Vincent will Meer

Florian David Fitz ist seit seiner Rolle als ‚Dr.Marc Meier‘ in dem deutschen ‚Grey’s Anatomy‘ Äquivalent ‚Doctor’s Diary‘ ein Frauenschwarm und übernimmt normalerweise auch genau diese Rollen. Sein letzter erwähnenswerter Filmauftritt dürfte neben Til Schweiger in der Komödie ‚Männerherzen‘ gewesen sein. Für seinen aktuellen Film ‚Vincent will Meer‘ hat sich Herr Fitz sogar selbst mit dem Drehbuch beschäftigt und dieses geschrieben. Bewundernswert wie man dann im Film selbst merkt, dass er eigentlich gar nicht so sehr die zentrale Figure ist und all seine Charaktere gleichberechtigte Handlungsstränge verfolgen. Dabei haben sich seine Mitstreiter Karoline Herfurth, Johannes Allmayer, Katharina Müller-Elmau und Heino Ferch in die Obhut des Regisseurs Ralf Huettner begeben, der mit Klamaukstreifen a la ‚Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem‘  mit Helge Schneider oder ‚Voll Normaaal‘ mit Tom Gerhardt nicht unbedingt wie die erste Wahl für eine solche Dramakomödie wirken dürfte. Aber es scheint alles gepasst zu haben, denn ‚Vincent will Meer‘ ist ein komischer, aber auch dramatischer Film geworden, bei dem die Darsteller überzeugen, anscheinend auch Spaß am Dreh und der Geschichte hatten und somit ein weiterer Film auf der Liste von guten deutschen Filmen erscheint.

;Der am Tourette-Syndrom leidende Vincent (Florian David Fitz) wird von seinem Vater (Heino Ferch) in eine Anstalt abgeschoben. Dort lernt er zuerst einmal seinen Zimmer-Mitbewohner Alexander (Johannes Allmayer) kennen, der sich als Zwangsneurotiker herausstellt. Außerdem trifft er noch auf die Magersüchtige Marie (Karoline Herfurth), die der Troublemaker in der Anstalt zu sein scheint und ihn auch schon bald dazu anstiftet, eine kleine Spritztour mit dem Auto der Oberärztin Dr.Rose (Katharina Müller-Elmau) in Richtung Meer zu unternehmen. In der Nacht des großen Ausbruchs, steht dann auf einmal auch Alex auf dem Parkplatz und droht die beiden Flüchtlinge zu verpfeifen. Als Folge wird er kurzerhand gekidnapped, freundet sich aber bald auch selbst mit der Situation ab und genießt die plötzliche Freiheit. Derweil begeben sich die Oberärztin gemeinsam mit dem stets gestressten Vater von Vincent auf die Suche nach den Ausreissern. Und während Vincent und Co. die Freiheit für sich entdecken, müssen Vincents Vater und Dr.Rose bald auf ihre Freiheit verzichten.

Es tut definitiv gut zu sehen, das auch Filme fernab von Til Schweiger, Matthias Schweighöfer und Daniel Brühl gute Schauspieler hervorbringen. Florian David Fitz dürfte hier die größte Überraschung sein, überzeugt er weniger durch sein Aussehen und tatsächlich mehr durch seine Darstellung eines am Tourette-Syndrom leidenden End-Zwanziger. Fast beiläufig lässt er den Zuschauer immer wieder merken was seine Figur hier zu erleiden hat. Auf der anderen Seite driftet der Film nicht so sehr ins dramatische ab, als das man bald von der Darstellungsweise genervt wäre. Vielmehr traut man sich auch, mit der Krankheit zu spielen und somit auch humorvolle Szenen einzubauen, die auf dem Tourette-Syndrom beruhen, ohne dabei allerdings in eine unnötige Persiflage abzudriften. Auch ist es nicht Florian David Fitz allein der den Film zu tragen hat. Gerecht geteilt wird die Aufmerksamkeit mit Karoline Herfurth, die die wohl dramatischste Rolle zu füllen hat. Zumindest fühlt es sich am Ende des Filmes so an, also ob ihr Handlungsstrang ein eher nicht so gutes Ende genommen hat wie bei den anderen beiden. Auch wenn der Film natürlich keine Heilung verspricht und zeigt, weiß er Menschen darzustellen die mit ihrem Leiden zu leben im Stande sind. Im Falle des Zwangsneurotikers Alex merkt man das im Verlauf des Filmes am ehesten, macht er doch die auffälligste Veränderung mit. Dies könnte aber auch an der dann doch recht extremen Darstellungsweise liegen. Er teilt sich das Feld mit Heino Ferch als ‚Clowns‘ des Filmes. Sind es bei Alex die besagten Zwangsneurosen die einem immer wieder ein Grinsen abgewinnen lassen, ist es bei Heino Ferch seine Darstellung als Vater, der als ‚Busy Businessman‘ den Stereotypen des Geschäftsmannes so abgehoben darstellt, das man einfach nur über manche Situationen lachen muss. Sicher hat Ferch mit seiner Erfahrung diese Rolle aus dem Handgelenk gespielt, dennoch merkt man auch bei ihm, dass er in diesem Fall Spaß an der Arbeit hatte.

Es darf nicht vergessen werden die wunderschönen Kulissen zu erwähnen. Auf ihrer Reise ans Meer kommen die drei Hauptdarsteller irgendwann an den Alpen vorbei. Hier wird dann der Fokus wirklich einmal auf die Landschaftsaufnahmen geworfen, bei denen man sich durchaus von den Bergen erschlagen fühlen kann. Es kommt sofort ein Freiheitsgefühl auf und man weiß das hier die Szenerie richtig gewählt wurde, unterstreicht sich doch noch einmal den Freiheitswunsch der ansonsten in einer kleinen Anstalt eingepferchten Hauptprotagonisten.

Natürlich darf man während des Filmes die ein oder andere Frage aufwerfen was den Realitätsbezug angeht. So handeln alle drei Figuren um die es hier geht in verschiedenen Situationen eher entgegen ihrer normalen Verhaltensweise die sie aufgrund ihrer jeweiligen Leiden an den Tag legen. Ob eine Magersüchtige die nötige Energie hat einen langen ‚Spaziergang‘ durch die Alpen hinter sich zu bringen ist eher fraglich. Ob ein Zwangsneurotiker all seine Neurosen von hier auf jetzt für eine schöne Landschaft im Stande ist abzulegen darf auch angezweifelt werden. Aber es stört einfach nicht. Es ist ja auch nur ein Film. Ein Film der zu unterhalten weiß und das auf so vielen Ebenen. Man kann mit den Figuren lachen, im nächsten Moment aber auch wieder ganz ruhig werden und mit ihnen leiden.

‚Vincent will Meer‘ ist ein abwechslungsreicher, mal trauriger, mal lustiger Film, der sicherlich nicht den Kassenerfolg eines ‚Keinohrhasen‘ oder ‚Zweiohrküken‘ mit sich bringen wird, aber auf einer Erzählebenen und darstellerischen Leistung sicherlich weit über diesen beiden Filmen steht. Florian David Fitz sollte weiterhin auf solche Rollen bauen und nicht in unnötigen Klamaukfilmen auftauchen, dann ist er vielleicht auch ein Kandidat um einmal in einer kleinen Rolle in einem dieser großen Filme aufzutauchen, die in der Ferne, da hinten, über dem großen Teich produziert werden.

Denis Sasse

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1 Kommentar

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