Whip It!

Shauna Cross ist nicht nur eine Roller Derby Sportlerin, sondern seit ihrem Buch „Whip It“ sowie der gleichnamigen Verfilmung auch eine Roman- und Drehbuchautorin. Unter ihrem Pseudonym „Maggie Mayhem“ spielt sie für die Los Angeles Derby Dolls. Aber vielleicht erst eine kleine Einführung in diese doch eigentlich eher unbekannte Sportart: Das Roller Derby stammt aus den USA und dürfte – wie auch das Wrestling – als Sports Entertainment angesehen werden. Ein Rollerteam fährt dabei in einer vorbesprochenen Formation eine ovale Strecke ab. Ziel ist es, Punkte dadurch zu errollen, bestimmte Mitglieder des gegnerischen Teams zu überholen. Der Film beruht – wie bereits erwähnt – auf dem gleichnamigen Roman, wobei die Autorin Shauna Cross auch selbst die Umarbeitung von Roman in ein Drehbuch übernommen hat. Der Roman wiederum basiert lose auf den Erfahrungen die Cross gemacht hat, während sie für die Texas Rollergirls angetreten ist.

Im Film nimmt Bliss Cavendar, dargestellt von Ellen „Juno“ Page, die Hauptrolle ein. Sie lebt mit dem schweren Schicksal eine Mutter zu haben, die ihre Tochter unbedingt zur nächsten Miss America erziehen will. Es ist eine Gesellschaft von Spiessern zu denen auch ihre Mutter gehört, aus der Bliss vergeblich versucht auszubrechen. Mama ist auf Anerkennung in ihrem kleinen Heimatdorf aus, die Tochter soll schön sein, es geht um Prestigedenken, um Erfolg in einer Sache die von allen anderen als wichtig angesehen wird. Hinzu kommt das sich Bliss ihr Geld in einem kleinen Restaurant – oder Diner – verdienen muss, in dem die Arbeitskleidung aus einer Schweinchen-Schürze besteht. Ein alles andere als glückliches Leben für die alternativ aussehende Bliss, die von ihrer Mutter nur zum Shopping mitgenommen wird damit diese sie von ihrem grausamen Look befreien kann und nicht etwa um einfach nur Zeit mit der Tochter zu verbringen. Nichtsahnend landen die beiden dann allerdings in einem Headshop – wo die alternative Kultur natürlich eher zelebriert wird und es auch noch zu einer schicksalhaften Begegnung zwischen Bliss und einigen Roller Derby Girls kommt, die Bliss‘ Gedanken noch mehr um ein Leben fernab von missglückten Auftritten bei Schönheitswettbewerben kreisen lassen. Schnell packt sich das beflügelte Mädchen einen Roller Derby Flyer in die Tasche, den Eltern wird erzählt man besucht mit der Freundin ein Spiel der lokalen Football-Mannschaft und schon geht es los in Richtung des ersten Roller Derbys. Die Erfahrungen und das was sie an diesem Abend zu sehen bekommt, nehmen noch mehr Einfluss auf das junge Mädchen, die ihre pinken Rollschuhe auspackt und erste Fahrversuche unternimmt. Als dann auch noch ein Try Out der „Girl Scouts“ – ein nicht so erfolgreiches Team – stattfindet und Bliss sich zur Verwunderung des Trainers überraschend gut anstellt, nimmt die Geschichte um Bliss als Roller Derby Girl ihren Lauf. Sie wird immer schneller, sicherer, lernt mit dem immensen Körperkontakt und harten Schlägen umzugehen und verbringt ihr Leben quasi auf Rollschuhen. Sie wird zum „Game Changer“ für die Girl Scouts, die auf einmal beginnen ein paar ihrer Begegnungen sogar zu gewinnen. Mit „Babe Ruthless“, wie Bliss sich für das Team nennt, schaffen sie es sogar sich bis in die Championships zu spielen und stehen auf einmal im Finale gegen die Holly Rollers mit der auf Bliss‘ Talent Eifersüchtigen Iron Maven (Juliette Lewis) an der Spitze. Natürlich kommen auch irgendwann ihre Eltern dahinter, dass ihr Mädchen einen Weg einschlägt, der nicht unbedingt ihren Vorstellungen entspricht.

