The Road

Manche Filme brauchen mehr Zeit um ihren Weg in die deutschen Kinos zu finden. ‚The Road‘ von Regisseur John Hillcoat gehört sicherlich in diese Kategorie. Bereits im November 2009 lief die Adaption des gleichnamigen, mit einem Pulitzerpreis ausgezeichneten Romans des Autors Cormac McCarthy – der auch die Romanvolage zu ‚No Country For Old Men‘ lieferte – in den US Kinos an. In einer postapokalyptischen Welt müssen Viggo Mortensen und Kodi Smit-McPhee seit dem 7. Oktober 2010 auch in den deutschen Kinos um ihr Leben kämpfen.

In dieser Welt, existiert die Zivilisation, wie wir sie kennen, nicht mehr. Ein Vater zieht mit seinem Sohn durch ein zerstörtes Amerika, die verzweifelte Mutter hat die Hoffnung bereits verloren. Nur mit ihren Kleidern am Leib und ihrem Wunsch nach einem besseren Leben wandern die beiden durch das Land in Richtung Meer, ohne zu wissen, was sie dort erwartet. Angst, Furcht und Verzweiflung dominieren ihren Alltag auf der Suche nach Zuflucht, Wasser und Essen. In jedem Autowrack und jedem verlassenen Haus könnten andere Überlebende lauern, die ihnen nach den letzten Habseligkeiten oder sogar dem Leben trachten. Was ihnen bleibt, ist ihre bedingungslose Zuneigung und der Wille, ihre Menschlichkeit nicht aufzugeben. Inmitten dieser Welt aus Ödnis und kannibalischer Gewalt versucht der Vater nach allen Kräften, seinem Sohn ein Rest Lebensmut zu erhalten.

Wo andere Autoren ein solches Endzeit-Szenario zum Anlass genommen hätten ihre Hauptprotagonisten durch eine physische Hölle gehen zu lassen, hat Cormac McCarthy eine Charakterstudie am Ende der Zivilisation erschaffen. John Hillcoat, der zuletzt 2005 ‚The Proposition‘ mit Guy Pearce und Ray Winstone inszenierte, hat bei seiner Verfilmung nicht den vorgegebenen Weg verlassen, sondern eine ebenso ruhige, wie auch bedrückende Reise auf die Leinwand gebannt.

Es geht in ‚The Road‘ nur am Rande um die Welt in der die Menschen leben. Sie wurde zerstört von einer im Film nicht thematisierten, unerwähnten Katastrophe. Selbst in den wenigen Rückblenden steht nicht der Quell allen Übels im Mittelpunkt, sondern eine Familie die unter der Belastung der Folgen dieser Apokalypse zu zerbrechen droht. Und dann wird man wieder in die Ödnis gesetzt, in der kein Tier und keine Pflanze mehr am leben ist. Im Fokus sind hier vielmehr die Beziehungen der Menschen untereinander. Einige haben sich in Häusern verschanzt, machen Jagd auf andere Menschen, halten ihre Beute wie Vieh in dunklen Kellern als Nahrungsvorrat. Ohne andere Versorgungsmöglichkeiten ist die Welt dem Kannibalismus verfallen. Einige Menschen ziehen friedlich durch das Land, suchen nach Überresten von Nahrung und nach trinkbaren Wasser. Aber auch diese Suche wird als Jagd gezeigt, es gibt kein Vertrauen untereinander, jeder ist sich selbst der Nächste.

Dabei stellt Kodi Smit-McPhee – demnächst im US Remake von ‚So finster die Nacht‘ zu sehen – einen Jungen dar, der sich von dieser Welt nicht aus der Ruhe bringen lassen will. Wo bei allen anderen, auch seinem Vater, der Glaube an die Menschlichkeit bereits seit langer Zeit verschwunden ist, hat er sich einen Funken Hoffnung bewahrt. Der lange Weg auf der Straße durch die Vereinigten Staaten führt den Vater und seinen Sohn durch die unterschiedlichsten Gebiete, lässt sie die verschiedensten Menschen treffen. Der Junge glaubt an das Gute im Menschen, möchte Vertrauen zeigen. Der Vater hat immer die Waffe in der Hand, den Finger am Abzug. Dabei bleibt der Zuschauer mehr als einmal im Unklaren darüber, wie die jeweilige Situation ausgegangen wäre, hätte der Vater auf seinen Sohn gehört.

Aber es ist schwer zu hoffen in einer Welt wie in ‚The Road‘. Sowohl die Romanvorlage als auch der Film zeigen eine Welt der Anonymität, keine der Figuren trägt einen Namen, wir sehen ‚den Mann‘, ‚den Sohn‘, ‚die Frau‘ oder ‚den alten Mann‘, wodurch die Einsamkeit der Situation verinnerlicht wird. Auf einmal erscheint die Paranoia des Vaters gar nicht mehr so unwirklich. Wie würden wir handeln in einer solchen postapokalyptischen Zeit? Der Vater klammert sich an seinen Sohn, dem einzig Vertrauten was ihm geblieben ist. Mit allen Mitteln schwört er diesen zu verteidigen.

Regisseur Hillcoat hat einen ruhigen Film mit wenigen Horrormomenten erschaffen, die hierdurch umso drastischer und erschreckender wirken. Das Duo Mortensen und Smit-McPhee wirken hervorragend zusammen. Sie verkaufen den Zuschauern die enge Verbindung zwischen Vater und Sohn nicht nur, sie leben sie aus, sie gehören zusammen. Die Wirkung in einer kalten, einsamen Welt die sich am Abgrund befindet ist immens.

Denis Sasse

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2 Kommentare

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