The Karate Kid

In den Jahren 1984 bis 1994 enstanden vier Filme die sich mit dem Titel ‚Karate Kid‘ schmückten. Angefangen bei dem beliebten Duo bestehend aus Pat Morita, der im November 2005 leider verstarb, und Ralph Macchio, dem ursprünglichen Karate Kid, die gemeinsam in den ersten drei Filmen der Reihe die Hauptrollen übernahmen, bis hin zu dem vierten Teil, in dem Pat Morita eine junge Hilary Swank zu einem weiblichen Karate Kid ausbildete. Wurde Pat Morita für die Darstellung des Karate Lehrers Mr. Miyagi 1984 noch mit einer Academy Award und Golden Globe Nominierung in der Kategorie bester Nebendarsteller belohnt, erntete der letzte Teil der Serie aufgrund fehlender Originalität keine guten Kritiken mehr. Daher hat sich Regisseur Harald Zwart, bisher eher durch Komödien wie ‚Eine Nacht bei McCool’s‘, ‚Agent Cody Banks‘ oder die Fortsetzung zu ‚Der rosarote Panther‘, mit seinem Remake beim ersten Teil der Reihe bedient, die Handlung aber einer Generalüberholung unterzogen und dem heutigen Zeitgeist angepasst.

Hauptfigur ist diesmal der 12jährige Dre Parker (Jaden Smith), der mit seiner Mutter von Detroit nach Peking umziehen muss. Auf einmal ist für ihn nichts mehr so, wie es einmal war. Die kulturellen Unterschiede machen es ihm schwer, in China neue Freunde zu finden. Obendrein muss sich Dre in der Schule auch noch gegen den Klassenrüpel Cheng zur Wehr setzen, der ein geübter Kung-Fu-Kämpfer ist. Da Dre selbst aber über keine Kampfsport-Kenntnisse verfügt, kann er sich kaum verteidigen und wird von Cheng und dessen Kameraden verspottet. Allein ohne Freunde in einem fremden Land, hat Dre niemanden, an den er sich wenden kann, außer dem Hausmeister Mr. Han (Jackie Chan), der insgeheim ein Kung-Fu-Meister ist und bald zu Dres Mentor wird. Mr. Han bringt Dre bei, dass es beim Kung-Fu nicht um das Austeilen von Schlägen und Abwehren von Angriffen geht, sondern um Reife und innere Ruhe. Und Dre erkennt, dass es der Kampf seines Lebens wird, wenn er sich gegenüber Rivalen wie Cheng künftig behaupten will.

Behaupten müssen sich auch die beiden Hauptdarsteller Jaden Smith – mit einer erschreckend ähnlichen Mimik wie die seines Vaters Will Smith – und Jackie Chan. Ihr Zusammenspiel kommt jedenfalls an ihre Vorgänger aus vergangenen Zeiten heran, so dass man sich keine Gedanken um die Fußstapfen von Pat Morita und Ralph Macchio machen muss. Während Jaden Smith hier seinen dritten abendfüllenden Spielfilm absolviert – 2006 war er neben seinem Vater in ‚Das Streben nach Glück‘ und 2008 in ‚Der Tag an dem die Erde stillstand‘ zu sehen – hat er mit Jackie Chan einen erfahrenen, seit 1979 aktiven Schauspieler zur Seite gestellt bekommen, der aber auch in einer für ihn ungewohnten Rolle zu sehen ist. Kennt man Jackie Chan als komödiantischen Actionfilmdarsteller, der durch ausgefallene Choreographien zu unterhalten weiß, ist seine Darstellung des Hausmeisters Mr. Han ungewöhnlich dramatisch konzipiert. Natürlich darf er seine Kampfkünste vorführen – diese beschränken sich aber auf eine Szene im Film – und natürlich darf er einige lustige One-Liner in die Kamera sprechen. Ansonsten muss sich Chan aber eher zurückhalten, darf sich umso mehr als ernster Charakter versuchen. Seine einzige Kampfszene bleibt defensiver Natur, muss er sich doch gegen die jugendlichen Schläger zur Wehr setzen, die auch Dre das Leben in Peking zur Hölle machen.

Einige Änderungen zum Original hält der Film dann natürlich auch parat, ist die Handlung dieses Mal aus dem amerikanischen Los Angeles in die chinesische Hauptstadt Peking verlagert worden, die Kranich-Kampftechnik weicht der Kobra und auch das bekannte ‚auftragen und polieren‘, dass von Mr. Miyagi gelehrt wurde, weicht dem ‚Jacke ausziehen und aufheben‘-Training.

Mit einer Laufzeit von 140 Minuten muss man natürlich ein wenig mehr geboten bekommen als Kampfsequenzen eines 12jährigen und Kung-Fu-Lehrstunden von Jackie Chan. So verlässt sich Hollywood einmal mehr auf eine Liebesgeschichte, um in einem Subplot die strengen familiären Verhältnisse darzustellen, die von Dre ebenfalls durchbrochen werden müssen damit er mit seiner Angebeteten zusammen sein kann. Inwiefern es nötig ist die Liebesgeschichte auf ein so junges Darstellerpaar zu projizieren – Jaden Smith (auch im wirklichen Leben 12 Jahre jung) und Shijia Lü (in ihrer allerersten Filmrolle) – möchte man doch in Frage stellen, hätte diese Nebenhandlung doch ebenso in das Gesamtbild gepasst – wenn nicht sogar besser – hätte man hier auf eine einfache Freundschaft zwischen Dre und Liang gesetzt.

‚The Karate Kid‘ gehört zu den wenigen Remakes, die man getrost als gelungen ansehen darf. Der fade Beigeschmack den das Produzentenduo Will Smith und Jada Pinkett-Smith hinterlassen – denn es kommt die Frage auf, ob diese für die Hauptrolle ihres Sohnes gesorgt haben – wird durch das überzeugende Schauspieler sowohl von Smith Junior als auch eines ernsten Jackie Chans wieder wett gemacht. Bleibt nur zu hoffen das die 2010er Version des Karate Kids keine drei unnötigen Fortsetzungen mit sich bringt.

Denis Sasse

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1 Kommentar

  1. […] aufnehmen können, erfahrt ihr ab sofort in der Besprechung zu ‘The Karate Kid’ hier auf filmtogo. Getreu dem Motto: Besser spät, als […]


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