Up In The Air

2007 war das Jahr, in dem der Sohn des Regisseurs Ivan Reitman – bekannt von den zwei “Ghostbusters“ Filmen und „Evolution“ – selbst auf dem Registuhl Platz nahm um das oscarprämierte Drehbuch von Diablo Cody zu verfilmen und der Hauptdarstellerin Ellen Page damit ebenfalls zu einer Oscarnominierung zu verhelfen. Jason Reitman konnte sich mit „Juno“ einen Namen in Hollywood machen, ohne das dieser zurückgeführt werden würde auf den Vater. Jetzt stellte sich Sohnemann auch noch als Wiederholungstäter heraus und hat mit „Up In The Air“ einen mit insgesamt sechs Oscars nominierten Film erschaffen, für den auch wieder der Hauptdarsteller – in diesem Fall George Clooney – für den Oscar als bester Darsteller nominiert wurde. Dann hat er auch gleich noch einen draufgesetzt und den beiden Nebendarstellerinnen Vera Farmiga und Anna Kendrick ebenfalls zu Oscarnominierungen verholfen.

Kein Wunder das der Film auch eine Nominierungen in der Königsdisziplin eingefahren hat und als bester Film durchaus Chancen auf den Sieg hat. Die Geschichte – das Drehbuch stammt dann auch aus der Feder von Jason Reitman, mit ein wenig Hilfe von Sheldon Turner („Spiel ohne Regeln“) und basiert auf dem gleichnamigen Roman von Walter Kim aus dem Jahr 2001 – dreht sich um Ryan Bingham, dessen Job darin besteht, für Firmenchefs die nicht genug Mumm in den Knochen haben ihre Angestellten zu feuern, diese schmutzige Angelegenheit für sie zu erledigen. Da ein solcher Dienst in den ganzen USA gefragt ist, befindet sich Ryan auch immer on the road – allerdings in einem Flugzeug. Sein großes Ziel dabei ist die Zehn Millionen Meilen Grenze zu überschreiten. Bei einem solchen Leben ist natürlich keine Zeit für feste Bindungen oder Gedanken an das Niederlassen an einem Ort oder eine Familie. Er liebt es ungebunden zu sein. Dann wird sein Leben aber gleich an zwei Fronten erschüttert. Zum einen stellt sein Chef ihm eine neue aufstrebende Kollegin vor, die eine Möglichkeit gefunden hat, die Kosten der Firma zu senken indem man in Zukunft per Videokonferenz die Angestellten der Fremdfirmen feuert. Das würde Ryans Existenz in seinem Job natürlich gehörig in Frage stellen. Dann lernt er auch noch Alex kennen, die ein weibliches Äquivalent zu ihm selbst zu sein scheint. Immer mehr wird Ryan mit einer Welt konfrontiert, in der er über seine Einsamkeit nachdenken muss, dass er sich von seiner Familie entfremdet hat, keine wirklichen Freunde besitzt und auch die Liebe in seinem Leben zu kurz kommt.

An dieser Stelle sei gesagt, dass all die Golden Globes die „Avatar“ bereits gewonnen hat, eigentlich diesem Film gebühren. Von vorne bis hinten weiß „Up In The Air“ zu unterhalten. Das liegt nicht nur an den Performances des Dreigestirns Clooney, Kendrick, Farmiga, sondern auch an der Ausgeglichenheit von Humor und Drama. Natürlich ist es hart mit anzusehen was für ein kerniger Typ Ryan Bingham zu sein scheint, im gleichen Atemzug muss man aber auch erkennen, dass der Lebensstil den dieser verfolgt einfach nicht glücklich machen kann. Das wird ihm dann auch nur zu gut von Anna Kendrick in der Rolle der Natalie Keener vor Augen geführt. Die Kleine „Twilight“ Darstellerin (sie ist in den Verfilmungen als „Jessica“ zu sehen) spielt sich mit einem Mix aus naivem Mädchen und Heulboje – auch wenn das jetzt negativ klingt – in die Herzen der Zuschauer. Man merkt den enormen schauspielerischen Sprung der 25jährigen Darstellerin von „Twilight“ zu „Up In The Air“ deutlich und darf sich auf kommende Rollen abseits des Stephanie Meyer Kitsches freuen.

Daneben möchte man fast sagen, dass es eine Vera Farmiga („The Orphan“, „Der Junge im gestreiften Pyjama“) schwer hat zu Punkten, aber auch sie weiß als Frau, die sich auf die Spielchen von George Clooneys Charaktere einlässt zu überzeugen. In einer der schönsten Szenen des Filmes, wirft Reitman das Familienbild der Dreiergruppe über Bord und wir sehen wie sich Farmiga und Clooney liebevoll wie Eltern um die junge Kendrick kümmern müssen, da diese gerade einen schweren Schicksalsschlag ertragen musste. Eine Familienszene die eigentlich gar keine ist und gerade hierdurch so humorvoll in Szene gesetzt wird. An solchen Stellen beweist „Up In The Air“ das es nicht nur irgendein Film aus der Hollywoodschmiede ist, sondern durchaus intelligent erzählt wird.

Ebenfalls interessant ist die Tatsache, dass die Kündigungsgespräche die Ryan Bingham mit seinen Klienten führen muss mit Laiendarstellern – eher mit normalen Menschen von der Straße – aufgenommen wurden, die in der Tat gerade ihren Job verloren hatten. So hat man diesen zu einer kleinen Summe Geld verholfen und zeitgleich sehr realistisch wirkende Reaktionen auf die überraschende Kündigung einfangen können. Nur zwei kleine Gastauftritte kann man während den Zusammenschnitten erleben. So sieht man einmal Zach Galifianakis („The Hangover“) als „Steve“ und J.K.Simmons („Spider-Man“) als „Bob“.

„Up In The Air“ ist ein Film wie Hollywood eigentlich Filme machen sollte. Eine originelle Idee wurde hier von einem Regisseur der zweiten Generation hervorragend umgesetzt. Man darf hoffen das die Academy of Motion Picture Arts and Sciences nicht nur auf die technischen Fortschritte eines “Avatar” gucken wird wenn sie am 7.März die Oscar Trophäen verleihen, sondern eben auch darauf achten das sie einen Film auszeichnen, der seit langer Zeit mal wieder einmalig und originell daherkommt. Sollte dies der Fall sein, dürfte „Up In The Air“ mit mehr als nur einer Auszeichnung das Kodak Theatre in Hollywood verlassen.

Denis Sasse
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2 Kommentare

  1. […] Die Kritik zum Film gibt es ab sofort und noch pünktlich vor der Oscar Verleihung am 7.März 2010 hier auf Film To Go. […]

  2. Der Film scheint bei dir ja viel Eindruck hinterlassen zu haben. Ich kann diese Meinung nicht so ganz teilen. Der Mix aus leichter Komödie und tiefergehendem Drama gelingt meines Erachtens nicht so gut und Clooney wirkt bis zum Ende viel zu glatt und geschniergelt. Einigermaßen vergnüglich für einen Abend, aber keinesfalls einen Oskar wert.


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