Verrückt nach Steve

Die Geschichte ist wohl schon zu genüge durch die Medien gegangen. Einen Tag vor ihrem großen Sieg bei der 2010er Auflage der Academy Awards – bei denen sie den Oscar als beste Hauptdarstellerin für ihre Rolle in „Blind Side – Die große Chance“ bekommen hat – bekam Sandra Bullock den „Anti-Oscar“, die goldene Himbeere, mit der die schlechtesten Filme, Schauspieler, Regisseure etc. des Jahres ausgezeichnet werden. Nach Halle Berry als „Catwoman“ war Bullock immerhin erst die zweite Person überhaupt die bei der Verleihung der Himbeeren anwesend war und ihre Auszeichnung als schlechteste Darstellerin in einem Film entgegen nahm – löblich! Der Film? „Verrückt nach Steve“.

Hier spielt Sandra Bullock die exzentrisch schrille Mary Horowitz, die als Kreuzworträtselautorin bei einer Tageszeitung arbeitet. Sie ist zunächst etwas skeptisch, als ihre Eltern ihr ein Blind Date verschaffen. Als sie dann aber ihre Verabredung sieht – den coolen Nachrichtenkameramann Steve (Bradley Cooper aus „The Hangover“) – verliebt sie sich an Ort und Stelle. Bei ihm wiederum sieht das etwas anders aus. Er ergreift noch beim ersten Treffen die Flucht und verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Mary ist aber davon überzeugt in Steve ihren Seelenverwandten gefunden zu haben und nimmt die Verfolgung auf. Sie folgt dem Kameramann auf Schritt und Tritt und bekommt dabei fleißige Unterstützung von dem Nachrichtenreporter Hartman Hughes (Thomas Haden Church aus „Smart People“), der mit Steve zusammenarbeitet und sich nur zu gerne einen Spaß daraus macht diesem das Leben schwer zu machen.

Als nicht allzu großer Fan von romantischen Komödien steht man einem solchen Set-Up natürlich von vornherein skeptisch gegenüber. Was aber auf unterster Ebene in Filmen mit Gerard Butler, Jennifer Aniston, Jennifer Garner, Ashton Kutcher und wie die üblichen Verdächtigen für solche Filme alle heißen, gerade noch erträglich ist, geht hier mit Sandra Bullock in eine total falsche Richtung. Erster Kritikpunkt ist wohl die Tatsache, dass man hier Sandra Bullock aus Werbezwecken wohl als das Zugpferd angesehen hat und sie als Hauptdarstellerin verkaufen wollte. Viel mehr Leinwandzeit bekommt dann aber Bradley Cooper, der sich mit Auftritten in „Der Ja Sager“, „Er steht einfach nicht auf dich“ und schließlich „The Hangover“ ein wenig Beachtung in Hollywood verschaffen konnte – immerhin darf er in Joe Carnahans „The A-Team“ Film in die Rolle von Face schlüpfen. Wäre ihm die Ehre zuteil geworden diesen Film auf seinen Schultern zu tragen, es wäre vermutlich eine seicht verträgliche Komödie geworden, die man sich an einem Sonntagnachmittag ohne dabei Schmerzen zu erleiden hätte anschauen können. Sandra Bullock verfehlt mit ihrer Rolle als Leittier und der Darstellung einer exzentrischen Kreuzworträtseltussi dann aber total das Ziel und man läuft eher Gefahr ihren Charakter als minderbemittelte, dümmlich daherkommende, naive Stalkerin zu verstehen.

Da ist dann ja auch der Haken an der ganzen Geschichte. Dürfte man den ganzen Film über den Abenteuern der beiden Reporter Bradley Cooper und Thomas Haden Church folgen wäre das durchaus ertragbar und ab und zu vielleicht sogar unterhaltsam. Aber in jeder Szene in der Bullock einen Auftritt absolviert, möchte man am liebsten schreiend aus dem Kinosaal fliehen. Selten hat man eine so unsympathische Darstellungsweise eines Hauptprotagonisten erleben dürfen…zuletzt dann wahrscheinlich wirklich Halle Berry in „Catwoman“ womit wir bei der verdienten Goldenen Himbeere gelandet wären.

Man möchte an dieser Stelle auch fast vermuten das Frau Bullock ihren Academy Award am Folgetag der Goldenen Himbeere-Verleihung nur bekommen hat um sie damit zu ersten Schauspielerin zu machen, die beide Auszeichnungen in dem selben Jahr bekommen hat. Hier bewies die Academy of Motion Picture Arts and Science jedenfalls mehr Humor als es „Verrückt nach Steve“ in all seinen endlos erscheinenden 99 Minuten nur eine einzige Sekunde lang gelingen würde. Ein Film der durch ein gehörloses Kind das in eine tiefes Loch fällt Lacher erzeugen will, ist auf meiner humoristischen Skala jedenfalls eher im unteren Bereich angesiedelt.

„Verrückt nach Steve“ wird hoffentlich am 29.April niemand sein, es wäre eine Verschwendung von Kinogeld.

Denis Sasse

1 Kommentar

  1. […] Die Kritik zum Film gibt es jetzt hier auf Film To Go. […]


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