelungenes Debut gelungen.

Denis Sasse

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