The Crazies

Horrorfilme vom Altmeister dieses Genres, namentlich George A. Romero, dienen immer wieder als Vorlage für Neuauflagen, die zumeist besser daherkommen als Filme des Regisseurs selbst, die er den Zuschauern in der heutigen Zeit serviert. So mag man gar nicht an ‚Diary of the Dead‘ oder dessen Nachfolger ‚Survival of the Dead‘ denken, bei denen man gemerkt hat, das Herr Romero seine kreative Ader bereits verloren zu haben scheint. Nachdem wir 2004 das Remake von ‚Dawn of the Dead‘ serviert bekommen haben, muss nun der 1973er Film ‚The Crazies‘ als Vorlage für eine gleich betitelte Neuauflage herhalten.

Spielt der Originalfilm noch in der Kleinstadt Evans City, wurde die Handlung für die 2010er Version von ‚The Crazies‘ in den seltsam benannten Ort Ogden Marsh verlagert, einer typischen amerikanischen Kleinstadt im Mittleren Westen. Dann gerät aber eines Tages das Leben in der Stadt aus den Fugen, als einer der Bewohner mit einer Schrotflinte über das Baseballfeld läuft. Ein anderer Bürger fackelt seine Farm inklusive Frau und Kind ab. Das ruft den Sheriff auf den Plan, der sich und seine schwangere Frau auf einmal umringt sieht von anscheinend Verrückten. Gemeinsam mit seinem Deputy und einer Mitarbeiterin seiner Frau sucht man einen Ausweg aus der Hölle, in der mörderische Bestien lauern.

Bestien die wir nicht missverstehen sollten. Es handelt sich hier nicht um das Auftauchen von Zombies, sondern von einer Infizierung von Menschen. Wir bewegen uns also in keiner Welt, in der Köpfe zerschossen oder abgetrennt werden müssen, in der es leise stöhnende, daher schlurfende Zombies gibt. Die Figuren in ‚The Crazies‘ haben es mit Menschen zu tun, die von einer Krankheit befallen wurden. Der Unterschied ist gering, macht aber zumindest verständlich warum man in diesem Film nie Horden von Untoten zu Gesicht bekommt. An Stelle der Massenabschlachtungen tritt ein Kampf gegen zumeist ein oder zwei ‚Verrückten‘, bei dem eher der Spannungsaufbau eine Rolle spielt als das möglichst originelle Abschlachten. In dieser Hinsicht bekommen wir hier einen Horrorfilm geliefert, der sich seit langer Zeit mal wieder von seinen Genrevertretern abhebt, indem er sich mehr auf die psychologische Ebene begibt.

Dabei findet der größte Spannungsaufbau dadurch statt, dass man als Zuschauer genauso wenig wie die Protagonisten im Film weiß, was in der Kleinstadt vor sich geht und dieses Unwissen wird lange Zeit aufrecht erhalten. Leider kann die Spannung an dieser Stelle aber leider nicht aufrecht erhalten werden, wirkt der Film doch eher wie eine Aneinanderreihung von vielen Einzelszenen, die in beliebiger Reihenfolge abgespult werden könnten, wodurch ein Spannungsbogen verloren geht. Zwar werden mit Fortschreiten des Filmes immer neue Aspekte zu dem Kleinstadtterror hinzugefügt, sei es das kein Empfangsnetz für Telefone oder Internet mehr zur Verfügung steht oder das sich die Nationalgarde einschaltet, diese tragen aber nicht unbedingt dazu bei originelle Spannungssteigerungen für den Film zu erwirken, sind es doch eher altbekannte Motive die in Horrorfilmen immer mal wieder gerne zur Handlung hinzugefügt werden.

Der Episodenhafte, wenn nicht beliebige, Erzählstil von Regisseur Breck Eisner mag daher kommen, dass dieser bisher hauptsächlich für das amerikanische Fernsehen tätig war. So führte er Regie bei Serien wie ‚Taken‘, ‚Beyond‘ oder ‚Fear Itself‘, hat aber filmische Regie-Erfahrungen bisher nur mit ‚Sahara‘ machen können. Hauptdarsteller Timothy Olyphant mag es ähnlich ergehen, spielte er zuletzt eine Rolle in der TV-Serie ‚Damages‘ und ist zur Zeit in ‚Justified‘ zu sehen. Wenn sich also ein Fernsehregisseur und ein Fernsehdarsteller zusammentun, sollte man sich eventuell mit einem Film begnügen, der über TV-Film Status nicht hinausgeht. Für eine Episode hätte es gereicht, hier hätte die Inszenierung überzeugen können. Aber diese sich immer wieder von vorn abspielende Szenerie wirkt dann doch etwas uninspiriert.

Aber seien wir doch einmal ehrlich. In Zeiten in denen wir bald den siebten Teil der ‚Saw‘ Serie zu sehen bekommen und wir auch vor einem vierten ‚Scream‘ Teil nicht verschont bleiben, in Zeiten in denen Freddy Krueger, Jason Vorhees und all die anderen 80er Jahre Killer wieder auferstehen, funktioniert ‚The Crazies‘ ähnlich gut wie das Remake zu ‚Dawn of the Dead‘. Bei allen Schwächen in der Inszenierung ist man nach den 101 Minuten froh, nicht einfach wieder die zehn brutalsten Tötungsmöglichkeiten aus dem Kopf eines Hollywoodschreibers präsentiert bekommen zu haben.

Denis Sasse

1 Kommentar

  1. […] Filmkritik zu ‘The Crazies’ von Regisseur Breck Eisner findet ihr jetzt hier. Der Film läuft an diesem Donnerstag, den 27.Mai 2010 in den deutschen Kinos […]


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