Splice

Mit dem Sci-Fi Thriller ‚Cube‘ hat man einen Genrefilm erschaffen, der bei den Fans dieses Werkes als Kult gilt. Regisseur Vincenzo Natali hatte mit ‚Cypher‘ versucht diesen Erfolg zu wiederholen, blieb aber weit zurück hinter seinem Erstlingswerk. Mit der Unterstützung von Guillermo Del Toro (‚Pan’s Labyrinth‘, ‚Hellboy‘), der für seinen aktuellen Film als Produzent tätig war, erschuf Natali jetzt die kanadisch/französische Co-Produktion ‚Splice‘ und begibt sich mit diesem Film in die Wissenschaft der Gentechnologie. Mit dabei sind ‚Der Pianist‘ Adrien Brody und Sarah Polley, die sich in der Neuauflage von ‚Dawn of the Dead‘ mit Zombies herumschlagen durfte.

Die beiden agieren als geniale Biochemiker Clive und Elsa, denen in der Genforschung das Undenkbare gelingt. Sie erschaffen eine geklontes, menschenähnliches Hybrid-Wesen. Eigentlich wäre das ein Grund zum Feiern, aber ihre Arbeitgeber haben moralische Bedenken und das Projekt droht zu scheitern. Illegal arbeiten die beiden Wissenschaftler weiter an ihren Forschungen, doch ihr Schützling entwickelt sich schneller und ganz anders als erwartet. Irgendwo verlieren sie sich zwischen ‚Richtig‘ und ‚Falsch‘ und sie selbst geraten außer Kontrolle.

Die Nachricht die uns dieser Film übermitteln möchte ist natürlich ‚Vorsicht vor Genmanipulationen‘. Das schafft ‚Splice‘ aber durch so schöne Art und Weise, dass man sich wirklich Gedanken macht über die wissenschaftlichen Errungenschaften die es nicht nur im Film immer wieder zu bestaunen gibt. Die Thematik ist schön aufbereitet und der Film driftet nie in ein unwirkliches Horrorszenario ab. Bei all der Inszenierung kauft man dem Filmemacher Natali doch ab, dass er hier eine mögliche Zukunft detailgetreu nachgebildet hat. Hier liegt eine Stärke des Filmes. Der Zuschauer bekommt keinen Horrorfilm geliefert bei dem die Fantasie-Figur als mordendes Unwesen dargestellt wird, sondern einen gut funktionierenden Thriller, mit wenigen aber hervorstechenden Horror-Momenten, bei dem die Hauptfiguren mindestens genauso sehr zu hinterfragen sind wie die Kreatur die sie erschaffen haben.

Dabei hat sich das Casting als Glücksgriff erwiesen. Bei Adrien Brody darf man gerne skeptisch sein, ob er für solche Rollen prädestiniert ist, aber offensichtlich ändert sich seine Auswahl an Filmrollen mit zunehmenden Alter, ist er demnächst doch in der Neuauflage ‚Predators‘ zu sehen. An seiner Seite sehen wir Sarah Polley, eine Darstellerin die eigentlich nie wirklich den großen Durchbruch geschafft hat. Dennoch funktioniert dieses Pärchen hervorragend, überzeugen sie nicht nur auf wissenschaftlicher Ebene, sonder im Film auch auf privater Ebene als Liebespaar, das sich irgendwo in ihren Forschung verliert und dabei in eine tiefe Krise gerät.

Schön anzusehen ist dabei, dass man hier keine typischen Wissenschaftler geboten bekommt, sondern ‚Rock Wissenschaftler‘. Die beiden sind auf dem Cover des ‚Wired‘ Magazins – eine Technologiezeitschrift für Geeks und Technik-Freaks – sind auf coolness aus und kümmern sich mehr darum in der Öffentlichkeit zu stehen als typischen Laborratten zu sein. Es ist die Wissenschaft des 21.Jahrhunderts die uns dort vermittelt wird. Auch im Film als Nerds betitelt, die jungen Wilden, die wirklich etwas neues erforschen können, sich nicht an moralische Grundgedanken halten wollen, die tun und lassen wollen was sie wollen. Natürlich ist das bedenklich und genau so geht auch der Film damit um.

Und ihre Kreatur? Ein merkwürdiges Mischwesen, dargestellt von Delphine Chanéac, deren kompletten Lebenszyklus wir gemeinsam mit den beiden Wissenschaftlern durchleben dürfen. Dieses Wesen dient Clive und Elsa als Ersatzkind. Hält Elsa ein echtes Kind für zu Zeitaufwendig und kann sich auch mit dem Gedanken der Geburt nicht anfreunden – zumindest nicht so lange sie als Frau das Kind bekommen muss – wird die Erschaffung von Dren, der Name den sie ihrem künstlichen Sprössling geben, wie eine technische Frühgeburt inszeniert. Dem Zuschauer wird hier zwar die erste Geburt dieser Art vorgeführt, aber man hat bewusst in jeder Szene Parallelen zur natürlichen Form gesucht um die Thematik nicht zu sehr zu entfremden. Und am Ende weiß man dann gar nicht mehr, auf wessen Seite man eigentlich stehen sollte. Die Figuren haben alle ihre eigene Motivation und driften immer weiter auseinander um sich in anderen Momenten wieder näher zu kommen. Man ‚beschnüffelt‘ sich, man studiert sich. Dabei steht immer die Frage im Raum, ob all das nicht doch ein Schritt zu weit war.

Mit ‚Splice‘ fügt Regisseur Natali ein weiteres gutes Werk seiner Filmografie hinzu. Er reiht sich ein in die Liste von Filmemachern, die auch ohne ein großes Produktionsbudget überzeugende Filme erschaffen können. Auf diese Männer und Frauen sollte man ein Auge haben, werden sie auch in den noch kommenden Jahren hoffentlich noch Dinge auf die Leinwand bannen, die ohne Explosionen und 3-D Technologie zu unterhalten wissen.

Denis Sasse

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1 Kommentar

  1. […] Jetzt darf sie sich mit einem künstlich erschaffenem Mischwesen herumärgern. Die Kritik zu ‘Splice’ findet ihr ab sofort auf filmtogo. […]


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