Valentinstag

Okay, der Valentinstag ist nun schon einige Wochen her, aber vielleicht brauchte ich diesen zeitlichen Abstand zum Film um mich mit einer weniger romantischen Stimmung an eine Kritik zu setzen. Regiesseur Garry Marshall, der sich einen Namen gemacht hat in dem romantischen Genre mit Filmen wie „Pretty Woman“, „Die Braut die sich nicht traut“ oder aber den zwei Teilen von „Plötzlich Prinzessin“, hat diesmal einen episodenhaftigen Film geschaffen, in dem neben Julia Roberts (aus eben „Pretty Woman“ und „Die Braut die sich nicht traut“) und der Prinzessin Anne Hathaway zahlreiche namenhafte Hollywood Akteure einen Auftritt absolvieren: Jessica Alba, Jessica Biel, Bradley Cooper, Ashton Kutcher, Jamie Foxx, Shirley MacLaine, Jennifer Garner, Patrick Dempsey, Taylor Swift, Taylor Lautner, Queen Latifah, Topher Grace und Kathy Bates.

Und all die Namen wollen natürlich auch in einer Handlung untergebracht werden. Hierfür hat man sich auf einen Tag im Leben von einer Reihe von Menschen beschränkt, die auf unterschiedlichste Weise ihren Valentinstag verbringen. Es gibt Affären, es werden Hochzeiten geplant, Menschen haben ihr großes Coming-Out, Beziehungen die schon über viele Jahre andauern werden auf einmal in Frage gestellt. Es geht um die erste große Liebe, es geht um die Kommerzialisierung des Valentinstags und darum wie man den Tag am besten ignorieren kann. Irgendwo hat jeder der Charaktere auch etwas mit dem anderen zu tun, wodurch es möglich ist alle Handlungen miteinander in Verbindung zu setzen, zu verstricken, manches davon erfährt man dann auch erst zum Ende des Filmes, so das es dann doch noch den ein oder anderen Aha-Effekt in einem sonst recht vorhersehbaren Film gibt.

Kommen wir erst einmal zu einem Lichtblick des Filmes, denn nicht nur kitschig/schmalzige Geschichten werden erzählt. Leider ist dieser kleine Schimmer von Originalität auch die kürzeste Episode des Filmes, also ein Teil, der nur wenig Zeit bekommen hat um erzählt zu werden. Hier spielen Topher Grace („Die wilden Siebziger“, „Spider-Man 3“) und Anne Hathaway („Rachels Hochzeit“, „Der Teufel trägt Prada“) ein frisch verliebtes Paar, das sich noch gar nicht so lange kennt und versucht das perfekte Date am Valentinstag zu erleben. Dabei wundert sich Jason (Grace) drüber, dass Liz (Hathaway) immer wieder einfach aus dem Zimmer läuft um ständige Telefonate anzunehmen. Dabei ahnt er nicht, dass sie sich mit Telefonsex ein wenig Geld dazuverdient. Amüsant erzählt harmonieren die beiden Jungschauspieler überraschend gut miteinander und stechen in diesem Film hervor. Schade das sie nicht mehr Leinwandpräsenz bekommen haben und diese Zeit lieber mit Ashton Kutcher, Julia Roberts, Patrick Dempsey und Jessica Alba verschenkt wurde, die den Mittelpunkt der Erzählung bilden, die dann tatsächlich ganz Valentinstagstypisch kitschig, schmalzig und vorhersehbar gestaltet.

Dabei hatte man doch 2003 noch mit „Tatsächlich…Liebe“ einen solchen romantischen Film im Episodenstil vorgelegt, der ähnlich gestrickt durchaus positive Resonanzen bekommen hatte. Hätte sich Garry Marshall hier ein wenig abgeschaut – und hätte er auf Ashton Kutcher als Hauptprotagonist verzichtet – hätte er mit „Valentinstag“ einen schönen Folgefilm hinlegen können. Aber da hat Regiesseur Richard Curtis damals einfach die bessere Arbeit vorgelegt. Außerdem ist der Film mit einer Länge von über zwei Stunden (125 Minuten) absolut zu lang geraten. Man möchte sich einfach nicht über diese Zeitspanne – egal wie viele Handlungen hier parallel erzählt werden – mit einem solchen Kitsch auseinandersetzen.

Schade das jetzt schon eine Fortsetzung für dieses Valentinstags-Massaker geplant ist. Der Titel: „New Years Eve”. Man darf also gespannt sein welche Darsteller sich in der nächsten Ensemble RomCom auf die Leinwand trauen werden um in vielen kleinen Geschichten zu erzählen, wie sie ihren Jahreswechsel erleben. Hoffen darf man, dass Regiesseur Garry Marshall aus seinem Misserfolg gelernt hat und – sollte er diese Fortsetzung auch inszenieren – einen ansatzweise ansehbaren Film abliefern wird. Mit „Valentinstag“ kann er jedenfalls keinen Blumenstrauß gewinnen.

Denis Sasse

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