Verblendung

Verblendung„Verblendung“ ist der erste Teil der sogenannten „Millenium-Trilogie“ von Stieg Larsson – der am 9.November 2004 in Stockholm starb und von den Verfilmungen somit leider nichts mehr mitbekommt. Der zweite Teil trägt den Titel „Verdammnis“ und ist bereits für Februar 2010 angekündigt. Der dritte Teil – „Vergebung“ – wird dann sicher auch nicht lange auf sich warten lassen.

Der Unternehmer Henrik Vanger bekommt jedes Jahr zum Geburtstag en Bild einer zusammengepressten Blume geschickt. Jedes Jahr aus einem anderen Land der Welt. Jedes Jahr von einer ihm unbekannten Person. Früher bekam er eben jene gepressten Pflanzen von seiner Nichte Harriet geschenkt, die allerdings seit über 30 Jahren als vermisst gilt. Henrik Vanger vermutet einen Mord und verdächtigt ein Mitglied der großen Vanger-Familie. Da sich Henrik schon in einem eher fortgeschrittenem Alter befindet, aber unbedingt das Verschwinden Harriets vor seinem Tod aufgeklärt haben möchte – die Polizei konnte den Fall vor 30 Jahren nicht klären und musste Harriets Akte schließen – beauftragt er den Enthüllungsjournalisten Mikhael Blomkvist – genannt Kalle Blomquist, nach der schwedischen Kinderbuchfigur von Astrid Lindgren – vom „Millenium“-Magazin, der diesen Fall noch einmal aufrollen, in der Vergangenheit recherchieren und das Mysterium um Harriet aufklären soll. Henry Vanger lässt Blomkvist alle ihm zur Verfügung stehenden Unterlagen über Harriet und die ganze Familie zukommen, doch auch der Journalist kommt mit all diesen Materialien keinen Schritt weiter. Wie einst die Polizei tappt auch er im Dunkeln. Dann allerdings bekommt er einen Hinweis von der Punk-Computerhackerin Lisbeth Salander, die den Laptop von Mikael die ganze Zeit über ausspioniert hat und ihm nun durch einen Tipp der Lösung des Rätsels ein Stück näher bringen möchte. Natürlich ist der Freizeitdetektiv nicht gerade davon begeistert, dass all seine Daten der Hackerin bekannt sind und das diese sich immer auf den aktuellen Stand seiner Ermittlungen gehalten hat. Trotzdem sieht er in Lisbeth eine Verbündete, die ihm dabei helfen kann und soll den Fall um Harriet Vanger zu klären. Gemeinsam kommen beide einer abgrundtief bösartigen Familienverschwörung auf die Schliche. In der Familie Vanger gibt es nicht nur Korruption, sondern auch Nazi-Machenschaften und Inzest. Dabei ist natürlich – ausser Mikhaels Auftraggeber Henry Vanger, der auch noch einen Herzinfarkt erleidet – der Clan der Vangers wenig begeistert von den Ermittlungen des Journalisten und seiner Partnerin.

Verblendung 1Der Originaltitel von „Verblendung“ lautet übriegens „Män som hatar kvinnor“, was soviel bedeutet wie „Männer, die Frauen hassen“. Und dieser Titel würde auch ziemlich genau wiedergeben, was man im Film zu sehen bekommt. An filmischen Momenten diverser Gewaltszenen wurde wahrlich nicht gespart. Um es kurz zu machen: Mit „Verblendung“ ist Regisseur Niels Arden Oplev – den man vielleicht von vorherigen Arbeiten als Regisseur bei „We Shall Overcome“ (2006), „Defense“ (2003) oder „Chop Chop“ (2001) kennt – ein absolut erfolgreicher Auftakt zu dieser Krimi-Trilogie gelungen.

Die Zuschauer bekommen einen soliden Thriller geliefert, der den Fokus des insgesamt 700seitigen Romans auf die Detektivgeschichte legt. In diesem Aspekt bewegt sich der Film sehr nahe an der literarischen Vorlage. Schaut man dann auf der anderen Seite auf das Dreiecksverhältnis zwischen Hauptprotagonist Mikhael Blomqvist, Erika Berger und dessen Mann, sucht man im Film verzweifelt nach dieser Nebenhandlung. Sie bleibt außen vor, ist für den Film dann aber auch nicht weiter wichtig. Wo der Roman mit vielschichtigen Personenportraits, einen Blick auf die schwedische Gesellschaft und deren Sünden wirft, geht es im Film hauptsächlich um die Schnüffel-Arbeit des „Millenium“-Journalisten und der Computer-Hackerin an seiner Seite. Man sollte auf keinen Fall von einem oberflächlichen „Tatort“ Verschnitt ausgehen. Dafür sind die Schauspieler viel zu gut. Die Gefühlswelten der Charaktere – vor allem die, der Lisbeth Salander – stehen stark im Mittelpunkt des Geschehens.

Verblendung 2Die Darsteller sind auf jeden Fall ein ganz großer Pluspunkt des Films – nicht das es negatives über „Verblendung“ zu sagen gäbe. Vorallem Noomi Rapace, die die traumatisierte Lisbeth spielt, dürfte sich als eine talentierte Neuentdeckung auf dem Filmmarkt herauskristallisiert haben. Sie liefert im Gothik-Look und mit introvertiertem Auftreten ein schauspielerisches Highlight nicht nur des Filmes, sondern des ganzen Kinojahres 2009. Ihr zur Seite steht Michael Nyqvist als idealistischer und charmanter Mikhael „Kalle“ Blomqvist. Man merkt beiden Darstellern die Harmonie miteinander auf der Leinwnad an und freut sich darauf, dass beide für die noch zwei ausstehenden Fortsetzungen wieder in ihre jeweiligen Rollen schlüpfen werden.

Mit „Verblendung“ darf man sich nicht nur auf einen – seit langer Zeiten – Buchbestseller aus dem skandinavischen Lande erfreuen, sondern auch auf eine Literaturverfilmung die weitaus besser gelungen ist als es bei einem der bisherigen Dan Brown Abenteuern der Fall war.

Denis Sasse
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