The Social Network

Mit dem Aufkommen von sozialen Netzwerken wie MySpace, studiVz, Facebook und all den anderen Vertretern dieser Maschinerie, hat sich das Internet verändert. Man spricht inzwischen vom ‚Web 2.0‘, einer Weiterentwicklung des Internets. Dann aber gibt es viele Debatten, um jede dieser Plattformen, die sich um die Sicherheit von persönlichen Daten drehen. Gilt MySpace eher als eine musikalische Alternative zu den Social Networks und studiVz als Variante für deutsche Studierende, wurde Mark Zuckerberg als Gründer des weltweit bekannten und genutzten Online-Netzwerkes Facebook zum jüngsten Milliardär der Welt. Nachdem Regisseur David Fincher 2008 Brad Pitt rückwärts altern lies (‚Der seltsame Fall des Benjamin Button‘) bringt er jetzt die Hintergrundgeschichte zur Gründung von Facebook mit ‚The Social Network‘ in die Kinos.

An einem Herbstabend im Jahr 2003 setzt sich Harvard-Student und Computergenie Mark Zuckerberg an seinen PC und beginnt, wie in Rage an einer neuen Idee zu arbeiten. Was in seinem Studenten-Zimmer mit wildem bloggen und programmieren seinen Anfang nimmt, entwickelt sich bald zu einem globalen sozialen Netzwerk und löst eine Revolution der bisherigen Kommunikation aus. Nur sechs Jahre und 500 Millionen Freunde später ist Mark Zuckerberg der jüngste Milliardär aller Zeiten. Doch dieser große Erfolg führt für den Unternehmer auch zu zahlreichen zwischenmenschlichen und juristischen Problemen.

Bereits mit der ersten Szene die der Zuschauer zu sehen bekommt, darf man getrost den Drehbuchautoren Aaron Sorkin lobpreisen. In irrwitziger Geschwindigkeit spielt sich ein Beziehungsstreit zwischen Zuckerberg, weltfremd nerdig dargestellt von Jesse Eisenberg, und seiner Freundin Erica Albright (Rooney Mara aus der 2010er Neuauflage ‚A Nightmare on Elm Street‘) ab. Sorkin, mit Schreiberfahrung für Fernsehserien wie ‚Sports Night‘, ‚The West Wing‘ oder ‚Studio 60 on the Sunset Strip‘ – allesamt wenig bekannt im deutschen Free-TV – etabliert hier die Dialoglastigkeit die sich durch den gesamten Film zieht. Dieser Dialog zeichnet sich sowohl durch seine immense Geschwindigkeit aus, auch aber durch Wortwitz und der Verwendung von Programmiersprache. Man möchte den Zuschauer nicht für dumm verkaufen, lässt ihn eintauchen in die Welt von Mark Zuckerberg. Es wirkt real, was dort im Drehbuch geschrieben steht und von Regisseur David Fincher auf die Leinwand gebracht wurde.

Und auch wenn es immer ein Mädchen im Kopf von Zuckerberg zu geben scheint, konzentriert sich der Film weitaus mehr auf das Trio bestehend aus ‚Zombieland‘ Darsteller Jesse Eisenberg, Andrew Garfield, der demnächst als ‚Spider-Man‘ zu sehen sein wird und Justin Timberlake als Sean Parker, Erfinder der Musiktauschbörse Napster. Drei Schauspieler die gemeinsam eine Leistung hinlegen, der man Respekt zollen sollte. Jesse Eisenberg spielt den unterkühlten Zuckerberg. Er schafft es durch Mimik und Worte den sozial inkompetenten Gründer von Facebook zu verkörpern und diese Untauglichkeit umzuwandeln in technisches Fachwissen um die Face-to-Face Kommunikation in das Internet zu verlagern, wo er selbst weitaus besser mit dem Leben zurecht kommt. Ihm als bester Freund zur Seite steht Andrew Garfield als Eduardo Saverin, der sich irgendwann als Gut-Mensch von Zuckerberg benutzt und hintergangen fühlt, was nicht zuletzt am Auftauchen von Sean Parker liegen dürfte, der sich, wie ein Rockstar des Internets verhaltend, in die Geschäfte der Facebook-Gründer einmischt.

Ob die Geschichte wirklich wahr ist, erfährt der Zuschauer derweil zu keinem Moment des Filmes. Ebenso wie die Buchvorlage ‚Milliardär per Zufall‘ von Ben Mezrich sich nicht auf Originalaussagen der beteiligten Personen stützt, versucht David Fincher in ‚The Social Network‘ die Zuschauer durch Rückblenden immer nur persönliche Versionen von Zuckerberg, Saverin oder den Winklevoss Zwillingen, die für sich beanstanden die Idee zu Facebook gehabt zu haben, hören zu lassen.

‚The Social Network‘ ist ein gut gewählter Filmtitel, lässt er das Facebook-Markenzeichen doch außen vor, wie auch die Handlung es macht. Es geht nicht um Facebook, es geht um die Entstehung eines sozialen Netzwerkes. Es geht um einen jungen Studenten, der es mit Hilfe seiner Freunde schafft eine unfassbar schnell wachsende Community zu erschaffen und zeitgleich sich selbst als Gesellschaftlich unfähig zu etablieren. Es geht um Emotionen und die Unfähigkeit diese zum Ausdruck zu bringen. Es geht um Freundschaft, um Vertrauen, um Erfolg, um Neid und um Rivalitäten. Aber trotz der gewählten Figuren und der Handlung, trotz des gesamten Rahmens, geht es nicht um Facebook.

Denis Sasse

2 Kommentare

  1. […] hier geht’s zu der Rezension von The Social Network. Seiten: Kategorie: Film Eintrag gepostet […]

  2. […] ab sofort erfahrt ihr hier auf filmtogo in der Review zu ‘The Social Network’ wie der neue Film von David Fincher […]


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