Zombieland

Zombieland HauptplakatEs gibt Filme, die man gucken muss nur um den Hype zu verstehen der um sie gemacht wird. „Zombieland“ gehört sicher dazu. Der Film wird im Internet als der neue Zombie-Kult-Film gehandelt und mit einem Film wie „Shaun of the Dead“ verglichen. Auch wenn ich behaupte das der Vergleich hier ein wenig hinkt, denn „Zombieland“ ist so viel mehr als ein schlichter Metzelfilm in dem es hauptsächlich darum geht wie man am besten Untote beseitigt. An dieser Stelle nicht falsch verstehen, „Shaun of the Dead“ war eine absolute Bereicherung für das Zombie-Genre und genauso ist es auch „Zombieland“, nur auf eine komplett andere Weise, darum würde ich nie versuchen diese beiden Filme miteinander in Verbindung zu setzen.

Aber fangen wir doch vorne an: Einmal mehr ist ein Virus dafür verantwortlich, dass die ganze Menschheit in eine fleischfressende, hirnlose und vor allem untote Bevölkerung verwandelt wurde. Jesse Eisenberg spielt einen der wenigen Überlebenden in „Zombieland“, der sich nach Columbus durchschlagen will um dort nach seinen Eltern zu suchen. Dabei wird er anfangs unterstützt von dem nach Twinkies (amerikanischer Minikuchen) süchtigen und auch etwas verrückten, Zombiekiller Tallahassee, der Menschen nach deren Heimatort benennt, um so in einer Welt in der man schnell von einem Zombie angefallen und in ihresgleichen transformiert werden kann, keine zu engen emotionalen Bindungen einzugehen. Auf ihrer gemeinsamen Reise quer durch die USA treffen die beiden dann noch auf das Schwesternpaar Wichita und Little Rock, die den beiden von einem Vergnügungspark erzählen, der in Kalifornien sein soll und von Zombies komplett verschont geblieben sei. Diese Information ändert natürlich alles und das Reiseziel wird spontan geändert.

Szenebild 1Der Regisseur heißt Fleischer, Ruben Fleischer. Er reiht sich ein in die neue Generation von Filmemachern, die im Moment Hollywood mit ihren Erstlingswerken beeindrucken. Neben ihm stehen Namen wie Neill Blomkamp („District 9“) und Shane Acker („9“). Männer die man beobachten sollte, weil ihre Karriere erst angefangen hat. Und gerade bei Ruben Fleischer wird man geradezu dazu gezwungen an Namen wie George A.Romero zu denken, der seine Filmkarriere ebenfalls mit einem sehr erfolgreichen Zombiefilm („Die Nacht der lebenden Toten“ von 1968) begann. Dabei zeigt Fleischer aber, dass es auch Zombiefilme geben kann, die sich weniger mit den Zombies und mehr mit der Beziehung zwischen den Hauptakteuren beschäftigt. Natürlich gibt es Zombies, natürlich werden diese auf möglichst schön anzusehende Art geschlachtet, aber dabei geraten die eigentlichen Figuren niemals in den Hintergrund. Wir bekommen mit „Zombieland“ eine Horrorkomödie die eher auf komödiantische und darstellerische Momente aufbaut als sie es auf Horrormomente tut.

Columbus, Tallahassee, Wichita und Little Rock, so nennt der Regisseur seine vier Protagonisten. Dargestellt werden sie von Jesse Eisenberg, der bereits in „Adventureland“ Erfahrungen in einem Freizeitpark machen durfte, auch wenn diese etwas anders aussahen als in „Zombieland“. Tallahassee wird grandios gespielt von Woody Harrelson, der anscheinend ein Comebackversuch startet, ist er doch im Moment auch in dem Emmerischen Katastrophenfilm „2012“ zu sehen und legt in „Zombieland“ sicher seine beste Leistung seit „Natural Born Killers“ hin. Dann wären da noch Wichita und Little Rock. Die Schwestern werden von Emma Stone („Superbad“) und Abigail Breslin („Little Miss Sunshine“) verkörpert.

Szenebild 2Eisenberg spielt dabei die eigentliche Hauptfigur. Ihm folgen wir von Beginn des Filmes an. Zwischendurch wird er auch noch als Erzähler der Geschichte etabliert, in dem er immer wieder aus dem Off die Handlung kommentiert. Außerdem klärt er uns immer wieder über seine Überlebensregeln auf, die in den entsprechenden Situationen als Schriftzüge im Bild erscheinen (Die TV Serie „Heroes“ hat es vorgemacht, auch hier werden die Episodentitel in die Handlung integriert). Als Beispiele könnte man direkt Regel Nummer 1 nennen, die besagt man solle sich körperlich fit halten. Nicht umsonst wären fette Leute die ersten Opfer der Zombies gewesen, konnten sie doch nicht wirklich vor diesen davonlaufen. Die Vermeidung von öffentlichen Toiletten, das Reisen mit leichtem Gepäck oder das man immer erst den Rücksitz inspizieren soll, bevor man in ein Auto steigt, sind nur einige wenige weitere Beispiele für die Regeln die sich der neurotische, übervorsichtige, World of Warcraft spielende Columbus zurecht gelegt hat.

Emma Stone und Abigail Breslin verblassen dann doch etwas neben ihren männlichen Spielpartnern. Zwar wissen sie mit ihrer Gerissenheit, ihrem Zynismus und der Tatsache das sie Columbus und Tallahassee ständig verarschen zu unterhalten, aber wer kommt schon gegen ein absolut coolen Woody Harrelson an, der hier ein Talent dafür beweist die Zombies auf möglichst lustige, aber auch recht blutige und eklige Art dran glauben zu lassen.

Szenebild 3Das sind aber nur vier von insgesamt sieben Sprechrollen im Film. Man möchte die restlichen drei natürlich nicht unerwähnt lassen, vor allem wenn ein Gastdarsteller doch den Cameo Auftritt des Jahres hinlegt. Aber fangen wir langsam an: Amber Heard aus „All The Boys Love Mandy Lane“ ist in einem Rückblick von Columbus zu sehen. Sie spielt das erste Zombie das ihm über den Weg läuft und sogleich auch seine erste Erfahrungen mit einem Mädchen versaut. Dann wäre da noch Mike White („School of Rock“), der sich in dem Rückblick der Schwestern Wichita und Little Rock von den beiden verarschen lässt. Und das eigentliche Highlight ist dann Bill Murray („Broken Flowers“), der sich in seiner Episode in „Zombieland“ über die egozentrische Art von Hollywood Stars und seine eigene Karriere lustig macht.

Aber um auch Aspekte fernab von den Darstellern einzubringen: Fleischer arbeitet genau in den richtigen Momenten mit Superzeitlupenaufnahmen, die das Geschehen im Film noch deutlicher und dadurch noch kreativer und interessanter gestalten. Selten konnten Bilder die so langsam abgespielt wurden so schön groteske Handlungen darstellen.

Der Film bietet nicht nur ein primitives Abschlachten von Untoten. Ganz im Gegenteil, hier wird uns eine Geschichte von vier Charakteren erzählt, die in unterschiedlichsten Situationen versuchen müssen in einer Welt zu überleben, die von Zombies heimgesucht wurde. 88 Minuten an deren Ende man sich dann fragt, wann es denn endlich weiter geht mit „Zombieland“?

Denis Sasse

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