In der ersten Regiearbeit von Schauspielerin Drew Barrymore geben sich gleich einige schön anzusehende Darstellerinnen die Ehre. Allen voran natürlich Ellen Page, die wir zuletzt in „Smart People“ zu Gesicht bekommen haben. Die 22jährige – und ab Ende Februar 23jährige – hat wohl ein Faible für Aussenseiter Rollen, kein Wunder, spielt sie diese anscheinend auch mit sehr viel Enthusiasmus, immer überzeugend und mit Spaß an der Sache, was ja auch dem Zuschauer zu Gute kommt. Aber Spaß scheinen alle beteiligten Personen gehabt zu haben. Nicht minder begeistert ist man von den Auftritten von „Saturday Night Live“-Frontfrau Kristen Wiig als Maggie Mayhem (der Name, den auch die Autorin Shauna Cross im echten Leben als Roller Derby Sportlerin trägt), Juliette Lewis als „Iron Maven“, Regisseurin Drew Barrymore selbst als „Smashley Simpsons“ oder aber in Nebenrollen Sängerin Eve als „Rosa Sparks“ oder US-Late-Night-Talker, Schauspieler und Stand-Up-Comedian Jimmy Fallon als „Hot Tub Johnny Rocket“. Wobei man bei all den bekannten Namen – allen voran Barrymore und Lewis – das sie alle Platz machen für Ellen Page, die hier Raum geboten bekommt um eine One-Woman-Show abzuliefern und von den Nebencharakteren gerade einmal unterstützt, nicht aber überschattet wird.

Natürlich kann nicht alles nur Sonnenschein sein: So muss sich Ellen Pages Charakter im Verlauf des Filmes natürlich auch noch verlieben und das ausgerechnet und klischeegerecht in den Sänger einer Rockband. Dabei hätte die Geschichte um das kleine Mädchen das ihren Traum verwirklicht, ein Rrriot Girl wird und vom Schönheitswettbewerb auf dem Land zum Roller Derby in die Großstadt auszieht auch gänzlich ohne einen solch störenden Subplot funktioniert – vielleicht sogar besser, denn durch Szenen zwischen Bliss und ihrem angehimmelten Boyfriend geraten die Roller Derby Szenen etwas zu kurz. Man bekommt einige Häppchen zu sehen als Bliss anfängt sich für den Sport zu interessieren und mit dem Lernprozess beginnt, dann erst wieder zum großen Finale gegen die Holly Rollers. Hier hätte sich Drew Barrymore ruhig ein wenig von den Vorlagen die HOllywood für einen guten Film hat – Romanze, Happy End, etc. – lösen können. Die romantischen Einlagen reichen sowieso nicht – von der Chemie zwischen Ellen Page und „Boyfriend“ Darsteller Landon Pigg (sein Schauspieldebut) her – an z.B. einen On-Screen-Partner wie Michael Cera in „Juno“ heran.

Und wo wir schon bei Klischees sind: Natürlich möchte der Film uns etwas mit auf den Weg geben, aber das sind Messages, die wir schon tausendmal zuvor mit dem Holzhammer eingetrichtert bekommen haben. „Lebe deinen Traum“, „Lass dich nicht von anderen zurückhalten“, „Lebe dein Leben wie du es für richtig hälst“…und zum Ende der Geschichte sehen dass dann auch alle Charaktere des Filmes ein und Bliss steht als Heldin da.

Allerdings ändert das nichts an der Tatsache, dass wir hier einen Fun Movie von Barrymore serviert bekommen haben. Wenn man mal nicht genauer hinschaut und sich von den klischeebehafteten hollywoodtypischen Stilmittel ärgern lässt, kann man durchaus – wie auch die Darsteller – Spaß an dem Film haben. Halten wir es der Regisseurin zu Gute, dass es a) ihr erster Film ist bei dem sie auf dem Chefsessel Platz genommen hat und b) sie sich mit dem eher noch unfilmischen Thema des Roller Derbys auseinandergesetzt hat – man kann evtl. noch Filme nennen wie „The Fireball“ (1950) oder „Unholy Rollers“ (1972) und dabei auch noch an eine Romanvorlage halten musste.

„Whip It!“ startet in Deutschland am 24.April 2010.

Denis Sasse

1 Kommentar

  1. […] Die Kritik zum Film mit Ellen Page in der Hauptrolle und in Nebenrollen Juliette Lewis und Drew Barrymore findet hier jetzt hier auf Film To Go. […]


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